10 ÆRZTE Steiermark || 03|2026 COVER Foto: Deutsche Gesellschaft für ME-CFS, ÖVP-Klub Sabine Klimpt Abteilung der Universitätsklinik für Innere Medizin zugewiesen, wo hochspezialisierte Diagnostik und Therapie erfolgen. Diagnose und Ersteinschätzung Für die Allgemeinmediziner:innen soll in Zukunft eine Plattform für eine telemedizinische Rücksprache und auch eine Ausbildung geschaffen werden. „Wenn wir die zentrale Person gefunden haben, wird an sie der Auftrag ergehen, aus den vorhandenen Angeboten für die Mediziner:innen, die sich zu diesem Thema committen, ein sinnvolles Paket zu schnüren. Denn österreichweit und international gibt es viel an Expertise zu ME/CFS – sollte in der Steiermark etwas fehlen, muss man das ergänzen.“ Auch Diskussionen, wie dieser Bereich im Honorarsystem abgebildet ist und ob Anpassungen notwendig sind, werde es noch geben, ist sich Smolle sicher. International abgesicherte Instrumente für eine Ersteinschätzung gebe es, sagt Smolle, doch man müsse dies in Strukturen gießen, um den Umfang auch praktikabel zu halten. Das Interesse bei den Ärzt:innen sei auf jeden Fall vorhanden: „Ich spüre von Seiten der Allgemeinmedizin eine große Aufgeschlossenheit, denn diese Patient:innen gibt es ja jetzt auch schon, sie kommen zu ihnen, verursachen einen Aufwand, aber man kann sie nicht passend versorgen, wie man möchte, oder die Patient:innen haben den Eindruck, dass sie nicht an der richtigen Stelle sind. Übergeordnetes Ziel dieses neuen Versorgungskonzeptes ist es, dass die Patient:innen innerhalb des solidarischen Gesundheitssystems Verständnis und Betreuung finden.“ Bereitschaft auf Situation einzugehen Eine Heilung gebe es für Krankheitsbilder wie das Post-COVID-19-Syndrom oder ME/CFS derzeit nicht, „aber viele kleinere und mittelgroße Schritte, mit denen man Symptome lindern und den Patient:innen helfen kann“, so Josef Smolle. Dazu braucht es ebenso die ärztliche Erfahrung wie auch die Bereitschaft, tatsächlich auf die Situation der einzelnen Patient:innen einzugehen. Eine Verbesserung der Situation für die Betroffenen erhofft sich Smolle auch hinsichtlich des Pflegegeld-Themas: „Man hat immer wieder gehört, dass Befunde, die aus privat- oder wahlärztlicher Hand stammen, von den Versicherungen nicht das Gewicht bekommen, das vielleicht gegeben wäre, wenn eine solche Einschätzung von einer Stelle der öffentlichen Hand kommt.“ Und er betont abschließend: „Ich glaube auch angesichts der Tatsache, dass diese Erkrankung vielfältig und komplex ist und nicht an einem einzelnen Laborbefund festgemacht werden kann, brauchen die Patient:innen eine verständnisvolle und kompetente Aufnahme in unserem Gesundheitssystem. Die Forschung schreitet voran – in einigen Jahren hoffe ich, dass wir auf einem besseren Versorgungsstand sind. Doch die Patient:innen gibt es hier und jetzt – und die brauchen uns.“ „Die Forschung schreitet voran – in einigen Jahren hoffe ich, dass wir auf einem besseren Versorgungsstand sind. Doch die Patient:innen gibt es hier und jetzt – und die brauchen uns.“ Josef Smolle
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