GEBURTEN 20 ÆRZTE Steiermark || 09|2026 Spurensuche zur hohen Kaiserschnitt-Rate in der Steiermark Die Zahlen der aktuellen Geburtenstatistik zeichnen ein eindeutiges Bild: Fast 4 von 10 Kindern kamen 2025 in der Steiermark per Kaiserschnitt zur Welt. Damit übertrifft das Bundesland nicht nur den österreichweiten Durchschnitt von 32,8 % deutlich, sondern liegt weit entfernt von historischen Werten (1995: 12,4 %) oder europäischen Benchmarks wie Schweden und den Niederlanden (ca. 16 bis 17 %). Doch wie ist dieser Anstieg medizinisch zu bewerten – und welche Faktoren treiben die Quoten in der Praxis tatsächlich nach oben? Herbert Fluhr, Vorstand der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des LKH Univ.-Klinikum Graz, kennt die Gründe. Qualität an erster Stelle In der fachlichen Bewertung steht primär das Outcome für Mutter und Kind im Vordergrund. Die wesentliche Qualitätskennzahl der modernen Geburtshilfe bleibe schlicht die Rate an Geburten, nach denen es beiden gut geht. „Diese Quote ist in Österreich verglichen mit anderen europäischen Ländern sowie auch dem Rest der Welt auf einem extrem hohen Niveau – eine Errungenschaft der vergangenen Jahrzehnte, die allerdings nicht als selbstverständlich zu betrachten ist“, betont Herbert Fluhr. Welche Sectio-Quote dabei als ideal anzusehen ist, ließe sich streng medizinisch kaum fixieren. Fest steht jedoch: Der weltweite wie auch regionale Trend nach oben ist multifaktoriell bedingt. Alter allein nicht relevant Einer der wesentlichen Treiber für die Indikationsstellung zur Sectio ist das steigende Erstgebärenden-Alter (2025 in Österreich bei durchschnittlich 31,7 Jahren) im Zusammenspiel mit Vorerkrankungen. Entscheidende Risikofaktoren in der Schwangerschaft sind dabei ein Schwangerschaftsdiabetes, eine Bluthochdruckerkrankung oder auch andere mütterliche Grunderkrankungen, die den Schwangerschaftsverlauf an sich oder auch die Geburt verkomplizieren können. Denn, so stellt Fluhr klar: „Das Alter allein ist kein Faktor für sich genommen, in der Summe mit gesundheitlichen Handicaps sowie unterschiedlichen Erwartungshaltungen hinsichtlich Selbstbestimmung, Lebensplanung sowie geplanter Familiengröße jedoch ein nicht zu vernachlässigender Faktor.“ Prädispositionen Zu den prädisponierenden Risikofaktoren zählt zudem auch der Status nach vorangegangener Sectio: „Ein erfolgter Kaiserschnitt führt in einer Folgeschwangerschaft zu einem leicht erhöhten Risiko für Geburtskomplikationen, stellt jedoch keine Kontraindikation für eine vaginale Geburt dar“, so der Leiter der Klinischen Abteilung für Geburtshilfe. Zudem gilt: Auch bei primär unauffälligem Verlauf kann unter der Geburt jederzeit eine Dynamik entstehen, die im Interesse von Mutter oder Kind das akute Umsteigen auf einen Kaiserschnitt erzwingt. Unterschiede in Versorgung Interessant ist der Blick auf die innersteirische Verteilung. Mit einer Kaiserschnittrate von 34,9 % liegt die Klinische Abteilung für Geburtshilfe am LKH Univ.- Klinikum Graz als Maximalversorger durchaus im Bereich des landesweiten Mit 38,5 % Sectio-Quote lag die Steiermark 2025 österreichweit an der Spitze. Während die WHO 10 bis 15 % empfiehlt, herrscht in der Praxis das Spannungsfeld aus Risikoschwangerschaften, Haftungsfragen und dem Wunsch nach absoluter Planbarkeit. Foto: envato/SeDmi
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