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Gaugg-Abgang, gut geplant

Fast drei Jahrzehnte lang war Harald Gaugg an allen Planungen im österreichischen Gesundheitssystementscheidend beteiligt. Nun ging er in Pension. Gut geplant natürlich.

Martin Novak

Am Anfang war die EDV. Harald Gaugg war EDV-Leiter im Bundeskanzleramt und dort für hochsensible EDV-Netzwerke zuständig. Weil Kanzleramtsminister Franz Löschnak die Gesundheitsagenden übernahm, verschlug es den diplomierten IT-Fachmann ins Gesundheitswesen. Bei Löschnaks Nachfolger Harald Ettl wurde Gaugg nicht nur dessen Büroleiter, sondern auch Leiter der für die Planung zuständigen Sektion im Ministerium. Aus dem EDV-Fachmann Harald Gaugg wurde der Gesundheitsplaner und Sektionschef Harald Gaugg.

Weil er unter Ministerinnen und Ministern aus drei Parteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ) der entscheidende Gesundheitsplaner blieb, entstand der Mythos Gaugg – eines Mannes, der mit allen Parteien kann, auch wenn er durchaus eine politische Gesinnung hatte und hat. „Nur einen grünen Minister hatte ich nie“, scherzt er. Was nicht verwunderlich ist, da es bisher keinen grünen Minister gab. Nach den weiteren SPÖ-Zuständigen für Gesundheit, Michael Ausserwinkler (gebürtiger Kärntner wie Gaugg) und Christa Krammer , folgten Reinhart Waneck als FPÖ-Staatssekretär für Gesundheit, FPÖ-Gesundheitsminister Herbert Haupt und Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP). Gaugg war zuständig für die Implementierung der Leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF), den Krankenanstaltenplan und den ersten Österreichischen Strukturplan Gesundheit sowie die Einführungen der Gesundheitsplattformen und des Gesundheitsfonds in Österreich.

Unter dem steirischen Gesundheitslandesrat Helmut Hirt durfte er seine Planungen selbst leben. Der holte Harald Gaugg 2006 aus Wien in die Steiermark, als Geschäftsführer des steirischen Gesundheitsfonds. Da ging es wieder um Aufbauarbeit. Wobei Gaugg rasch eine gleichberechtigte Doppelgeschäftsführung mit einem Vertreter des Landes und einem der GKK installierte – eine Konzeption, die es bis heute nur in der Steiermark und in Kärnten gibt. Seine GKK-Pendants waren zuerst Siegfried Marchel und dann Gert Klima.

Teilrücktritt vor einem Jahr

Mit Ende Juni 2017 ging der 1954 geborene Gaugg in Pension. „Geplant“, wie er betont. Er wollte nicht warten, bis ihm der Rücktritt nahegelegt wird, sagt er. Und: Drei Jahrzehnte war er durchgehend unmittelbar der Politik unterstellt gewesen. Eine wegen der damit verbundenen permanenten Verfügbarkeit durchaus „anstrengende“ Rolle, die den Pensionsantritt im Alter von 63 Jahren durchaus rechtfertige. Als schmerzhaft empfinde er ihn deswegen nicht, weil er die Geschäftsführung im Gesundheitsfonds bereits 2016 zurückgelegt hatte und sich damit aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und nur mehr als Stratege gearbeitet habe.

Seinem Credo ist er immer treu geblieben: integrierte Planung, immer über die Grenzen zwischen intramural und extramural hinweg. „Ich weiß nicht, ob ich ein intramurales oder ein extramurales Bauchweh habe“, begründet er diese Überzeugung aus Patientensicht. Ein zweiter Punkt ist ihm ähnlich wichtig: keine starre top-down-Planung, sondern immer die Berücksichtigung regionaler Ressourcen. „Modelle müssen an die bestehenden Angebote in der jeweiligen Region angepasst werden“, hatte er schon im Februar 2006 im AERZTE Steiermark-Interview formuliert. Er weiß auch, dass diese Haltung nicht von allen geteilt und gelebt wird und sieht das durchaus kritisch.

Planen mit dem Unvorhersehbaren

Über die langen Jahre ist der Planer Harald Gaugg in seiner Selbsteinschätzung auch immer flexibler – vielleicht auch anspruchsvoller – geworden. Planung dürfe nicht nur für erwartbare Entwicklungen funktionieren, sondern müsse auch das Unvorhersehbare mit in den Fokus nehmen.

Am Anfang dürfe – nein, müsse – man „sich Dinge wünschen“, auch solche, die mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten (noch) nicht zu erreichen seien: „Ich muss Ziele formulieren – was ist die optimale Versorgung?“ Für ihn gehört dazu, dass es über kurz oder lang weniger darum gehen werde, die Menschen zur Medizin, sondern die Medizin zum Menschen zu bringen. Beim technologischen Fortschritt denkt Gaugg auch und vor allem an den, der außerhalb der Medizin stattfindet. „In fünf bis sechs Jahren wird es selbstfahrende Autos geben“, nennt er ein praktisches Beispiel. Hubschrauber könnten schon jetzt auch in der Nacht fliegen.

Demokratie stärken

Natürlich denkt der EDV-Mann auch an die Entwicklungen in der IT, jene, die es wie Smartphones schon gibt, und jene, die vielleicht erst kommen werden. Dass Gesundheitsdaten immer mehr in Clouds, also auf den Servern anderer Leute, wie es ein kritischer IT-Experte vor kurzem formuliert hat, verfügbar sind, weiß er. Und sieht auch keinen „way of return“, will ihn auch nicht.

Datenschutz sei nicht über die Nichtnutzung der möglichen Technologien herzustellen, sagt er, der auch an der Entwicklung von ELGA wesentlich mitgetragen hat. Und wird dabei durchaus ideologisch: Nur über die Stärkung der Demokratie sei Datenschutz herstellbar. Die Menschen müssten die Kontrolle über die eigenen Daten haben und behalten.

Für seine Person hat Harald Gaugg auch noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Das will er ihm Herbst tun. Dass er nur privatisieren wird, ist aber eher unwahrscheinlich.

Foto: Harry Schiffer




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