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Interoperabilität: Eine Sprache für alle

Telemedizin kann nur mit einem möglichst problemlosen Datenaustausch funktionieren. Der ist aber nur dann gesichert, wenn die unterschiedlichen Systeme eine gemeinsame Sprache sprechen. Das klingt zwar selbstverständlich, aber im richtigen Leben ist die „Interoperabilität“ nur dann gesichert, wenn sich die Anwender auf gemeinsame Standards verständigen. Dafür macht sich Dietmar Bayer als Präsident der ÖGTelemed stark.

Es ist kein österreichisches Problem. Bei einem der größten internationalen Events der Gesundheits-IT-Branche, der DMEA (steht für „Digital Medical Expertise & Applications) in Berlin, geht es genauso darum: „Telemedizinische Verfahren können einen Beitrag dazu leisten, eine qualitativ hochwertige, finanzierbare Behandlungsqualität sicherzustellen. Kompatibilität zwischen den beteiligten IT-Systemen ist eine Voraussetzung für den reibungslosen Datenaustausch und optimalen Ablauf. Akzeptierte Standards nehmen eine Schlüsselrolle ein. Verglichen mit anderen Ländern ist die Akzeptanz von Standards in Deutschland gering. Auch durch den Aufbau der Telematikinfrastruktur (TI) bleiben aus Sicht der Telemedizin Fragen offen. So sieht das E-Health-Gesetz mit dem Interoperabilitätsverzeichnis zwar ein Verfahren zur Bestimmung von erforderlichen Interoperabilitätsfestlegungen für die Telematikinfrastruktur vor. Im Kontext telemedizinischer Anwendungen mangelt es jedoch noch an einheitlich geltenden Interoperabilitätsstandards.“ So das Veranstaltungsprogramm zum Panel „Interoperabilität in der Telemedizin“ mit drei hochrangigen deutschen Experten und einem Österreicher, Dietmar Bayer in seiner Funktion als Präsident der österreichischen Gesellschaft für Telemedizin, ÖGTelemed.

Wie komplex Interoperabilität im medizinischen Alltag ist, zeigt sich schon daran, dass sie auf vier Ebenen funktionieren muss: der organisatorischen, der semantischen, der syntaktischen und der strukturellen Ebene. Die im Arbeitsalltag wichtigste ist die semantische Ebene.

Anreize schaffen

Systeme und Programme, die nur die eigene Industriesprache beherrschen, sind verständlicherweise nicht in der Lage, mit den Systemen und Programmen anderer Anbieter zu kommunizieren. Ein Vorschlag, wie man diesem Problem beikommen kann, findet sich im „ Positionspapier Interoperabilität 2019 “ der ÖGTelemed: „Anreizsysteme müssen geschaffen werden, damit Interoperabilität auch umgesetzt wird – besonders im Rahmen von Ausschreibungen und Beschaffungen. Anzudenken ist, künftig abrechenbare Leistungen an den Nachweis der Interoperabilität zu koppeln.“ Denn, so das Papier, „nur die einheitlich strukturierte Erfassung von Daten ermöglicht deren Zusammenführung und damit die übergreifende Aus- und Verwertung für die Forschung, die Behandlung von Patienten und Steuerung im Gesundheitswesen, was sowohl im Interesse der Patienten als auch der Ärzte ist.“

Wobei Österreich sehr wohl ein Werkzeug an der Hand hat, das die babylonische Sprachverwirrung im Gesundheits-IT-Bereich vermeiden kann: Es heißt Snomed CT , wird auch international verwendet und ist für das österreichische Gesundheitswesen lizenziert. Es eignet sich als zentrale Referenz-Terminologie, um bestehende lokale/proprietäre Codierungen auf eine einheitliche Nomenklatur zu mappen und somit den Austausch zu ermöglichen. Nur eingesetzt muss es werden.

Im Gesetz fixiert

Das österreichische Datenschutzgesetz 2000 widmet der Interoperabilität einen eigenen Paragrafen und verlangt explizit, dass die Übertragung von Gesundheitsdaten mit Systemen oder Systemkomponenten zu erfolgen habe, „die es ermöglichen, Daten zwischen Teilnehmern auszutauschen“.

Das funktioniert zwar im Prinzip, nicht aber überall in der Praxis der Telemedizin. „Die Verpflichtung zur Interoperabilität soll im gesetzlichen Rahmen wirksam werden“, heißt es deshalb auch im Positionspapier der ÖGTelemed. Das heißt im Klartext: Alle Anbieter sollten sich an das Gesetz halten.

Auch die einzelne Ärztin, der einzelnen Arzt bzw. Träger können etwas tun: nämlich nur Systeme und Software kaufen, die nicht im eigenen Saft dünsten, sondern mit anderen gesichert kommunizieren können.

 

AERZTE Steiermark 04/2019

Foto: Schiffer




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