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Online first: aus dem AERZTE Steiermark 03/2021


Mit Impfung „auf der sicheren Seite“

Der Angiologe Thomas Gary warnt davor, die wenigen bekannten Fälle von Lungenembolien oder anderen Gerinnungsstörungen zum Anlass zu nehmen, eine COVID-19-Impfung komplett abzulehnen.

Eine venöse Thrombose kommt in der Normalbevölkerung bei ca. einem Patienten pro 1000 pro Jahr vor. Es gibt Risikogruppen wie zum Beispiel Tumor-Patient*innen oder Patient*innen mit großen Operationen bei denen teilweise bis zu 20% der PatientInnen von einer venösen Thrombose oder Lungenembolie betroffen sind. Zu den thrombophilsten Erkrankungen zählt eine COVID 19 Erkrankung mit einem schweren Krankheitsverlauf.

Bei einer schweren COVID-19-Infektion mit Intensivstationsaufenthalt würdem Raten an Lungenembolien von bis zu 80 Prozent beschrieben sagt Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Thomas Gary von der Klinischen Abteilung für Angiologie an der Medizinischen Universität Graz. Auch wenn die Erkenntnisse vorläufige sind – „derzeit ist alles im Fluss“, so Gary – ließen die Daten doch eine denkbare Erklärung zu: eine Entothelschädigung, die Abscheidungsthromben verursache scheint die wahrscheinlichste Ursache zu sein. Es werden in der Literatur aber auch unterschiedliche andere Ursachen diskutiert, die aber alle zum selben Schluss kommen: eine COVID Infektion ist extrem thromboseförderlich, nach einer rezenten Arbeit aus Tübingen zeigt sich diese Thrombosegefährdung noch bis zu drei Monate nach der Erkrankung!

Angesicht der Venösen Thrombosezahlen in der Normalbevölkerung ist es natürlich wenig erstaunlich, dass auch unter den mehreren 100.000 gegen COVId-19 geimpften Menschen Fälle von Thrombosen auftreten, die bisweilen auch zu einer Lungenembolie geführt haben. Die bisher bekannten drei Fälle einer venösen Thrombose mit Gerinnungsstörung (Stand 10.3.2021) werden natürlich von den zuständigen Behörden exakt aufgearbeitet.

Dass die berichteten Ereignisse bisher relativ gesunde Menschen betroffen haben, ist nur scheinbar ein Widerspruch: Denn auch bei Gesunden treten Thrombosen und Embolien auf, die sich auch durch eingehende Untersuchungen nicht erklären lassen.

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Impfung, Gerinnungsstörung und Lungenembolie ist derzeit noch schwer fassbar. Vorstellbar ist ein immunologisches Geschehen. Denn wenn eine zumindest vorläufige Aussage möglich ist, dann die: Betroffene haben verhältnismäßig wenige Thrombozyten, ein Phänomen das (ohne venöse Thrombose) nach Impfungen immer wieder als Immunthrombozytopenie objektiviert werden kann. Unter diesem Gesichtspunkt wäre eventuell ein über einen Antikörper mediiertes Phänomen als Ursache für die derzeit beschriebenen drei Patientinnen mit Lungenembolien und Thrombopenie nach COVID Impfung denkbar (Stand 10.3.2021).

Fazit aus Sicht von Gary: Mit einer Impfung, die schwere Fälle einer COVID-19-Infektion (die dann wiederum eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine venöse Thrombose hat) verhindert, „ist man nach derzeitigem Stand des Wissens jedenfalls auf der sicheren Seite“. Diesen Rat sollten Ärztinnen und Ärzte ihren Patientinnen und Patienten nicht vorenthalten. Empfehlungen bezüglich Risikogruppen (Dringlichkeit der Impfung etc.) werden laufend von den Behörden aktualisiert und sind natürlich in die Überlegungen miteinzubeziehen.

 

Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Thomas Gary (Medizinische Universität Graz, Klinische Abteilung für Angiologie) ist Präsident der Österreichische Gesellschaft für Internistische Angiologie (ÖGIA).

 

 

Weiterführende Links:

http://www.gefaesse.at (Österreichische Gesellschaft für Internistische Angiologie)

https://www.aerzteblatt.de/archiv/198621/Lungenarterienembolie-Status-2018

https://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2018/oeaez-19-10102018/pulmonalembolie-gefaehrlich-oft-unentdeckt.html

 

Fotos: beigestellt, Adobe Stock




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