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„leadership.medizin.zukunft“
25.11.2017, ab 09:30 Uhr

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Zeit, Ausbildung, Geld,  … Leben

Zwei Jahre nach Einführung des neuen Dienst- und Besoldungsrechts in den steirischen Landeskrankenhäusern gibt es erste Auswirkungen: Die Liste der jungen Kolleginnen und Kollegen, die auf einen Ausbildungsplatz hoffen, füllt sich wieder. Zeit, um einen Vergleich zwischen jetzt und früher zu ziehen.

Für junge Ärztinnen und Ärzte, die ihre Ausbildung seit 2015 begonnen haben, ist es fast unvorstellbar. Aber es war tatsächlich so: Regelmäßige Wochenarbeitszeiten von 80 Stunden und mehr waren früher normal. Genauso normal wie viele, viele Nacht- und Wochenenddienste – die noch dazu nach dem Dienst nicht zu Ende waren, weil dann nämlich der nächste Arbeitstag folgte. Von Heimgehen keine Rede …
Mit dem neuen Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz, das die Steiermark als erstes Bundesland in eine Neuregelung gießen konnte, ist alles anders. Ohne Opt-out beträgt die durchschnittliche Wochenhöchstarbeitszeit  48 Stunden, mit Opt-out sind es noch 60 Stunden, ab 1. Jänner 2018 nur mehr 55 Stunden und ab 1. Juli 2021 gelten 48 Stunden für alle. Und Heimgehen nach 25 Stunden Journaldienst ist die Regel.
Für Turnusärztinnen und -ärzte gab es früher einen (gar nicht so) lustigen „Spitznamen“: Sie waren die „Spritzentschackl‘n“, die mit ihren Wägelchen durch die Gänge fuhren, um den Patientinnen und Patienten routiniert Spritzen zu verabreichen oder Infusionen anzuhängen. Darin waren sie danach sehr gut ausgebildet. Aber Visiten, Fallbesprechungen … das ging auch ohne Turnusärztinnen und -ärzte.
Das „Turnusärzteprofil“ war viele Jahre nur ein Wunschkonzert – so viele Jahre, dass viele schon glaubten, es würde niemals Wirklichkeit werden.

Und dann wurde es Wirklichkeit. Damit ist Ausbildung ein verbrieftes Recht geworden, und zwar eine Ausbildung, die diesen Namen verdient. Junge Ärztinnen und Ärzte sind damit keine Systemerhalter mehr, sondern werden zu Stützen des Systems ausgebildet.
Ärztinnen und Ärzte haben früher (auch) ordentlich verdient. Aber: Ein vernünftiges Einkommen ließ sich halt nur durch die vielen, vielen Dienste erzielen. Den Stundenlohn durfte frau/man sich nicht ausrechnen. Der war nämlich mehr als bescheiden. Der Trick dabei war die Formel „niedriges Grundgehalt und Auffettung durch die Dienste“. Hieß: finanzielle Abhängigkeit von den Journaldiensten. Oder Flucht ins Ausland.
Höhere Grundgehälter und damit geringe(re) Abhängigkeit von Journaldiensten. Das ist die Formel. Mehr könnte es natürlich immer sein, aber mehr als früher ist es jedenfalls. Auch im internationalen Vergleich. Wer das nicht glaubt, braucht nur einen Blick auf die Gehaltstabellen der deutschen Krankenhausträger zu werfen. Und: Man kann Karriere machen und Funktionen übernehmen, die auch bezahlt werden.

Immer was zu tun

Ist die steirische und österreichische Ärztewelt jetzt perfekt? Nein, bei Weitem nicht. Bürokratie (nicht zu verwechseln mit ärztlicher Dokumentation; die ist nur ein kleiner Teil davon) frisst viel wertvolle Zeit, die massive Arbeitsverdichtung macht die einzelne Arbeitsstunde anstrengender. An manchen Ausbildungsschrauben ist noch zu drehen. Aber: Die Rahmenbedingungen für die ärztliche Arbeit haben sich massiv verbessert. Das Wort „Work-Life-Balance“ kann man in den Mund nehmen. Familie und Beruf sind keine Gegensätze mehr.

Fotos: Fotolia




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