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„Best practice“: Hartberger Hausärzte-Netzwerk

Das Beste aus allen Welten vereint das Hartberger Hausärzte-Netzwerk: Die fünf beteiligten Ärztinnen und Ärzte behalten ihre Eigenständigkeit, die Zusammenarbeit und der Informationsaustausch funktionieren aber wie in einer (dislozierten) Primärversorgungseinheit. Bei den Patientinnen und Patienten kommt das gut an.

Eine junge Frau mit Nierenbeckenentzündung hätte auch stationär eingewiesen werden können. Ihr Fall ist ein Beispiel dafür, dass das in einem gut funktionierenden Netzwerk nicht passieren muss. Die Patientin ist bei einem der Beteiligten in Behandlung, im Wochenendbereitschaftsdienst wird sie aber auch von Kolleginnen und Kollegen im Netzwerk betreut. Über das gemeinsame, speziell für das Netzwerk implementierte EDV-System stehen Behandlungsinformationen allen zur Verfügung – „ohne Zettel, ohne Anruf, ohne E-Mail“, erklärt Alexander Moussa, Initiator des Netzwerks.

Das sind im Kern fünf Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin mit GKK-Vertrag in Hartberg, neben Moussa Michael Schrittwieser, Maria Seidl, Patrick Thurner und als jüngste Reingard Glehr . Der 29-jährigen Allgemeinmedizinerin wurde, wie sie sagt, „durch das Netzwerk die Angst vorm Alleinsein genommen“. Die gute Zusammenarbeit mit ihren Kolleginnen und Kollegen habe sie „als Riesenvorteil beim Einstieg“ empfunden. Dass die Eigenständigkeit der einzelnen Praxis erhalten bleibe, sei aber auch kein Nachteil: „Dadurch gibt es keine Angst vor einer Trennung“, sagt Glehr.

Dass die Einzelpraxen erhalten bleiben, war nicht von Anfang an klar. In den Verhandlungen mit dem Gesundheitsfonds und der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse wurde zuerst ein gemeinsames Unternehmen als Gruppenpraxis forciert. „Wegen der bestehenden Regulative haben wir uns aber für diese Lösung entschieden“, so Moussa.

Und das geht: Vom Partner Hauptverband kam entsprechende Unterstützung. Volker Schörghofer , Generaldirektor-Stellvertreter und als IT-Experte technischer Geschäftsführer der SV-Chipkarten Betriebs- und Errichtungsgesellschaft (SVC): „Ein strategisches Ziel für die österreichische Sozialversicherung ist es, die Versorgung der Menschen durch Ärztinnen und Ärzte, die in Primärversorgungsnetzwerken zusammenarbeiten, zu verbessern. Diese neue Zusammenarbeitsform der niedergelassenen AllgemeinmedizinerInnen wird durch das Engagement der Ärztinnen und Ärzte in Hartberg bereits eindrucksvoll gelebt. Damit die Zusammenarbeit und die Betreuung von PatientInnen zwischen den ÄrztInnen gut funktioniert, sind auch eine technische Vernetzung und ein Austausch von medizinischen Informationen notwendig. Dies erfolgt als Pilot im Ärztenetzwerk in Hartberg und der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger hat gerne die technische Lösung mitfinanziert. Für die Sozialversicherung ist es wichtig, dass die vorhandene ELGA-Infrastruktur mit ihren e-Befunden und die e-Medikation genutzt werden. Wir erhoffen uns aus diesem Piloten Erkenntnisse aus der täglichen Praxis, damit weitere Primärversorgungsnetzwerke davon profitieren.“

Die eigens entwickelte EDV-Lösung, die es allen Partnerinnen und Partnern im Kernnetzwerk erlaubt, unkompliziert auf Patientendaten zuzugreifen, ist die technische Basis. Der Zugriff erfolgt als Opt-in nur mit schriftlicher Zustimmung der Patientinnen und Patienten. Die werden in den teilnehmenden Praxen aktiv darauf angesprochen – täglich kommt eine zweistellige Zahl von Menschen dazu, die in das Informationsnetzwerk hineinoptieren. Von der renommierten Ärzte-IT-Firma, die das elektronische System implementiert hat, wird den Beteiligten ein eigener EDV-Manager zur Verfügung gestellt. Dazu hat jede Praxis kostenlos ein Unterschriftenpad erhalten – über das geben die Patientinnen und Patienten ihre Einwilligung zum Datenaustausch, es kann aber auch für andere Zwecke genutzt werden.

Zudem gibt es im Netzwerk einen eigenen, selbstständigen Wundmanagement-Experten (Diplomkrankenpfleger), der auch Pflegevisiten macht. Auch dieser ist EDV-mäßig angebunden. Bezahlt werden seine Leistungen direkt von den Patientinnen und Patienten. „Gerne, trotz der geringen Kostenrückersätze“, wie Alexander Moussa betont.

Um das „Hausärztenetzwerk“, das Teil der regionalen Styriamed.net-Kooperation ist, gibt es aber noch mehr Vernetzung: eine enge Kooperation mit den Fachärztinnen und Fachärzten sowie dem Landeskrankenhaus Hartberg, dem Marienkrankenhaus Vorau, aber auch mit anderen Gesundheitsprofessionen und Pflegeeinrichtungen.

„Persönlich wie auch standespolitisch sehe ich die größten Chancen, die geforderte Primärversorgung im Rahmen von PVNs zu etablieren, da hier auf bestehenden Strukturen aufgebaut werden kann und die Hürden sowohl in ideologischer, administrativer wie auch ökonomischer Hinsicht viel geringer sind als bei neuen Strukturen im Sinne zentraler PVEs“, ist der Initiator des Projekts, Alexander Moussa, überzeugt.

Lob kommt vom Bundesobmann der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart: „Das Hausärztenetzwerk Hartberg ist ein gelungenes Beispiel einer ambitionierten ärztlichen Eigeninitiative zum Nutzen der Patientinnen und Patienten. Hier wurde aus der ärztlichen Praxis heraus bottom-up ein medizinisch und IT-technisch geglücktes Modell der Zusammenarbeit entwickelt, das perfekt auf die Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte sowie der anderen Gesundheitsprofessionen zugeschnitten ist.“

Das Hartberger Modell kann ein ermutigender Pilot für Primärversorgung in Netzwerkform sein. Der Rahmenvertrag für Netzwerke wird derzeit auf Bundesebene verhandelt.

 

AERZTE Steiermark 11/2018

Fotos: Moussa/Hän Hartberg, Schiffer, Wilke/Hauptverband, Beigestellt, Ärztekammer Wien




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