ÆRZTE Steiermark || 03|2026 11 Foto: Schiffer, envato/chormail WELTFRAUENTAG Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weltweit sowohl bei Männern als auch bei Frauen die führende Todesursache. Bei kardiovaskulären Erkrankungen ist unbestritten, dass diese sich bei Frauen anders manifestieren als bei Männern. Das gilt für Anatomie, Prävalenz, Ätiologie, Pathophysiologie, Symptomatik sowie für Verlauf, Therapieansprechen und Prognose. „Die aktuellen Leitlinien für das Management dieser Erkrankungen berücksichtigen das jedoch nicht in ausreichendem Maß“, betont Michael Sacherer, Kardiologe und Präsident der Ärztekammer für Steiermark. Außerdem fehle die Evidenz, da Frauen in den Studien oft unterrepräsentiert sind. Mehr Frauen in Studien „Die Forschung muss hier unbedingt vorangetrieben werden, es braucht mehr Frauen als Probandinnen in wissenschaftlichen Untersuchungen.“ Dies gelte ebenso für klinisch-pharmakologische Studien als auch interventionelle und Device-Studien. Unterschiedliche Wirkungen Frauen sind zum Zeitpunkt, wenn bei ihnen kardiovaskuläre Erkrankungen diagnostiziert werden, älter und weisen mehr Komorbiditäten auf als Männer. Komplikationsrate und Krankenhaussterblichkeit sind daher meist erhöht. „Auch bei Medikamenten geht man von Standarddosierungen aus, obwohl es bei einigen durch geschlechterspezifische Unterschiede zu unterschiedlichen Wirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommt“, erklärt Sacherer und verweist auf die Auswirkungen auf die Therapie. „Hier besteht dringender Forschungsbedarf.“ Sensibilisierung bzw. Aus- und Fortbildung in Bereich der Gendermedizin braucht es in diesem Zusammenhang nicht nur für die Ärzt:innen, sondern auch für Rettungspersonal und medizinisches Fachpersonal, denn auch intial fehlinterpretierte Einschätzungen können relevante Zeitverzögerungen in der Diagnostik und Therapie zur Folge haben, betont man auch im Positionspapier der deutschen kardiologischen Gesellschaft, die in diesem Werk auch die vorhandene wissenschaftliche Evidenz zu geschlechterspezifischen Aspekten kardiovaskulärer Erkrankungen zusammengefasst und Empfehlungen abgegeben hat. Weitere Infos unter: Nicht nur der Weltfrauentag sollte Anlass sein, um darauf hinzuweisen, dass es im medizinischen Bereich ganz klar zu wenig Studien gibt, die geschlechterspezifische Aspekte berücksichtigen, betont Michael Sacherer – dies gelte ganz besonders in der Kardiologie. Aufholbedarf bei geschlechterspezifischen Aspekten „Die Forschung muss hier unbedingt vorangetrieben werden, es braucht mehr Frauen als Probandinnen in wissenschaftlichen Untersuchungen.“ Michael Sacherer Kardiologe
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