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AERZTE Steiermark 04/2022

 

Kunst: vom Genuss bis zum Anlegen

(Bildende) Kunst ist für Ärzt*innen mehrfach attraktiv: als Dekoration in der Praxis, Sammlerobjekt und Anlage. Ihr emotionaler Wert korrespondiert auch mit dem Ethos der Menschlichkeit in der Medizin. Als Anlageform bietet Kunst exklusive Chancen, verlangt aber großes Engagement.

Walter Hoch

Nicht nur die vielen veritablen Schöngeister unter den Ärzt*innen überlegen: Sollte ich meine Ordination nicht mit erlesenen Bildern oder Skulpturen atmosphärisch aufwerten? Ein sorgfältig ausgearbeiteter Kunstplan ist die professionelle Antwort auf diese Frage. Er beginnt damit, dass sich Kunst-Kaufwillige in Museen, Galerien, in Auktionshäusern oder auch in Ateliers oder Fachmagazinen umsehen.  Wenn ein erster Überblick vorhanden ist, wieviel  jene Werke in etwa kosten, die einem gefallen oder als interessant erscheinen, folgt am besten eine Beratung bei den Expert*innen des Kunstmarktes. Schließlich wollen kunstaffine Ärzt*innen das sichere Gefühl haben, günstig gekauft zu haben. Zieren dann hochwertige Drucke das Entree, lenken Malereien oder Fotografien im Wartezimmer die Patient*innen vom Warten – und ihren Leiden – ab, oder bringen interessante Exponate zeitgenössisches Flair in den Besprechungsraum, ist der Spruch „Heilung beginnt, wenn man sich wohlfühlt“ umgesetzt. Kunst schafft per se eine Atmosphäre von Stabilität, Kreativität und Erfolg.


Einstieg in den Kunstmarkt

Spätestens, wenn man seinen Kunstgeschmack weiterentwickelt und Bilder verkaufen möchte, avanciert Kunst auch zum sachlichen Wertgegenstand. Damit betreten die Ordinationsinhaber*innen das Feld des Kunsthandels bzw. wird Kunst zur Anlageform. Für Einsteiger*innen stellt sich der Kunstmarkt oft als undurchschaubar dar, er folgt eigenen Gesetzen und ist weniger transparent als der Finanzmarkt. Deshalb erfordert ein erfolgreiches Investment hier mehr Engagement.

Man sollte in der Kunstszene gut vernetzt sein, regelmäßig Ausstellungen, Galerien, Museen oder Künstlerateliers besuchen und durch die Lektüre von Kunstkritiken oder Fachmagazinen auf dem neuesten Stand bleiben. Wertgegenstände – wie Alte Meister, Gemälde des 19. Jahrhunderts, klassische Moderne, Jugendstil, zeitgenössische Kunst sowie Glas, Porzellan, Möbel, Uhren, Schmuck, Silber oder Skulpturen – gelten gemeinhin als alteingesessene und zugleich alternative Assetklasse. Sie unterscheidet sich von anderen Assetklassen gravierend: Oft bestimmen nicht wirtschaftliche Kriterien, sondern Liebhaberpreise den Wert. Bei hochpreisigen Objekten mangelt es schon mal an Käufern, der Preis ist daher starken Schwankungen unterworfen. Andererseits punktet diese Anlageform mit dem Prestige, das mit dem Erwerb eines Exponats auf die Besitzerin oder den Besitzer übergeht. Für manche kommt auch der Nervenkitzel ins Spiel, wenn Preise bei Auktionen in einer Bieterschlacht nach oben katapultiert werden – oder im Verkaufsfall hartnäckig am Boden gründeln.

Ob künstlerische Objekte wie Teppiche oder Porzellan im Laufe der Zeit ihren Wert völlig verlieren oder ob ein gutes Bild immer seinen Wert behält, darüber gehen die Meinungen auseinander. Oft wird betont, der Besitzer habe bei einem schlechten Ende noch immer ein schönes Werk und keinen wertlosen Depotzettel. Diese Imponderabilien bzw. Intransparenzen führen aber auch dazu, dass einige Vermögensverwalter*innen Wertgegenstände nicht als eigene Assetklasse einstufen.


Ärzt*innen mit Kunstgespür

Individuelle Vorkenntnisse können durch Konsultationen mit Expert*innen ein professionelles Niveau erreichen. Im Falle eines Verkaufs führen die gerichtlich zertifizierten Sachverständigen eines Auktionshauses eine Echtheitsprüfung durch. Sie entscheiden, ob das Werk in einer Auktion versteigert werden kann und legen einen Schätzpreis fest, ergänzen diesen zusammen mit dem Verkäufer um das Limit, unter dem nicht oder nur nach Rücksprache verkauft werden soll. Sie erstellen für den Verkauf eine aussagekräftige Beschreibung des Objekts, zeigen den kunsthistorischen Kontext sowie die Einordnung des Objekts in eine bestimmte Schaffensperiode des Künstlers auf. Daneben wird auf alle Details, die zukünftige Bieter*innen interessieren, und auf Zustandsangaben eingegangen. Außerdem verfügen die Auktionshäuser über Verbindungen zu Sammler*innen, Kurator*innen, Kunstliebhaber*innen und Galerist*innen – zum Teil weltweit. Diese sind auch sehr dienlich, um an spezielle Raritäten heranzukommen.


Unbekannt, aufstrebend oder bekannt?

Die Struktur des Kunsthandels äußert sich für interessierte Ärzt*innen vor allem in den drei Bekanntheitskategorien der Kunstschaffenden: Wer auf unbekannte Künstler *innen setzt, dem winkt die Attraktivität einer starken Gewinnsteigerung, zugleich muss man bedenken, dass weniger als 10 % der Nachwuchskünstler*innen es schaffen, sich am Kunstmarkt zu etablieren. Ihre Werke wiederzuverkaufen kann sehr schwierig werden. Steuerlich sind unbekannte Künstler*innen vorteilhaft: Anschaffungen von Werken bis zu 5.000 Euro werden von der Finanz meist als Gebrauchskunst gewertet und lassen sich über einen gewissen Zeitraum steuerlich abschreiben. Die nächste Kategorie, die aufstrebenden Künstler*innen, bergen nur ein mittleres Risiko, die Gewinnsteigerung ist hier realistischer. Das sieht auch die Finanz so, Inhaber*innen einer Ordination dürfen diese Werke meist steuerlich nicht abschreiben. Im Gegenteil: Steigt ihr Wert, sind diese Gewinne oft noch zu versteuern. Jedenfalls ist hier einiges an Recherche zu empfehlen, wie die Lektüre von Kritiken, die Liste der Ausstellungen und vor allem: Wie viele Werke werden bei Auktionen versteigert, bei Messen verkauft, wie viele gehen zurück ins Lager?


Die großen Kunstgeschäfte

In der Kategorie bekannte Künstler*innen wird der ephemere Charakter von Kunst tragend, es lässt sich trefflich darüber streiten: Wann ist ein/e Künstler*in anerkannt, ist schon eine „Marke“? Hat man sich davon sein Bild gemacht, warten einige Vorteile auf Käufer*innen: Es ist weniger Insiderwissen nötig, die Preisentwicklung lässt sich auch über diverse Kunstrankings, z. B. im Kunstkompass oder auf artprice.com, transparent nachverfolgen. Die kalkulierbare Nachfrage vereinfacht auch den Ein- und Verkauf, allerdings ist hier eine Liquidität von 100.000 bis einer Million Euro Voraussetzung – allein schon wegen der hohen Händlerprovisionen. All das treibt die Preise für „Markenkünstler*innen“ nach oben. Besonders bei zeitgenössischer Kunst zeigt sich laut artprice Folgendes: Der weltweite Preisindex dafür ist im letzten Jahrzehnt um 30 Prozent gestiegen, in den letzten 15 Jahren ist der Verkaufserlös sogar um 1.800 Prozent gestiegen. Freilich kann auch Folgendes passieren: Eine Zeitlang herrscht ein Hype um einen Künstler, plötzlich verliert er an Aufmerksamkeit oder es kommt eine Finanzkrise – besonders der Markt der am schnellsten gestiegenen Exponate schrumpft. 

Kunstfonds schaffen mit dem Erwerb einer Vielzahl von Kunstobjekten eine Risikostreuung, auch hier sind hohe Einsätze nötig. Allerdings ist Sammler*innen davon abzuraten, denn hier können Anleger*innen nur den Depotschein, aber nicht die Kunstwerke direkt in Augenschein nehmen. Ein neuer Kunstmarkt ist mit Non-Fungible Token im Entstehen. Abgewickelt wird er über die Blockchain, eine Art hochsicherer Datenbank in Blöcken, die aneinandergereiht sind. Fungible Token, wie Kryptowährungen, können ausgetauscht werden. Non-Fungible Token können das nicht, sie sind einzigartig. Künstler nutzen NFT dafür, digitale Werke mit Einzigartigkeitsgarantie zu veräußern. Ärzt*innen könn(t)en so ihre eigene digitale Galerie zusammenstellen.

 

Illu: Shutterstock; Montage

Symbolbild 1
 



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