MASERN Foto: envato/bilanol Impflücken: Oft fehlt die zweite Dosis Nicht nur Impfskepsis spielt eine Rolle, sondern auch das Aufschieben von Impfungen. Manche Eltern lassen die erste MMR-Impfung geben, verzögern aber die zweite – und damit bleibt eine relevante Lücke. Alltagsgrund: Mit Eintritt in die Betreuungseinrichtung sind Kinder häufig krank, Termine werden verschoben und „gehen unter“. Zurls Rat: Man sollte den Impfstatus aktiv erheben und das Nachholen der Impfung niederschwellig anbieten – 2 Dosen bedeuten in der Regel einen lebenslangen Schutz. Ein leichter Schnupfen sei meist kein Grund, eine Impfung aufzuschieben: „Das Immunsystem kommt mit Impfungen sehr gut zurecht.“ Reguläre Arztkontakte sollten zur Überprüfung des Impfpasses genutzt werden, empfiehlt er. Risikogruppen schützen, rasch handeln Die MMR-Impfung ist ab dem vollendeten 9. Lebensmonat empfohlen. Säuglinge unter 9 Monaten, manche Schwangere und immunsupprimierte Patient:innen sind auf hohen Gemeinschaftsschutz angewiesen. Nach einem Kontakt zählt vor allem Geschwindigkeit: Infektiologe Zurl verweist auf ein 72-Stunden-Zeitfenster für die Impfung nach Exposition. Für Säuglinge und bestimmte Risikogruppen kann zudem eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen erwogen werden. „Je früher man handelt, desto besser.“ Was im Patientengespräch hilft Der Spezialist versucht Ängste zu nehmen, aber eine klare Impfempfehlung auszusprechen. Er erlebt, dass ein großer Teil der Familien grundsätzlich aufgeschlossen ist. Nur eine kleinere Gruppe lehne Impfungen ab „und zieht eine Mauer hoch“, teils verbunden mit wissenschaftlicher Skepsis. Gerade das sei bei Masern riskant, weil sich die Infektion „schnell zur infektiologischen Katastrophe“ entwickeln könne, wenn der Bevölkerungsschutz nachlässt. Entscheidend sei, aufzuklären, Nebenwirkungen realistisch einzuordnen und den Vergleich zur Krankheit zu ziehen: Die Impfreaktionen seien im Verhältnis zur Erkrankung „verschwindend gering“. ÆRZTE Steiermark || 03|2026 19
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