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KulturSommerNacht
30.06.2017, ab 19:00 Uhr

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„Wir geben dem System ein Gesicht“

Das wiedergewählte Studienrektoratsteam will mehr Wertschätzung und Respekt zwischen Universität und Studierenden erreichen. Darum bemühen sich Johannes Schalamon und Erwin Petek mit viel persönlichem Einsatz.

Der Kinderchirurg Johannes Schalamon und der Humangenetiker Erwin Petek wurden kürzlich wiedergewählt, und das schon zum zweiten Mal. Der Kliniker als Studienrektor der Medizinischen Universität Graz und der Vorkliniker als dessen Stellvertreter. Was für sie keine große Rolle spielt: „Wir verstehen uns auch privat gut und arbeiten im Team auf Augenhöhe“, sagen sie unisono.
Was gut ist: Denn die Tätigkeit als „studienrechtliches Organ“ üben beide neben ihren Vollzeitjobs aus. Petek ist stellvertretender Leiter des Instituts für Humangenetik, Schalamon ist stellvertretender Leiter an der Klinischen Abteilung für allgemeine Kinder- und Jugendchirurgie und seit 2012 auch Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendchirurgie.

Bis Vorarlberg

Für rund 4.000 Bescheide tragen sie jedes Jahr als nicht weisungsgebundenes Organ die Verantwortung. Dazu kommen Zeugnisüberreichungen und Festakte in der Human- und Zahnmedizin sowie den Pflegewissenschaften, aber auch für die mehr als 30 Studiengänge der Universitätslehrgänge der MUG. Und solche Formalakte können bei Kooperationen schon einmal bis Vorarlberg führen, wie Petek erzählt. Vieles lässt sich in der regulären Arbeitszeit nicht erledigen, auch Abende und Wochenenden müssen herhalten. Dass ihr Institut bzw. ihre Abteilung ihnen den Raum für die Zusatztätigkeit gibt, merken sie dennoch dankbar an.
Eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es im Studienrektorat nicht. Unterstützung aber schon, nämlich von jenen Personen, die für das Vizerektorat für Studium und Lehre arbeiten. Auf die Zusammenarbeit mit der kürzlich ins Amt gekommenen Vizerektorin Doris Lang-Loidolt freuen sich Schalamon und Petek: „Sie kennt die Probleme, weil sie ja selbst früher Studienrektorin war“, sagt Schalamon.
Ganz unproblematisch ist die Konstruktion aber dennoch nicht. Denn während das Vizerektorat für die Gestaltung der Organisation zuständig ist, macht das Studienrektorenteam sozusagen den Vollzug. Als „Vermittlung zwischen Rektorat, Lehre, Verwaltung und Studierenden“ beschreibt Schalamon die Funktion, als „Schmierstoff“ im System.
Was nach viel Bürokratie klingt, versuchen Schalamon und Petek so unbürokratisch wie möglich zu handhaben. Als einzige zentrale Einrichtung bieten sie Woche für Woche Sprechstunden an und kommen so mit 500 bis 600 Studentinnen und Studenten pro Jahr in persönlichen Kontakt.

Rasche Lösungen

Praktisch immer, weil die ein Problem haben, mit der Lehre, mit der Organisation oder der Verwaltung: „Wir versuchen, das möglichst rasch zu lösen, im Idealfall schon während der Sprechstunde“, beschreibt Schalamon den Arbeitsstil. Und: „Wir geben dem anonymen System ein Gesicht.“ Genauer gesagt, zwei Gesichter, nämlich die von Schalamon und Petek.
Nicht immer kann alles zur vollen Zufriedenheit der Studierenden erledigt werden. Aber auch das hilft: „Wenn man den Studierenden erklärt, warum etwas so ist, wie es ist, entschärft das die Lage – sie sind dann gleich zufriedener.“
Nostrifikationen
Ein zwar nicht neuer, aber in seiner Bedeutung steigender Arbeitsbereich sind die Nostrifikationen. Für die Anerkennung von im Ausland absolvierten Medizin-Ausbildungen sind der Studienrektor und sein Stellvertreter nämlich auch zuständig, so wie ihre Kolleginnen und Kollegen an  den anderen Medunis. 800 bis 1.000 Anfragen pro Jahr sind in Graz zu erledigen. Viele der Anfragenden kommen aus Russland, Serbien, Bosnien oder Mazedonien, zuletzt auch immer mehr aus Syrien. Was die Aufgabe nicht einfacher macht: Denn in Zweifelsfällen wird versucht, mit der Universität Kontakt aufzunehmen, deren Unterlagen vorgelegt werden – und das ist in Syrien derzeit naturgemäß sehr schwierig. Und auch wenn es Bestrebungen gibt, die Anerkennungen zu vereinfachen, letztlich geht es um die Qualität. Nur rund ein Prozent der Nostrifikationsversuche funktionieren mehr oder minder problemlos.

Derzeit wird deswegen an einer standardisierten Vorgangsweise aller Medunis gearbeitet. Dazu gehört unter anderem ein gemeinsam entwickelter 300-Fragen-Test für Kandidatinnen und Kandidaten, die keine überzeugenden Bestätigungen ihrer ärztlichen Ausbildung vorlegen können. Die genaue Überprüfung der Dokumente wird in Graz aber dennoch beibehalten.
Dass es Schalamon und Petek gelingt, praktisch alle Entscheidungen innerhalb der vorgegebenen gesetzlichen Fristen zu treffen und auszufertigen, ist ein klares Indiz für die Qualität des Teams, aber auch die Arbeitshaltung.

Sorge um Dislozierung

Derzeit ist das Studienrektorat mitten im Universitäts-Klinikum angesiedelt, also dort, wo sich der Großteil der Studierenden befindet. Dass darüber gemunkelt wird, es in den Bereich der ehemaligen Vorklinik abzusiedeln, um Raum für andere Bereiche zu schaffen, macht Schalamon und Petek Sorgen. Nicht, weil sie selbst ein Problem damit haben, sondern weil sie fürchten, dass für die Studierenden neue Barrieren entstehen, wenn die Sprechstunden disloziert stattfinden.

Mit der Uni identifizieren

Für Schalamon und Petek ist ihre Tätigkeit und die Art, wie sie sie ausüben, auch ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Studierenden. Wenn Studierende das Gefühl haben, respektvoll behandelt zu werden, würden sie sich auch als Absolventinnen und Absolventen stärker mit „ihrer“ Universität und dem Medizinstandort identifizieren. Und dann vielleicht in nicht so großer Zahl nach Deutschland oder in die Schweiz migrieren wollen, sind die Studienrektoren überzeugt.
Prinzipiell werde die Ausbildung in ihrer Relevanz unterschätzt, kritisiert Studienrektor Schalamon: „Die Lehre ist ein Stiefkind, anerkannt wirst du nur, wenn du ein guter Arzt oder ein guter Forscher bist. Wenn du dich vor allem für die Lehre interessierst, ist das mehr oder minder das Karriereende.“
Auch das wollen er und Petek ändern. Drei Jahre haben sie dafür Zeit, so lange dauert die angelaufene Periode.


„Wenn man den Studierenden erklärt, warum etwas so ist, wie es ist, entschärft das die Lage …“

Foto: Conclusio
Studienrektor Schalamon (r.), Stellvertreter Petek: Im Team für die Anliegen der Studierenden.

Symbolbild 1
 



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