12 ÆRZTE Steiermark || 03|2026 WELTTAG DES HÖRENS Zum Welttag des Hörens wird international auf die Bedeutung der Hörgesundheit aufmerksam gemacht. Die Initiative ist aus medizinischer Sicht hoch relevant: Weltweit sind laut WHO rund 1,5 Milliarden Menschen von Hörminderungen betroffen, ein erheblicher Anteil davon ohne adäquate Versorgung. Auch in Österreich tragen Schätzungen zufolge bis zu 75 % der Personen mit bestehender Indikation kein Hörgerät. Ein wesentlicher Grund ist die oft schleichende Entwicklung der Schwerhörigkeit, die von Betroffenen lange kompensiert oder nicht wahrgenommen wird. Für Ärzt:innen kommt der frühzeitigen Diagnostik und gezielten Zuweisung eine zentrale Rolle zu. Folgen von Hörverlust Unbehandelter Hörverlust ist jedoch weit mehr als ein isoliertes Sinnesdefizit. „Studien belegen mittlerweile deutlich den Zusammenhang von Schwerhörigkeit und dem Verlust kognitiver Fähigkeiten. Die erhöhte Höranstrengung führt zu sozialem Rückzug, depressiven Symptomen sowie einer beschleunigten kognitiven Abnahme“, betont Wolfgang Luxenberger, Fachgruppenobmann Hals- Nasen und Ohrenheilkunde in der Ärztekammer für Steiermark. Zudem steigt das Sturzrisiko, insbesondere bei einseitigen oder asymmetrischen Hörverlusten, durch eingeschränkte räumliche Orientierung. Angesichts der alternden Bevölkerung gewinnt die Hörvorsorge zunehmend an Bedeutung. Formen der Schwerhörigkeit Klinisch werden 4 Hauptformen der Schwerhörigkeit unterschieden. Die Schallleitungsschwerhörigkeit beruht auf Störungen im Außen- oder Mittelohr, etwa durch Cerumen obturans, Paukenergüsse, Trommelfellläsionen oder Otosklerose, und ist häufig medikamentös oder chirurgisch behandelbar. Die Schall- empfindungsschwerhörigkeit betrifft das Innenohr bzw. die Haarzellen und entsteht durch chronische Lärmbelastung, Hörsturz, Infektionen oder ototoxische Substanzen, aber natürlich auch altersbedingt. Diese Form ist meist irreversibel und erfordert eine frühzeitige Versorgung mit Hörsystemen oder – bei hochgradigem Verlust – mit Cochlea-Implantaten. Seltener finden sich neurale oder zentrale Hörstörungen infolge vaskulärer, entzündlicher oder traumatischer Läsionen der Hörbahn. Mischformen sind klinisch häufig und bedürfen einer differenzierten Diagnostik. Hörminderungen betreffen rund 1,6 Millionen Menschen in Österreich – häufig unerkannt und unterversorgt. Mit der richtigen Diagnose beugt man medizinischen und psychosozialen Folgen vor, neueste GenTherapien machen bestimmte Formen von Taubheit sogar heilbar. Erste erfolgreiche Gen-Therapien bei Taubheit Foto: envato/africaimages
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