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AERZTE Steiermark 05/2021
 

Geburtenschwacher Jahrgang

Das Lockdown-Jahr 2020 hat keinen Geburtenzuwachs gebracht. Im Gegenteil. In der großen Mehrheit der untersuchten europäischen und außereuropäischen Länder kam es gegenüber 2019 zu erheblichen Rückgängen. Das hat eine Untersuchung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ergeben.

Keine gute Nachricht für Kinderärzt*innen und Gynäkolog*innen: Das Corona-Jahr 2020 brachte keinen Babyboom, wie manche erwartet hatten. Im Gegenteil: Die Geburten gingen in den meisten der 30 untersuchten Länder Europas und Asiens sowie den USA teils sehr deutlich zurück. Wobei Österreich mit einem Rückgang von 1,7 Prozent oder 1.459 Geburten noch relativ glimpflich davonkam. Das stärkste Minus hat Rumänien mit mehr als 12 Prozent bzw. fast 25.000 Geburten zu verzeichnen. Es folgen die baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland, in Augenhöhe mit Spanien, die alle einen Rückgang von mehr als 5 Prozent hinnehmen mussten. Auch das österreichische Nachbarland Slowenien liegt mit genau minus 5 Prozent im negativen Spitzenfeld.

 

Mehr Geburten nur in drei Ländern

Ein Plus können nur drei Länder vermelden: Ungarn, Finnland und Island.

Untersucht hat die Entwicklung die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Die Grundlage ist die Fertilitätsdatenbank humanfertility.org, die das Demographie-Institut der ÖAW gemeinsam mit dem deutschen Max-Planck-Institut für Demographische Forschung aufgebaut hat. „Natürlich gibt es große Unterschiede in der Entwicklung der Geburtenraten, auch weil die verschiedenen Länder unterschiedlich von der Pandemie und den Maßnahmen zur Eindämmung des Virus betroffen waren. Dennoch: Eindeutig kein Babyboom“, kommentierte ÖAW-Bevölkerungswissenschaftler Tomáš Sobotka das Ergebnis.

 

Weltweiter Negativtrend

Beim Minus im und trotz Lockdown handelt es sich um kein europäisches Phänomen.  Das chilenische Ergebnis beträgt –9,8 Prozent, was über 20.600 Geburten weniger entspricht. In Israel gibt es ein Minus von 2,6 Prozent, in Japan 5,8 und in Korea sogar 10 Prozent. Russland und die USA weisen ein Minus von 3,3 bzw. 3,8 Prozent  auf.

 

2021 weiteres Minus

Der negative Trend  scheint auch im Jahr 2021 weiterzugehen – geburtenschwache Jahrgänge sind offenbar eine Nebenwirkung dieser Pandemie. Anhand von Belgien lässt sich das – leider – sehr gut darstellen: Im Jänner 2019  gab es 9.902 Geburten, im Jänner 2020 nur mehr 9.656. Und im Jänner 2021 wurden gar nur noch 8.621 Kinder geboren. Vom Jänner 2019 zum Jänner 2021 beträgt das Minus also fast 1.300 Geburten oder mehr als 12,9 Prozent.

Sobotka: „Das können wir auch in Österreich beobachten, wo die Zahl der Geburten um fast vier Prozent im November und 5,5 Prozent im Dezember 2020 im Vergleich zu den Monaten des Vorjahres zurückgegangen ist. Ein ähnliches Bild ergibt sich in den Vereinigten Staaten, in Belgien, in Frankreich, auch dort hat sich der Abwärtstrend in den Geburtenzahlen beschleunigt. Und in zwölf EU-Ländern ist die Zahl der Geburten im Dezember 2020 um 8,7 Prozent und im Januar 2021 sogar um 12 Prozent gesunken. Gleichzeitig scheint die Pandemie in einigen nordischen Ländern wie Finnland, Norwegen und Dänemark, aber auch in Tschechien bisher keinen Einfluss auf die Fertilität zu haben.“

Die Unterschiede führt der Wissenschafter auf die Unterschiede in der sozialen Absicherung zurück: „In manchen Ländern müssen sich Familien angesichts steigender Arbeitslosigkeit um ihr Einkommen sorgen, während es in anderen Ländern größere soziale Sicherheitssysteme gibt.“

 

Foto: Adobe Stock, ÖAW

Chart: Conclusio, Illu: Adobe Stock

 




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