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Bezirksärzteversammlung Bruck/Mur-Mürzzuschlag
16.10.2018, 19:30 Uhr

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Austria first

Laut europaweiter Bürgerbefragung ist in Österreich der Zugang zu Gesundheitsleistungen so gut wie kaum in einem anderen Land Europas innerhalb und außerhalb der Europäischen Union.

Martin Novak

Das Schlimmste, was einem Patienten wohl passieren kann, ist, dass er dringend benötigte medizinische Hilfe sucht und sie nicht bekommt. In Europa besteht laut EU-Vergleich die geringste Wahrscheinlichkeit dafür in Österreich und den Niederlanden, so das Ranking 2016. Nur 0,2 Prozent der Bevölkerung meinen hier, ihnen sei der Zugang schon einmal unmöglich gewesen – aus Kostengründen, weil die Versorgung zu weit entfernt oder die Warteliste zu lang war. Unter einem Prozent „ohne Zugang“ liegen noch Deutschland, Luxemburg, Slowenien, Spanien, die Schweiz, Zypern und die Tschechische Republik.

Am anderen Ende des Rankings liegen Estland mit 15,3 und Griechenland mit 13,1 Prozent. Der aktuelle EU-Durchschnittswert lag 2016 bei 2,5 Prozent. Auch die skandinavischen Länder liegen klar hinter Österreich. In Finnland waren es im Jahr 2016 4,1 Prozent, in Schweden 1,5 Prozent, in Dänemark 1,3 und in Norwegen 1,2 Prozent. Österreich ist also sechsmal besser als das beste skandinavische Land, mehr als zwölfmal so gut wie der EU-Durchschnitt und mehr als 76-mal so gut wie das Schlusslicht Estland.

Woran liegt es, dass Österreich so gut abschneidet? Sicher nicht nur am Geld: Denn bei den kaufkraftbereinigten Gesundheitsausgaben (öffentlich und privat) liegen Luxemburg, Norwegen, die Schweiz, Deutschland, Schweden, Dänemark und die Niederlande vor Österreich. Andererseits schneiden beim Zugang auch einige „billige“ Länder wie Slowenien, Spanien oder die Tschechische Republik beachtlich gut ab.

Naheliegende Vermutung: Hauptgründe sind die Strukturen und das Engagement der Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten.

Verschlechterung mit Finanzkrise

Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt auch, dass der Zugang sich von 2005 bis 2010 in Europa substanziell verbessert hat. Danach gab es einen Einbruch, der sich – so vermuten Experten – auf die Finanzkrise zurückführen lässt. Zuletzt wurden die Werte aber wieder besser. Dieses Bild wird durch die Werte für Österreich weitgehend bestätigt: 2008 sagten 0,7 Prozent, dass ihr Bedarf nach Zugang zu notwendigen Gesundheitsleistungen nicht gewährt sei. 2009 und 2010 lag diese Zahl mit 0,5 und 0,6 Prozent ähnlich hoch, um dann bis 2014 und 2015 auf den geringsten Wert – 0,1 Prozent – zu sinken. Zum Vergleich: Die Niederlande hatten im Jahr 2008 noch deutlich bessere Resultate, von 2011 bis 2013 lagen sie mit Österreich weitgehend gleichauf. Im Jahr 2014 gab es einen eklatanten Unterschied zugunsten Österreichs, 2015 und 2016 holten die Niederlande aber wieder auf: Bei 0,1 bzw. 0,2 Prozent verwehrtem Zugang ist das Ergebnis da wie dort sehr gut.

Anders die Situation im Eurokrisen-geplagten Griechenland: Hier stieg die Zahl jener mit Zugangsproblemen von 5,2 Prozent im Jahr 2008 kontinuierlich auf eben mehr als 13 Prozent im Jahr 2016. Was die Österreicherinnen und Österreicher sich unter einem guten Zugang zum Gesundheitssystem vorstellen, zeigt eine österreichische Studie, nämlich die kürzlich veröffentlichte IMAS-Befragung im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer, für die von Mitte Juni bis Anfang Juli 2018 1.019 Personen im Alter ab 16 Jahren repräsentativ für Österreich persönlich befragt wurden.

Wohnortnähe und Kontinuität

Laut dieser Studie ist den Österreicherinnen und Österreichern das Wichtigste der Zugang zur hausärztlichen Betreuung. Für 87 Prozent ist sie sehr wichtig, für weitere 11 Prozent immerhin noch einigermaßen wichtig, in Summe also für 98 Prozent. Nur 2 Prozent sagen, der Zugang sei ihnen eher nicht oder überhaupt nicht wichtig. An zweiter Stelle folgt der Zugang zu Apotheken, den 94 Prozent (75 plus 19) für sehr wichtig oder einigermaßen wichtig halten. Beim Zugang zu fachärztlichen Praxen sind es 90 Prozent (62 und 29), bei Krankenhäusern sind es 58 Prozent, die den Zugang für sehr und 29 Prozent, die ihn für einigermaßen wichtig halten, in Summe also 87 Prozent.

Bei chronischen Erkrankungen legen 70 Prozent Wert darauf, dass sie immer von der gleichen Ärztin oder dem gleichen Arzt behandelt werden, für 28 Prozent spielt das keine Rolle, zwei Prozent äußern dazu keine Meinung. Schlussfolgerung der Österreichischen Ärztekammer aus diesen Ergebnissen: „Die medizinische und medikamentöse Versorgung muss zu den Patientinnen und Patienten gebracht werden. Sie fördert die Lebensqualität der Bevölkerung und verbessert die medizinische Ergebnisqualität der Gesundheitsversorgung. Die Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Krankenhäusern muss gestärkt werden.“

Österreich bleibt gut, andere werden besser

Die kürzlich aktualisierte Datenlage für 2017, die vorerst allerdings keine aktuellen Zahlen (2017) für noch rund die Hälfte der europäischen Länder aufweist und daher keine Überblicksdarstellung erlaubt, zeigt allerdings, dass Österreich mit weiterhin nur 0,2 Prozent konstant gut bleibt, andere – vor allem „arme“ – Staaten aber deutlich aufholen und ihre Werte teils dramatisch verbessern.

… aber behutsam

Angesichts der EU-Daten gibt es auch eine naheliegende Erkenntnis: Österreich ist ganz besonders gut darin, den Bedarf nach medizinischen Leistungen zu befriedigen. Um diese Qualität nicht aufs Spiel zu setzen, müssen Reformen behutsam und mit viel Augenmaß durchgeführt werden.

 

Fotos: Fotolia, Schiffer; Illus: Fotolia; Grafik: Conclusio

AERZTE Steiermark 09/2018




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