30 ÆRZTE Steiermark || 03|2026 Foto: envato/martinholverda WIRTSCHAFT & ERFOLG Wie sind die Aussichten für 2026 auf den Finanzmärkten? Geopolitische Veränderungen wirken sich auf die Entwicklung von Zinsen, Währungen und Kapitalmärkten aus. Was bedeutet das für die Anleger:innen 2026? Die Fachgruppe Finanzdienstleister in der WKO Steiermark und Finanzexperte Peter Brezinschek liefern spannende Einblicke. „Wir verzeichnen in den vergangenen 10 bis 12 Jahren einen immer stärkeren Einfluss der Politik auf die Wirtschaft- und Finanzmärkte“, sagt Peter Brezinschek, selbstständiger Finanzmarktexperte und Chefökonom der „Börsianer“. Die wirtschaftliche Prosperität und die ökonomisch-bestimmten Rahmenbedingungen stehen nicht mehr bei allen Ländern so stark im Fokus wie früher. „Die Globalisierung wird zurückgedrängt und wir haben eine bipolare politische Ordnung – der Westen auf der einen und Russland, China und die Schwellenländer auf der anderen Seite.“ Ein starker technologischer Wettstreit prägt das Bild – denn wer hier die Nase vorne hat, sichert sich insgesamt eine Vormachtstellung. China ist ein starker Player, weiß Brezinschek: „Seit der Etablierung der neuen Seidenstraße 2012 hat man sich Lieferketten und Rohstoffe gesichert.“ Die Chip-, Elektronik- und Autoindustrie im Westen bringt das unter Druck. Weiteren Einfluss auf die Lieferketten haben die Neuordnungen, die US-Präsident Donald Trump vorgenommen hat: „Statt möglichst viele Freihandelsabkommen, gibt es nun vorwiegend bilaterale Abkommen.“ Seit Corona sei die Wirtschaftspolitik zunehmend staatinterventionistisch geworden, meint der Experte: „Dem Staat wird Lösungskompetenz in allen Fragen zugemutet.“ Das führe von einer Problematik zur nächsten und vor allem zu weiteren Regulatorien, von denen es ohnehin schon zu viele gebe, „und dann wundern wir uns über die Wirtschaftsflaute. Das ist die längste Rezession seit der Nachkriegszeit“. Brezinschek ortet vor allem „hausgemachte Fehler in der europäischen Politik“ und eine Menge Baustellen wie z. B. den Arbeitsmarkt, auf dem es gleichzeitig einen Arbeitskräftemangel und 400.000 Arbeitslose gebe. Auch beim Pensionssystem würde lediglich über das Antrittsalter diskutiert und System-Kosmetik betrieben, obwohl es eine komplette Systemumstellung mit Einbindung von Kapitalmarktveranlagungen brauche. Zu viele Regulatorien „Österreichs größtes Problem ist der Kompetenzdschungel im Föderalismus“, führt Brezinschek aus: „Wir stehen uns selbst mit viel zu vielen Regulatorien, Planungs-, Rechts- und Genehmigungsverfahren im Weg! Das ist eine strukturelle Krise. Eine Wachstumsdynamik könnten wir erzeugen, indem wir das entrümpeln und das Kompetenz-Wirrwarr mit Bund, Ländern, Gemeinden, Gesundheitskassen usw. angehen. Denn das kostet Milliarden.“ Die hohen Teuerungsraten, das extrem hohe Budgetdefizit als Wachstumsbremse und die hohen Lohnkostenanstiege im Vergleich zur übrigen Euro-Zone, die uns viel an Wettbewerbsfähigkeit gekostet haben, hemmen die Wirtschaft in Österreich. „Dazu kommt, dass wir Zukunftsinvestitionen im Bereich der Schiene kürzen. Und man darf nicht vergessen: Es gibt genug Leistungsträger, die in die Schweiz gehen, in die USA und nach Kanada. Dort gibt es für sie als Selbstständige weniger Hürden.“ Diese Baustellen gelte es anzugehen und neu zu denken – „warum füh-
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