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Spitalsärzteversammlung Marienkrankenhaus Vorau
16.01.2020, 14:00 Uhr

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Impfen: Ohne Ärztinnen und Ärzte geht‘s nicht

Die Stimmen, die sich für Impfpflichten unterschiedlicher Art aussprechen werden lauter. Aber die größte Überzeugungskraft haben Ärztinnen und Ärzte – und das fast überall in Europa.

Warum lassen sich Menschen impfen? Die Empfehlung von Gesundheitsbehörden und die unterschiedlichen Impfpflichten haben beide ihren Stellenwert. Aber weit mehr zählt das Wort der Ärztin oder des Arztes. Laut einer Befragung (Eurobarometer) von knapp 12.400 europäischen Bürgerinnen und Bürgern, die sich in den letzten 5 Jahren impfen ließen, haben das 63 Prozent wegen einer ärztlichen Empfehlung getan (Hausärztin/Hausarzt oder Kinderfachärztin/Kinderfacharzt), 24 Prozent wegen einer Empfehlung durch die Gesundheitsbehörden und 13 Prozent wegen einer gesetzlichen Verpflichtung.

In Kroatien, einem Land mit recht strenger Impfpflicht, lassen sich dennoch nur 24 Prozent wegen dieser impfen, 34 Prozent wegen der behördlichen Empfehlung, aber 66 Prozent aufgrund des ärztlichen Rats (Mehrfachantworten möglich). In Österreich folgen 29 Prozent der behördlichen Empfehlung, 6 Prozent der gesetzlichen Verpflichtung (obwohl es die eigentlich nicht gibt) und 63 Prozent nennen den ärztlichen Rat als Grund. In nur zwei Ländern der EU-28, nämlich Schweden und Finnland, wiegt das ärztliche Wort weniger als die behördliche Empfehlung. Kurz: Ohne Ärzte geht’s nicht – wie der Slogan einer Ärzte-Kampagne völlig richtig hieß.

Impfpflicht-Debatte

Dennoch: Weil die für den Gruppenschutz nötige MMR-Impfrate von 95 Prozent kaum wo erreicht wird und Nichtimpfen auch eine Art von Widerstand gegen Expertinnen und Experten sowie ganz generell „gegen die da oben“ geworden ist, gibt es auch gewichtige Argumente für eine Impfpflicht. Wohlgemerkt als zusätzliches Instrument neben der weiterhin erforderlichen Impfinformation, deren Intensivierung in den letzten Jahren ja auch zu einer signifikanten Erhöhung der Impfbeteiligung geführt hat.

Der deutsche Ethikrat hat Ende Februar 2019 eine Anhörung mit Expertinnen und Experten zu diesem Thema durchgeführt. Deren Vorsitzender, der Theologe Peter Dabrocks, stellte dabei auch die beiden relevanten Positionen gegenüber: „das Persönlichkeitsrecht, das Recht auf die Integrität von Leib und Leben“, aber eben auch „die Erwartung an den Staat, Leib und Leben gegen unnötige und effektiv beherrschbare Gefahren zu schützen“. Der Epidemiologe Ole Wichmann vom Robert-Koch-Institut wies dort auf die teils sehr unterschiedlichen Auswirkungen einer Impfpflicht hin: In Frankreich sei das Ergebnis positiv, auch wenn auf Grund des kurzen Beobachtungszeitraums (weniger als 2 Jahre) eine endgültige Beurteilung noch nicht möglich wäre. Aber: Beim 6-fach-Impfstoff habe es eine Steigerung der Beteiligung von 92 auf 98 Prozent gegeben. Andererseits könne eine Impfpflicht sich negativ für jene Impfungen auswirken, die nicht der Pflicht unterliegen. Aber auch Wichmann wies anhand einer HPV-Befragung bei 1.161 Frauen von 18 bis 25 Jahren darauf hin, welche Bedeutung der ärztliche Rat hat: „Wenn der Arzt sie aktiv angesprochen hat, waren es fast 90 Prozent, und wenn das fehlte, um die 10 Prozent.“

Dennoch: Angesichts des Masernausbruchs in Österreich wirkt die Forderung nach mehr Impfinformation unzureichend – denn die Information ist jetzt schon höchst intensiv und hat auch beträchtliche Erfolge gebracht, aber nicht genug. Deswegen hat sich etwa der steirische Ärztekammerpräsident Herwig Lindner zumindest für den verbindlichen Impfschutz aller ausgesprochen, die berufsbedingt viele Sozialkontakte haben, „insbesondere der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheits-, Pflege-, Sozial- und Bildungsbereich“.

„Nach der medialen Aufregung rund um die Masernfälle (…) strömten die Menschen – auch die Skeptiker – in Massen zu den Impfstellen“, schrieb der österreichische und Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres in seinem Blog .

Und damit hat er recht: Im Februar 2019 gab es in der Steiermark 8.839 MMR-Impfungen, im stärksten Monat 2018 nur 2.605. Am besten wirkt also offenbar die Angst vor der Krankheit. Aber genau die soll die Impfung ja nehmen.

AERZTE Steiermark 05/2019

Foto: Shutterstock

Symbolbild 1
 



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