AERZTE Steiermark 03 2026

Die Masern sind zurück: Österreich hat den WHOEliminationsstatus verloren Der Kinder-Infektiologe Christoph Zurl von der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz über die Auswirkungen von Masern-Infektionen, klare Impfempfehlungen und die Situation in der Steiermark. Österreich wird aus WHOSicht derzeit nicht als Land bewertet, in dem Masern eliminiert sind. Nach den vielen Erkrankungen der vergangenen Jahre (Höchststand 2024) gelten Masern wieder als „etabliert“: Das Virus zirkuliert, sodass Ausbrüche jederzeit entstehen und sich fortsetzen können. „Das ist ein Warnsignal“, mahnt Kinder-Infektiologe Christoph Zurl von der Kinderklinik Graz. „Masern zählen zu den ansteckendsten respiratorischen Infektionen, können schwere Komplikationen verursachen und im schlimmsten Fall tödlich enden. Eine spezifische antivirale Therapie gibt es nicht: Behandelt wird nur unterstützend.“ Viele Fälle, viele Spitalsaufenthalte Laut AGES wurden 2024 österreichweit 542 Masernfälle erfasst. Bei den Fällen mit vorliegenden Angaben waren 22,8 Prozent hospitalisiert (120 von 527), 4 davon intensivmedizinisch. 2025 sank die Zahl auf 152 Fälle, dennoch mussten 24,8 Prozent (35 von 141) stationär behandelt werden. 2026 meldet die AGES (Datenstand 4.2.2026) bislang 2 Fälle in Österreich, in der Steiermark zu diesem Zeitpunkt keinen. Steiermark: Schwankende Lage 2023 wurden in der Steiermark 105 Fälle dokumentiert (die höchste Pro-Kopf-Rate in Österreich), 2024 waren es 59, 2025 noch 9. „Zuletzt war es eher ruhig, das kann sich aber schlagartig ändern“, weiß Zurl. Bei Masern genüge nämlich oft schon ein kurzer Kontakt: Durch die hohe Ansteckungsgefahr kann aus einem importierten Fall rasch ein Cluster werden. Und Zurls Warnung ist deutlich: Steigen die Fallzahlen wieder, „wird es leider irgendwann auch Todesfälle geben, das sagt schon die Statistik“. Frühphase schwer erkennbar Masern werden über Tröpfchen und Aerosole übertragen. Der Beginn ist oft unspezifisch (Fieber, Husten, Schnupfen, Konjunktivitis). Koplik-Flecken an der Mundschleimhaut können ein Hinweis sein. Nach initialer Krankheitsphase folgt 3 bis 7 Tage später das typische Exanthem. Für die Praxis entscheidend: Infizierte sind etwa 4 Tage vor bis 4 Tage nach Auftreten des Exanthems ansteckend, am stärksten in der Prodromalphase. Dadurch gehen zu Beginn häufig wertvolle Stunden verloren, während Betroffene noch im Wartezimmer sitzen und Kontaktpersonen erst später identifiziert werden. Komplikationen, auch Jahre später Akut drohen bakterielle Superinfektionen wie Otitis media und Pneumonie sowie selten neurologische Komplikationen (Enzephalitis). Christoph Zurl warnt außerdem vor Spätfolgen: Nach überstandener Erkrankung kommt es zu einer Immunschwäche, welche Jahre andauern kann. Selten kann es auch Jahre nach der Genesung zu einer SSPE kommen, einer schrittweise zerstörenden Gehirnentzündung. Ohne Therapiemöglichkeiten im schlimmsten Fall mit tödlichem Verlauf. Vor allem Kleinkinder können betroffen sein. Wenn Masern kaum mehr sichtbar sind, sinkt das Risikobewusstsein – in Ländern mit stärkerer Zirkulation, etwa Rumänien, werde die Schwere der Ausbrüche deutlicher. MASERN Foto: Med Uni Graz 18 ÆRZTE Steiermark || 03|2026 „Steigen die Fallzahlen wieder, wird es leider irgendwann auch Todesfälle geben, das sagt schon die Statistik.“ Chirstoph Zurl Kinder-Infektiologe

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