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Humanity-Award für HPV-Expertin aus Botswana

Dank des Einsatzes der Gynäkologin Doreen Ramogola-Masire erreichte Botswana eine fast hundertprozentige HPV-Durchimpfungsrate. Dafür verlieh ihr die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) den Humanity Award. Österreichs Ärzte stellen ein 6-Punkte-Programm auf, um nachzuziehen.

Stell dir vor, es gibt eine Impfung gegen Krebs – und kaum einer geht hin. Obwohl die HPV-Impfung in Wirksamkeit und Sicherheit mehrfach bestätigt wurde, unter anderem durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), und bereits vor sechs Jahren in das kostenfreie Kinderimpfprogramm übernommen wurde, inklusive Catch-up-Programm für Ältere, schwächelt die österreichische HPV-Prävention. Soviel lässt sich sicher sagen, aber damit enden die validen Zahlen schon. Denn in Österreich gibt es keine offizielle Zählung der HPV-Impfungen. Schätzungen gehen von einer Durchimpfungsrate von weniger als 40 Prozent aus. Wie das berühmte gallische Dorf hält sich die Steiermark als Ausnahme: Durch die landesweite Impfdokumentation der Wissenschaftlichen Akademie für Vorsorgemedizin ist sie von allen Bundesländern als einziges in der Lage, vollständige Zahlen zu liefern. Dabei zeigt sich, dass die Durchimpfungsraten des Jahrgangs 2007 mit knapp 43 Prozent für die erste Teil­impfung und des Jahrganges 2006 für beide benötigten Impfungen (rund 34 Prozent) am höchsten waren und seitdem wieder sinken. Wobei zu bedenken ist, dass es ein mehrjähriges Impffenster bis zum 12. Geburtstag gibt und die Jüngeren hoffentlich noch in größerer Zahl nachgeimpft werden. Vom WHO-Ziel einer 90-prozentigen Durchimpfungsrate ist die Steiermark allerdings deutlich entfernt.

Ist der Ruf einmal ruiniert …

Was ist geschehen, dass die österreichischen Eltern den Schutz vor Humanen Papillomviren so sehr auf die leichte Schulter nehmen? In seinem Statement am Internationalen HPV-Impftag am 4. März in Wien erläuterte Hans Jürgen Dornbusch, Impfreferatsleiter der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, mögliche Gründe für elterliche Vorbehalte: Ein Todesfall und die darauf folgende irrationale Diskussion in den Medien und per privater E-Mail-Kampagne hätten die anfangs gute Akzeptanz der HPV-Impfung in Österreich massiv und dauerhaft beeinträchtigt. Sogar Ärzte seien verunsichert worden und seien es teils noch. Zudem habe eine, so Dornbusch, mittlerweile widerlegte, negative Kosten-Nutzen-Analyse die Kommunikation zur HPV-Impfung negativ belastet. Impfkritische Gruppen verunsichern zögernde Eltern durch Warnbotschaften und Diskreditierung von Informationen durch Herstellerfirmen und Fachgesellschaften.

Hinterlegen konnte Dornbusch seine Aussagen mit sehr präzisen Impfzahlen, die es allerdings nicht für Österreich (siehe unten), aber sehr wohl für die Steiermark aus dem steirischen Impfnetzwerk gibt.

Nicht nur Zervix

Im Zuge des HPV-Impftages referierte auch der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie , Dietmar Thurnher, wie Dornbusch in Graz als Arzt tätig. Er betonte, wie wichtig die HPV-Impfung für Buben wie Mädchen außerdem zur Prävention von HNO-Tumoren sei. In Österreich, so Thurnher, sei rund die Hälfte der Rachenkarzinome HPV-assoziiert, in manchen Großstädten der USA bis zu 90 Prozent. Schätzungen zufolge machten in Österreich 85 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens eine High-Risk-HPV-Infektion durch – und 20 Prozent eine mit der besonders gefährlichen HPV-16-Variante.

Das Erkrankungsrisiko für orale und oropharyngeale HPV-Infektion sei, so Thurnher, für Männer höher, ebenso für Raucher, mit HIV infizierte Menschen und jene mit einer hohen Zahl an Sexualpartnerinnen oder -partnern.

Wenig Österreich-Zahlen

Im internationalen WHO- und UNICEF-Ranking zählt Österreich zu jenen Ländern, deren Daten zur HPV-Durchimpfungsrate nicht erhältlich und damit nicht vergleichbar sind, wie Elmar Joura von der AGO am HPV-Impftag darlegte. Präzise Zahlen gibt es nur für die Steiermark (siehe oben). Australien, Kanada und auch Botswana zählen zu den Spitzenreitern mit einer mehr als 80-prozentigen Durchimpfungsrate. In Europa führen Skandinavien, Großbritannien, Spanien, Portugal und die Schweiz. Staaten mit sehr unterschiedlichen Gesundheitssystemen also. Derzeit wird weltweit ein Drittel der Mädchen durch die HPV-Impfprogramme erreicht; Ziel der WHO für 2030 ist eine Durchimpfungsrate von 90 Prozent der Mädchen unter 15 Jahren und dass 70 Prozent der jungen Frauen zwischen 35 und 45 getestet würden.

In Botswana, im Süden Afrikas, ist man Österreich bezüglich HPV-Prophylaxe weit voraus. Dort verdankt die Bevölkerung ihre Durchimpfungsrate von fast 100 Prozent in der empfohlenen Altersgruppe im Wesentlichen dem Engagement einer Gynäkologin und wissenschaftlich tätigen Ärztin, die als enge Beraterin des Gesundheitsministers und Leiterin einer Arbeitsgruppe ein beispielhaftes „ Cervical Cancer Prevention Programme “ ins Leben gerufen hat: Doreen Ramogola-Masire .

Preis für Ramogola-Masire

Mit ihrem Einsatz habe sie zahlreiche Leben gerettet und durch ihre unermüdliche Forschungstätigkeit besondere Menschlichkeit bewiesen – so die Begründung für die Verleihung des „Humanity Awards“ der österreichischen Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie und der Österreichischen Krebshilfe an die botswanische Ärztin. Der Humanity Award wurde anlässlich des Internationalen HPV-Impftages im Rahmen einer Presse-Enquete vergeben; Ramogola-Masire war vor Ort.

Ebenfalls im Rahmen des HPV-Impftages präsentierten die AGO und die Österreichische Krebshilfe gemeinsam mit den zuständigen medizinischen Fachgesellschaften, der Österreichischen Ärztekammer und der Österreichischen Apothekerkammer ein 6-Punkte-Programm (siehe Kasten), um die HPV-Durchimpfungsrate in Österreich auf ein vergleichbares Niveau anzuheben. „Die HPV-Impfung ist erwiesen wirksam gegen HPV-assoziierte gynäkologische Krebserkrankungen, Analkrebs, Peniskrebs und Krebs im Mund- und Rachenraum“, erklärte AGO-Präsident Christian Schauer. Um Gebärmutterhalskrebs zu eliminieren, brauche es Strategien wie jene der WHO. Dazu gehöre, dass die HPV-Durchimpfungsrate in allen Ländern auf 90 % gesteigert werde. „Botswana zeigt es uns vor. Österreich muss das auch schaffen“, fordert Schauer.

Kraft(p)akt zur Hebung der HPV-Durchimpfungsrate:

Das 6-Punkte-Programm von AGO und Österreichischer Krebshilfe zur Verbesserung der HPV-Durchimpfungsrate in Österreich

  1. Es muss unser aller Ziel sein, dass alle Kinder geimpft werden.
    Möglichst alle Kinder zwischen dem 9. und 12. Geburtstag sollen im Rahmen des kostenlosen Schulimpfprogramms die HPV-Impfung erhalten und das Catch-up-Programm soll bis 18 Jahre erweitert werden.
     
  2. Impfpflicht mit der Möglichkeit zum „opt-out“
    Eltern, die ihr Kind nach Information und Aufklärung über die Impfung dezidiert nicht impfen lassen wollen, sollen mit einem „opt-out“ dazu die Möglichkeit haben, d. h. schriftlich der Impfung widersprechen können.
     
  3. Appell an die Schulärztinnen und Schulärzte
    Schulärztinnen und Schulärzte sind aufgerufen, dafür Sorge zu tragen, dass alle Kinder (mit Ausnahme derjenigen, für die die Eltern ein „opt-out“ unterschrieben haben) die kostenlose HPV-Impfung im Rahmen des Schulimpfprogrammes auch erhalten.
     
  4. Forderung an die Gesundheitspolitik nach mehr Aufklärung
    Eine Untersuchung von 2019 zeigte einen deutlichen Anstieg der Durchimpfungsrate bei medialer und Social-Media-Präsenz (presented by Deanna Teoh at 2019 ASCO Annual Meeting). Die österreichische Gesundheitspolitik ist daher aufgerufen, die Aufklärung und Information über die HPV-Impfung massiv zu intensivieren.
     
  5. Elektronischer Impfpass
    Ein Pilotprojekt (Wien, Niederösterreich und Steiermark) zum Elektronischen Impfpass soll in Kürze starten. Die Gesundheitspolitik ist gefordert, durch eine rasche österreichweite Ausrollung des Elektronischen Impfpasses eine Statistik über die Teilnahmeraten im Kinderimpfprogramm zu erheben und daraus laufend adäquate Konsequenzen abzuleiten.
     
  6. Forderung nach niederschwelligem Zugang zur Impfung
    Um die Durchimpfungsrate zu steigern, braucht es einen niederschwelligen Zugang zur Impfung durch alle Ärztinnen und Ärzte und eine bundesweit einheitliche Umsetzung des Impfkonzeptes (derzeit limitiert auf „Impfärztinnen und Impfärzte“).
     

AERZTE Steiermark 04/2020




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