AERZTE Steiermark 09 2026

GEBURTEN ÆRZTE Steiermark || 09|2026 21 Schnitts. Bezogen auf die Kaiserschnitt-Quote in der gesamten Steiermark ist rein rechnerisch davon auszugehen, dass somit der Anteil an Kaiserschnittgeburten in privatwirtschaftlich geführten Sanatorien höher ist und damit letztendlich den bundeslandweiten Durchschnitt beeinflusst. Sicherheitserwartung Neben rein klinischen Parametern beeinflussen auch soziokulturelle und juristische Rahmenbedingungen das geburtshilfliche Handeln im Alltag. Der absolute Wunsch nach Risikominimierung und Planbarkeit hat in den letzten Jahrzehnten spürbar zugenommen. Herbert Fluhr erklärt: „Gerade im Vergleich zur Situation vor mehreren Jahren ist die Erwartungshaltung der werdenden Eltern hinsichtlich der geburtshilflichen Sicherheit deutlich angestiegen. Die Sorge vor geburtshilflichen Haftungsfällen ist im klinischen Alltag sicherlich einer der zahlreichen Faktoren, die das Gesamthandeln mit beeinflussen.“ Echte, rein medizinisch zwingende Indikationen machen dabei nur einen Bruchteil der Gesamtrate aus. Gleichzeitig wird das Phänomen des reinen „Wunschkaiserschnitts“ in der öffentlichen Debatte oft überbewertet – viel öfter bewegen sich Entscheidungen in einem komplexen Graubereich aus relativen Indikationen, Ängsten der werdenden Mütter bzw. Eltern und ärztlicher Risikoabwägung. Abwägung im Einzelfall Unter adäquater geburtshilflicher Überwachung gelten in Österreich sowohl die vaginale Geburt als auch die Sectio caesarea als sehr sichere Verfahren. Beide Geburtswege bergen jedoch spezifische Risiken – bei der vaginalen Geburt eher auf kindlicher, bei der Sectio eher auf mütterlicher Seite. Eine pauschale Priorisierung verbietet sich im klinischen Alltag. Für die Praxis im niedergelassenen Bereich wie auch im klinischen Setting ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag für die Beratung von Schwangeren – für Fluhr eine Selbstverständlichkeit: „Wie im gesamten Bereich der Medizin ist eine vertrauensschaffende, ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe die entscheidende Grundlage für eine gemeinsam getragene Entscheidungsfindung. Realistische Informationen aus erfahrenem Mund, losgelöst von organisatorischen oder gar wirtschaftlichen Interessen, sollten immer die Grundlage für eine entsprechende Beratung möglichst früh in der Schwangerschaft sein.“ Fotos: Marija Kanižaj, envato/o1559kip, evnato/PedaltotheStock „Wie im gesamten Bereich der Medizin ist eine vertrauensschaffende, ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe die entscheidende Grundlage für eine gemeinsam getragene Entscheidungsfindung.“ Herbert Fluhr Vorstand der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

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