AERZTE Steiermark 03 2026

ÆRZTE Steiermark || 03|2026 13 WELTTAG DES HÖRENS Risikofaktoren Zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren zählen chronische Lärmbelastung im beruflichen und privaten Umfeld. „Übernutzung ist in jedem Fall als negativ zu bewerten. Waren es aber vor 50 Jahren oft noch die Arbeitsbedingungen, die eine Schwerhörigkeit verursacht haben, so holen sich die Menschen ihre Schwerhörigkeit heutzutage tendenziell in der Freizeit“, so der Facharzt. Weitere Risikofaktoren sind kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen, Nikotinkonsum sowie die Exposition gegenüber ototoxischen Medikamenten wie Aminoglykosiden, Platinderivaten oder hochdosierten Schleifendiuretika. Präventiv wirksam sind konsequenter Lärmschutz, eine gute kardiovaskuläre Risikokontrolle sowie strukturierte Hörscreenings bei Risikopatient:innen und ab dem mittleren Lebensalter. Gen-Therapie Die gute Nachricht: Die Forschung schreitet voran, so auch bei der Otoferlin-Taubheit Diese, auf eine Gen-Veränderung zurückzuführende Form der Taubheit kann nun mittels Gentherapie behandelt werden. „Besteht der Verdacht auf Otoferlin-Taubheit und bestätigt sich dieser im Rahmen einer Gen-Analyse, wird über Viren das fehlende Gen in die Zellen einschleust und so ein (nahezu) normales Hören ermöglicht“, so Luxenberger. Der von dieser speziellen Form der Taubheit betroffene Personenkreis ist zwar verschwindend klein, für die Betroffenen – Kinder wie Erwachsene – ist die Therapie jedoch ein massiver Gewinn und zeigt das enorme Potential solch neuer Gentherapien. Wann zum HNO überweisen? Für die ärztliche Praxis sind klare Zuweisungskriterien entscheidend. Ein plötzlich auftretender einseitiger Hörverlust stellt eine HNO-Notfallindikation dar und sollte innerhalb von 48 Stunden abgeklärt werden. Progrediente Hörminderung, zunehmende Probleme beim Sprachverstehen oder persistierender Tinnitus erfordern eine fachärztliche audiologische Diagnostik inklusive Ton- und Sprachaudiometrie sowie Mittelohrdiagnostik. Bei neurologischen Begleit- symptomen oder Verdacht auf zentrale Ursachen ist eine interdisziplinäre Abklärung mit Bildgebung erforderlich. Wird eine versorgungsrelevante Hörminderung festgestellt, erfolgt die HNO-ärztliche Verordnung für Hörsysteme oder die Zuweisung an spezialisierte Implantatzentren. In der Steiermark stehen hierfür unter anderem spezialisierte HNOAbteilungen und Implantatprogramme an der Universitätsklinik Graz zur Verfügung. Hörvorsorge im Fokus Der Welttag des Hörens unterstreicht damit eine zentrale Botschaft für die klinische Praxis: Hörgesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil der Präventions- und Altersmedizin. Eine frühzeitige Diagnose und Versorgung verbessert nicht nur die Kommunikationsfähigkeit, sondern kann auch kognitive, psychosoziale und funktionelle Folgeerkrankungen nachhaltig reduzieren. „Übernutzung ist in jedem Fall als negativ zu bewerten. Waren es aber vor 50 Jahren oft noch die Arbeitsbedingungen, die eine Schwerhörigkeit verursacht haben, so holen sich die Menschen ihre Schwerhörigkeit heutzutage tendenziell in der Freizeit.“ Wolfgang Luxenberger Foto: envato/africaimages

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==