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Der die Fische verführt

Die Faszination am Wasser und den Fischen liegt Primar Bernhard Ritter im Blut: als Tierbeobachter, aber auch als
Fischer. Wobei er durchaus schon Federn seiner eigenen Hühner zum Basteln einer Fliege verwendet hat.

U. Jungmeier-Scholz

„Ich stehe direkt im Element der Fische, spüre den Druck des Wassers und die Strömung …“ Wenn Bernhard Ritter über seine Passion, das Fliegenfischen, spricht, tut er das so lebendig und anschaulich, dass man sich allein beim Zuhören entspannt. Und natürlich vor dem geistigen Auge Brad Pitt im Film „ Aus der Mitte entspringt ein Fluss “ vor sich hat. „Fliegenfischen hat etwas Meditatives an sich“, betont Ritter. Dass es inzwischen in Mode gekommen ist und wie Golf oder Gleitschirmfliegen ein Statussymbol, lässt ihn so kalt wie eine Forelle im Bach. Denn er hat die Leidenschaft schon als kleiner Bub verspürt. Noch nicht unbedingt die zum Fliegenfischen, aber die zum Angeln generell. „Ich bin auch heute noch ein begeisterter Allroundfischer.“

Mit drei Jahren schon hat ihn das Wasser magisch angezogen. Es hatte etwas Geheimnisvolles an sich, weil es nicht so einfach preisgibt, was sich unter der Oberfläche tut. Zudem ist es voller spannender Lebewesen. „Ich habe mich als Bub gerne in der Rolle des Fischjägers und -beobachters gesehen.“ In jeden Bach musste Ritter sofort hineinsteigen, noch ohne Wathose – und ohne Bedenken. Manchmal blieb es nicht beim Bach: „Mit fünf Jahren bin ich bei einem Meerurlaub mit meinen Eltern in Dubrovnik zwischen den Klippen ins Meer gestürzt, ohne schwimmen zu können. Hätte mich nicht zufällig rechtzeitig jemand herausgefischt, säße ich heute nicht hier.“

Nicht Vet, aber Med

Im Laufe der Jahre hat der nun 47-jährige Ritter selbst viele Menschenleben gerettet, die auf der K(l)ippe standen: auf der kardiologischen Intensivstation im LKH Graz-West . Da aus seinem Wunsch, Meeresbiologe oder Tierforscher in Afrika zu werden, nichts geworden ist (zu unrealistisch), suchte er nach der Matura nach einer anderen Berufung. Ritters Vater und Großvater waren Juristen gewesen, aber diese Profession hat ihn nie gereizt. Kurz überlegte er, Veterinärmedizin zu studieren, „aber da konzentriert man sich zu sehr auf das Pathologische im Tier“. Also nicht Vet, aber trotzdem Med. „Die Entscheidung zum Humanmedizinstudium fiel dann relativ spontan.“ Vieles, was danach folgen sollte, sei Zufall gewesen, meint er heute. Und das, obwohl er sich durchaus als zielstrebig charakterisiert.

Die Interne Medizin hatte Ritter schon im Studium fasziniert, insbesondere aufgrund ihrer Vielfalt. „Man muss kreativ denken, auch einmal grübeln, um zu einer Diagnose zu kommen.“

Dass er dann ausgerechnet Kardiologe geworden ist – und nicht Gastroenterologe oder praktischer Arzt, wie es ebenso seinen Interessen entsprochen hätte –, hat sich aus seinem beruflichen Werdegang ergeben: Nach dem Turnus arbeitete Ritter fünf Jahre als Stationsarzt an der IV. Med am Uniklinikum, bevor er einen Facharzt-Ausbildungsplatz bekam. Danach wurde er im Jahr 2009 Oberarzt am Department für Kardiologie und Intensivmedizin im LKH Graz-West und absolvierte entsprechende Zusatzausbildungen für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin. Ab 2014 leitete Ritter dann die Intensivstation; seit Mai dieses Jahres führt er die Abteilung für Innere Medizin am LKH in Wagna. Womit er wieder zur faszinierenden Vielseitigkeit der Inneren Medizin zurückgekehrt ist …

Ruhe zwischen Job und Familie

Entspannung und Ruhe findet er beim Fischen, insbesondere beim Fliegenfischen: am Muroberlauf, an der Steyr, aber auch in Bosnien. Um so viel wie möglich bei seiner Familie zu sein – Sohn Maximilian ist 12 Jahre alt, Tochter Sophie zehn –, geht er derzeit meist nur tageweise seinem Hobby nach. Für das Fischen interessiert sich nämlich niemand sonst in der Familie, aber die Liebe zur Natur eint die Ritters. Daher zogen sie vor fünf Jahren von Graz aufs Land, auf einen kleinen Bauernhof in der Nähe von Gleisdorf – samt eigenem Teich. Allerdings wird dieser eher zum Baden als zum Angeln genutzt, die Fische darin „sind wie Haustiere“ und werden folglich nicht gegessen.

Angelmöglichkeiten als Ausgleich zum stressigen Berufsalltag gibt es trotzdem genügend in der Gegend und Bernhard Ritter nutzt sie ausgiebig. Seine Frau ist dann fürs Einsalzen der gefangenen Forellen und Äschen zuständig; das Räuchern über Buchenholzmehl übernimmt wieder Ritter selbst. Durch die Bewirtschaftung des Hofes ist die Familie nahezu Selbstversorger geworden: Auf den 2,2 Hektar Grund gedeihen auch zahlreiche Obstbäume und es wird Gemüse angebaut.

Hühnerfeder für Fischerfliege

Zudem hält Familie Ritter (neben Katzen, Meerschweinchen und Hasen) knapp 30 Haushühner, darunter verschiedene seltene Arten wie die reinrassigen Altsteirer-Hühner . „Von denen gibt es weltweit nur mehr ein paar Tausend“, betont Ritter. „Wir züchten sie – oder besser gesagt: Wir versuchen es. Sie haben nämlich nur selten Junge.“ Er nimmt es gelassen. Werden die Hühner alt und legen keine Eier mehr, erhalten Sie bei Ritters ihr Gnadenbrot.

Nicht oft, aber manchmal, nimmt sich Ritter die Zeit und bastelt selbst eine Fliege fürs Fischen. Da kommt dann schon auch einmal eine Feder vom eigenen Huhn zur Anwendung. Aber die meisten Insektenattrappen kauft er bei Freunden. „Sie dienen dazu, die Fische zu verführen“, erklärt er mit einem schelmischen Grinsen. Die „Fliegen“ imitieren Insekten oder deren Larven und locken so die Fische an die Wasseroberfläche. Vor allem Salmoniden, also Forellen, Äschen und Huchen fängt Ritter auf diese Weise.

So ausschließlich meditativ, wie Ritter es eingangs geschildert hat, geht das Fliegenfischen aber nicht immer vonstatten. Denn um die besten Fischplätze aufzusuchen, muss er weite Strecken waten, oft bis zur Hüfte im Wasser. „Das ist mindestens so anstrengend wie Bergwandern“, erklärt er. Trotz – oder gerade wegen – dieser körperlichen Anstrengung, gepaart mit hoher Konzentration, bietet ihm das Fliegenfischen „Rekreation“. Ansonsten begegnet er beruflichen Herausforderungen mit Humor und der für ihn typischen Kommunikationsfreude.

Als Primar hat er sich zum Ziel gesetzt, zufriedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu führen. Als Fischer hat er auch einen Traum: noch einmal im Norden Kanadas zu angeln … Aber auf die Erfüllung ist er bereit, noch ein paar Jahre zu warten. Solange die Kinder so jung sind, dass sie mit auf Urlaub fahren, wird bezüglich des Feriendomizils nämlich ein Kompromiss geschlossen: Auf den Malediven gefällt es allen und jedes Familienmitglied kann seinem eigenen Hobby nachgehen. Für Bernhard Ritter bedeutet das Fischen, Schnorcheln und Tauchen sowie sich der Unterwasserfotografie zu widmen. Ein bisschen Meeresbiologie hat also auch in seinem Leben als Arzt Platz gefunden.

 

Fotos: beigestellt




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