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„leadership.medizin.zukunft“
25.11.2017, ab 09:30 Uhr

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Grand(e) Dame und Pionierin

 

Signe Buck war unter den ersten fünf Ärztinnen beim Bundesheer – nun verantwortet sie als Oberstarzt sämtliche medizinischen Belange der Landstreitkräfte. In der Pension plant sie, ihr Theologiestudium zu beenden.

 

Nach nur siebeneinhalb Stunden war der im Kosovo verletzte Soldat schon auf dem OP-Tisch in Linz; eine Spitzenleistung, die Signe Buck in Erinnerung bleibt. Auch sie persönlich hat mit ihrer Karriere einen Rekord aufgestellt: In weniger als zwei Jahrzehnten ist die Ärztin vom Eintritt in das Österreichische Bundesheer zum Oberstarzt aufgestiegen und wurde zu Jahresbeginn mit der Führung der Abteilung Medizin des Kommandos Landstreitkräfte betraut.

Eine ihrer zahlreichen Aufgaben in dieser Funktion ist MEDEVAC (Medical Evacuation), die schnellstmögliche und schonendste Rückholung verletzter oder verwundeter Soldaten aus dem Auslandseinsatz nach Hause. „Dazu haben wir eine Herkules C-130, ein Transportflugzeug, in das bei Bedarf ein Sanitätscontainer, eingerichtet als fliegende Intensivstation, eingeschoben werden kann“, erklärt sie. Knifflige Aufgaben reizen die Ärztin, die auch über tropenmedizinische und aeromedizinische Spezialkenntnisse verfügt; Innovationsfreude, Zielstrebigkeit und Verhandlungsgeschick sieht sie selbst als ihre Stärken.

 

Auslandseinsatz wie Hüttenurlaub

So detailliert sie die ärztliche Versorgung eines einzelnen Soldaten in einer Ausnahmesituation durchplant, so sehr behält sie das Wohlergehen der gesamten Truppe im Auge. Schließlich ist sie für die medizinischen Agenden aller neun Militärkommanden, vier Brigaden und weiterer Einheiten im In- und Ausland zuständig. Wenn Pioniere in die ungarisch-serbische Grenzregion beordert werden oder Soldaten zum Assistenzeinsatz an die österreichische Grenze, aber auch bei Großveranstaltungen wie der Fußballmeisterschaft Euro 08 oder beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos, dann ist ihre Abteilung am Zug. Dort wird die sanitätsdienstliche Unterstützung konzipiert, die internationale ärztliche Kooperation geklärt und die Vorgangsweise bei möglichen Großunfällen festgelegt.

 

Besonderes Augenmerk wird auf die medizinische Ausrüstung bei Auslandseinsätzen gelegt: Mitgeführtes muss so flexibel verwendbar sein, dass auch unerwartete Vorfälle gemeistert werden können. „Als Militärarzt muss man – besonders im Auslandseinsatz – gedanklich sehr lebendig bleiben“, betont Buck. Entweder man findet einen Weg, um Fehlendes doch noch zu organisieren, oder behilft sich mit dem Vorhandenen. „Da ist es wie beim Urlaub in einer Berghütte: Der Haushalt ist nicht komplett eingerichtet und der nächstgelegene Greißler kein Supermarkt. Gekocht wird trotzdem.“

 

Interprofessionale Zusammenarbeit

Was es heißt, bei einem Friedenseinsatz auf beschränkte Ressourcen angewiesen zu sein, hat Signe Buck im Jahr 2001 bei der KFOR-Truppe am eigenen Leib erfahren. In dieser Zeit, als 600 Menschen Tag und Nacht miteinander in einem räumlich sehr begrenzten Camp verbringen mussten – ringsum war die Gegend noch vermint – wurde ihr bewusst, wie wertvoll die enge Kooperation zwischen Militärarzt, -pfarrer und -psychologen ist. „Nicht jeder Soldat spricht mit jedem gerne, wenn die drei aber zusammenarbeiten, lässt sich die Stimmung in der Truppe gut erfassen.“

Wird es eng in den Seelen der Soldaten, sorgen ihre Ansprechpartner nicht nur für Einzelgespräche, sondern auch für einen Kirchkaffee am Sonntag oder einen Kabarettabend. Die Optimierung dieser interprofessionellen Zusammenarbeit setzte sich Buck zum Ziel und verfasste zum Abschluss ihres Grundausbildungslehrganges auf der Landesverteidigungsakademie eine Seminararbeit dazu; die Keimzelle der heute im Bundesheer institutionalisierten Humanfaktorengruppen.

 

Buck selbst vereint Anteile aller drei Professionen in ihrem Ausbildungsportfolio: Die Niederösterreicherin hat nicht nur in Wien und Graz Humanmedizin studiert, sondern auch mit evangelischer Theologie begonnen („der Abschluss ist mein Pensionsprojekt“) und sich an der Donauuniversität Krems zur Psychotherapeutin ausbilden lassen. In ihrer Privatordination im südsteirischen Wildon bietet sie unter anderem psychotherapeutische Hilfe an, zudem ist sie gefragte Ansprechpartnerin zu Diagnose und Behandlung seltener Infektionskrankheiten.

 

„Eklatanter Ärztemangel“

Zum Österreichischen Bundesheer kam Buck auf Umwegen: „Dass ich Ärztin werden wollte, war mir klar, seit ich zwölf war“, erzählt Buck. „Ich hätte mir gut vorstellen können, eine Landarztpraxis zu führen.“ Beim Hausbau mit ihren Eltern entdeckte Buck schließlich ihr handwerkliches Talent und überlegte kurzfristig, eine chirurgische Richtung einzuschlagen. Während des Studiums hatte sie in mehreren Krankenhäusern schwesterliche Aufgaben übernommen, darunter an der Hämato-Onkologie im Hanuschkrankenhaus. Also verbrachte sie nach Studienabschluss drei Jahre in der onkologischen Forschung, wollte das aber nicht ein Leben lang machen.

Sie absolvierte eine Lehrpraxis in der Steiermark und zog zum Turnus nach Oberösterreich. Als sie ihre allgemeinmedizinische Ausbildung beendet hatte, öffnete das Bundesheer gerade seine Pforten für Frauen. „Damals – wie auch heute – herrschte beim Heer ein eklatanter Ärztemangel.“ Zudem hatte Buck bereits festgestellt, wie gerne sie in (vorwiegend) männlichen Teams arbeitet. Auf ihre Bewerbung hin wurde sie in das Linzer Prüfzentrum des Heerespersonalamtes eingeladen und war beeindruckt von der Professionalität der individuellen Karriereplanung. 1999 trat sie in das Bundesheer ein; seitdem stationiert in Salzburg, Linz-Hörsching und Graz – unterbrochen von Auslandseinsätzen auf Zypern und im Kosovo.

 

Mama Oberst

Berufliche Meriten verdient sich die heute 53-Jährige aber nicht nur im Kontext des Bundesheeres: Neben dem Betrieb ihrer Ordination fungiert sie auch als ärztliche Leiterin und leitende Notärztin des Samariterbundes Graz & Steiermark sowie als „Grand Dame“ beim OSMTH-Templerorden. Privat steht das Mutterdasein an oberster Stelle: Ihre Pflegetochter ist bereits erwachsen, die leibliche Tochter 15 Jahre alt. Wie jede berufstätige Mutter jongliert Buck mit den beiden großen Aufgaben: „Ich lebe nach dem Grundsatz, dass ich zwar nicht immer bei meinem Kind bin, aber wenn, dann hundertprozentig.“ Babyschwimmen und Zelturlaub inklusive.

Buck, die sich auch Expertise im Bereich Stressmanagement erworben hat, schaltet in ihrer knapp bemessenen Freizeit ganz bewusst ab: beim Laufen – gemeinsam mit den zwei Hunden –, Lesen und Reisen. Literarisch oszilliert sie zwischen niveauvollen Krimis, populärwissenschaftlicher Literatur und psychologischen Sachbüchern. Die Reisedestinationen reichen von Verwandtenbesuchen in Florida über Sightseeing in Holland bis zum Erleben evangelischer Gemeinschaft auf Burg Finstergrün. Beruflich ist sie am Ziel angelangt, was aber keinesfalls Stillstand bedeutet: Tagtäglich erwarten sie neue Herausforderungen.

 

Fotos:  Beigestellt

 




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