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30.06.2017, ab 19:00 Uhr

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Zukunftsdiagnose

Was wollen Ärztinnen und Ärzte (nicht)? Eine Zukunftsbefragung in der Steiermark gibt aufschlussreiche Antworten. Und ist ein Zukunftsauftrag.

Der Arztberuf verändert sich – das ist eine Binsenweisheit. Aber wohin? Was sind die Motive, sich für eine bestimmte Laufbahn zu entscheiden? Anstellung oder Niederlassung? Wenn Niederlassung: Kassenstelle oder  Wahlarztpraxis? Stadt oder Land?  Was wird als Hemmnis, was als Vorteil empfunden? Um auf diese Fragen, die wichtig für die berufspolitische Entwicklung und Vertretung sind, fundierte Antworten zu bekommen, führte die Ärztekammer Steiermark im Jänner und Februar 2015 eine breit angelegte Zukunftsbefragung unter allen steirischen Ärztinnen und Ärzten bis zum 45. Lebensjahr durch. 494 Datensätze (Rücklauf 20 Prozent) konnten ausgewertet werden. Hier sind die Ergebnisse.

 

Anstellung, Niederlassung oder beides?

Die erste und entscheidende Frage: Wohin soll die Reise gehen? Ein gutes Drittel will demnach Anstellung und freiberufliche Tätigkeit kombinieren, ein Viertel zieht die Anstellung vor – will also angestellt bleiben oder strebt eine Anstellung an. Rund 30 Prozent der Befragten wollen dagegen in die Niederlassung. Für mehr als Hälfte davon (etwa 17 Prozent) ist eine kassenärztliche Tätigkeit erstrebenswert, für knapp 14 Prozent eine wahlärztliche.
Was spricht für die Anstellung, was für die Niederlassung?

Das stärkste Argument für den Wunsch nach einem Anstellungsverhältnis sind „die wirtschaftlich unsichere Situation in der Praxis“ (18,5 Prozent) und die soziale Absicherung durch die Anstellung (17 Prozent der Antworten). Es folgen die Motive Teamarbeit, die Angst vor Kassenbürokratie in der Niederlassung bzw. auch die Abhängigkeit von Kassenverträgen sowie (das meinen aber nur 6,4 Prozent) Zweifel an der persönlichen Unternehmereignung.

Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, selbstbestimmte Arbeitszeiten und generell selbstbestimmtes Arbeiten sind dagegen die wichtigsten Argumente für die Niederlassung – es sind jeweils rund 12 bis 13 Prozent der Nennungen. Bessere Einkommensmöglichkeiten landen mit knapp 8 Prozent dahinter.

 

Wahl oder Kasse?

Wenn Niederlassung, stellt sich die Frage, was für eine kassenärztliche und was für eine wahlärztliche Laufbahn spricht.
Hauptargument für erstere sind der „gesicherte Patientenstock“, das „geregelte Einkommen“ und „gesicherte vertragliche Rahmenbedingungen“ – jeweils zwischen einem schwachen Drittel und einem Viertel der Befragten nennen diese Gründe. Dass Kassen „verlässliche Vertragspartner“ sind, glauben etwa 12 %.
Das wichtigste Motiv für den Wunsch nach einer wahlärztlichen Tätigkeit ist „mehr Zeit für Patienten“ (knapp 23 Prozent).
Es folgen die geringe Bindung an Kassenverträge (19 Prozent), die bessere Planbarkeit des Praxisablaufs, keine unmittelbaren Limite und Degressionen und die freie Wählbarkeit der Honorare (13 Prozent). Bei AllgemeinmedizinerInnen spielt auch eine Rolle, dass sie sich nicht zu Bereitschaftsdiensten verpflichten (müssen), jede/r Zehnte nennt das als Argument.

Könnte man die Form der Niederlassung frei wählen, zögen rund 27 Prozent die kassenärztliche Tätigkeit vor, weitere knapp 12 Prozent wollen zuerst wahlärztlich und dann kassenärztlich tätig sein. Fast 43 Prozent ziehen eine wahlärztliche Tätigkeit vor, mehr als die Hälfte davon in Kombination mit einer Anstellung.
Und wo soll die Praxis stehen? 43 Prozent bevorzugen Graz, 38 Prozent wollen aufs Land und rund 19 Prozent in eine Bezirkshauptstadt.

 

Stadt oder Land?

Aufs Land wollen Ärztinnen und Ärzte, wenn die work-life-balance stimmt (17 Prozent), es eine finanzielle Unterstützung gibt (knapp 15 Prozent) und wenn eine Gemeinschafts- oder Gruppenpraxis möglich ist (13 Prozent).

Es folgen eine angemessene (bessere) Vergütung, eine gute, lokale Infrastruktur, die Möglichkeit, eine Hausapotheke zu führen (bei AllgemeinmedizinerInnen), die Unterstützung bei der Kinderbetreuung und der persönliche Bezug zur heimatlichen Region.

Als Organisationsform bevorzugt mehr als die Hälfte eine Gemeinschaftspraxis oder ein Ärztezentrum und nur 29 Prozent eine Einzelpraxis. Eine geteilte Einzelpraxis (Jobsharing) ist für 11 Prozent das Richtige.

 

Was macht den Beruf aus?

Und was macht den Beruf Ärztin/Arzt generell aus? Für fast ein Drittel ist es die hohe Verantwortung, 22 Prozent nennen Selbstlosigkeit und Idealismus, 10 Prozent meinen, der Beruf genieße hohes Vertrauen, 7 Prozent nennen das Ansehen.
Mehr als ein Viertel meint, der Beruf habe diese Attribute in den letzten Jahren verloren. Und genau 1,1 Prozent sind der Überzeugung, dass der ärztliche Beruf ein „hohes Einkommen“ beschere … Folgerichtig ist eine „leistungsentsprechende“ Honorierung der am häufigsten genannte Grund, dass der Beruf attraktiv bleibt (18,15 Prozent). Aber praktisch ebensoviele Befragte nennen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und kaum weniger Bürokratieabbau und mehr Zeit für Patienten.

Von 15 Prozent werden ein besseres Arbeitsklima und bessere Arbeitsbedingungen genannt. Und 13 Prozent fordern eine praxisnähere Ausbildung. 

Auch wichtig: bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzt¬Innen (10 Prozent), aber auch mit anderen Gesundheitsberufen (6 Prozent).

 

Grafik: Conclusio




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