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Bienenköniginnen und ihr Primar

Knopflochchirurg und Imker. Da keine Bienen in seinen Garten kamen, holte er sich welche. So begann Georg Rosanelli neben seiner Leidenschaft für die Medizin und seiner Begeisterung für Natur und Literatur vor einigen Jahren die Welt der Bienen zu entdecken.

Reinhard A. Sudy

Georg wuchs mit seinen beiden jüngeren Geschwistern im Grazer Leonhardviertel auf. „Mein Berufswunsch war mir bereits seit meinem 14. Lebensjahr klar. Ich wollte immer nur Chirurg werden“, erinnert sich der heutige Prim. Univ.-Doz. Dr. Georg Rosanelli. Sein Großvater war bereits praktischer Arzt in Graz, sein Vater dann Kinderarzt an der Grazer Universitätsklinik und er selbst ist Facharzt für Chirurgie und Vorstand der chirurgischen Abteilung am Krankenhaus der Elisabethinen Graz. Er ist damit die dritte Arztgeneration seiner Familie, aber der erste Imker.

Gleich nach der Matura am Akademischen Gymnasium begann er mit dem Medizinstudium an der Universität Graz. Die zweite Hälfte seines Studiums verbrachte er an der Universität Wien, wo er auch 1983 zum Doktor der gesamten Heilkunde promovierte. „Dann ging ich als Mediziner zum Bundesheer und begann 1985 meine chirurgische Fachausbildung an der Universität Graz“, erzählt Georg Rosanelli über seine berufliche Laufbahn und seine Studienaufenthalte, die ihn ans Resurrection Hospital in Chicago und nach Pietermaritzburg in der Nähe von Durban brachten. 1995 habilitierte er, Vorstand der chirurgischen Abteilung im Krankenhaus der Elisabethinen ist er seit dem Jahr 2002.

Keine Bienen – kein Obst

Georg Rosanelli ist sehr naturverbunden, gelegentlich geht er jagen und fischen, er liest sehr gerne und lebt für seine Leidenschaften: Zuallererst für die Chirurgie, ganz besonders für die Knopfloch- oder laparoskopische Chirurgie. Ja, und seit nunmehr sechs Jahren auch für seine Bienen und die Imkerei.

„Wir haben im Garten unseres Wohnhauses 27 Obstbäume, zum Beispiel Kirschen, Äpfel und Birnen. Die haben über Jahre kaum Obst getragen und irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich auch kaum Bienen sehe“, schildert Georg Rosanelli schmunzelnd die Vorgeschichte seiner Entscheidung vor sechs Jahren: „Wenn keine Biene in meinen Garten kommt, muss ich mir die Bienen eben holen.“ So fragte er einen befreundeten Imker in der Südsteiermark nach einem Bienenvolk, der ihm versprach anzurufen, sobald er einen Bienenschwarm hat.

In der Zwischenzeit begann Georg Rosanelli sich intensiver mit der Imkerei zu beschäftigen. Er kaufte sich seinen ersten Bienenstock und wartete. Als der Anruf dann endlich kam, machte er sich mit seinem Bienenstock auf den Weg in die Südsteiermark. Fachgerecht wurde der Bienenschwarm in seinen Stock „geklopft“ und auf ging es in seine neue Heimat im Schaftal. Heute gibt es nun dank der eigenen Bienen wieder Obst aus dem Garten.

Blüten- und Waldhonig

Mittlerweile hat Georg Rosanelli zahlreiche Fachbücher über Bienen und die Imkerei gekauft und einen Kurs bei der Imkerinnung absolviert. „Ich habe glücklicherweise drei, vier Bienenväter, die mir mit Rat und Tat zur Seite stehen und von denen ich immer wieder dazulerne“, erzählt der engagierte Jung-Imker dankbar. Sie waren es auch, die ihm geraten hatten, sich zumindest zwei oder drei Bienenstöcke zuzulegen, falls einer einmal aus welchem Grund auch immer ausfallen sollte.

Georg Rosanelli hat diesen Rat mehr als beherzigt und betreute 2015 bereits acht Bienenvölker, die sich mit 180 kg Honig bedankten. „Meine Tochter Stella hat sogar schöne Etiketten für die Honiggläser designt. Was meine große Familie davon aber nicht selbst brauchen kann, verschenke ich“, erzählt Georg Rosanelli, als er an die vielen von ihm abgefüllten Honiggläser denkt.

Heuer gab es wegen der großen Honigproduktion im letzten Jahr nur mehr sechs Bienenstöcke, von denen einer im Schaftal blieb, während mit den anderen fünf erstmals den Sommer über in die Obersteiermark nach Aflenz ‚gewandert wurde‘. Hier standen sie auf 1.400 m Höhe am Rande eines Himbeerschlags mitten im Wald. Die Hoffnung, dadurch heuer auch einen guten Waldhonig zu bekommen, hat sich nach Georg Rosanelli erfüllt, der im Herbst seine Bienenvölker wieder nach Graz zurückgeholt hat. Es ist das die Zeit des Schichtwechsels zwischen Sommer- und Winterbienen. Sommerbienen leben etwa 3 bis 6 Wochen, Winterbienen von Oktober bis April oder Mai. Wie viele Bienenstöcke es im nächsten Jahr geben wird, ist noch nicht sicher: „Wahrscheinlich werde ich sie auf fünf reduzieren.“

Allergische Reaktion  und Immuntherapie

„Gestochen wurde ich immer wieder einmal, aber das störte mich nicht und machte mir auch nichts aus“, schildert Georg Rosanelli lächelnd aber durchaus ernsthaft, der in den ersten Jahren seine Bienen immer ungeschützt versorgte. „Bis es mir dann vor zwei Jahren nach einem Bienenstich kalt über den Rücken gelaufen ist und ich zwei Wochen später nach einem neuerlichen Bienenstich allergische Reaktionen hatte.“ Mit Atemnot und geschwollenem Gesicht brachte ihn seine Tochter ins LKH Graz, wo er Infusionen erhielt und danach mit einer Immunisierung begann. Ans Aufhören dachte Georg Rosanelli aber zu keinem Zeitpunkt: „Nach wie vor habe ich keine Angst vor einem Bienenstich. Ich zeige auch keine Reaktionen mehr, wenn ich trotz der als ‚Imker-Uniform‘ bezeichneten Schutzkleidung, die ich seit damals trage, gestochen werde“, blickt er auf die doch kritische Situation zurück.

Dass die Imkerei ansteckend sein kann, zeigt sich an einem Nachbarn, der inzwischen fünf eigene Bienenstöcke hat. Zwei davon stehen sogar mitten in Graz auf einem Altan, einer kleinen Plattform hoch oben in der Herz-Jesu-Kirche.
Für Georg Rosanelli hat trotz seiner großen Liebe zur Imkerei die Medizin uneingeschränkten Vorrang: „Der Chirurgie-Beruf ist mein Leben, und ich nehme mir gerne Zeit, um zuzuhören und gemeinsam mit meinen Patienten nach Antworten zu suchen, die manches Mal auch außerhalb der Chirurgie zu finden sind.“

 

Fotos: Sudy




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