„Ich kenne auch eine Kollegin, die nach 8 Wochen wieder zu arbeiten begonnen hat und bei der das Kindermädchen das Baby zum Stillen in die Praxis gebracht hat“, beschreibt sie, wie jede niedergelassene Ärztin versucht, das für sie beste Modell zu finden – ein Standardmodell, das für alle passt, gibt es eben nicht. Heute organisiert die Gynäkologin die Kinderbetreuung zusätzlich zur Krippe mit einem Au-pair: „Schließlich können die Kinder ja auch mal krank sein.“ Ihr Tipp: „Auf jeden Fall vorher mit anderen Ärztinnen sprechen und sich austauschen, damit man weiß, wie andere das organisieren und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Ich hätte vor den Kindern auch nicht gedacht, wie wenig planbar das alles ist.“ Kein Back-up als Kassenärztin Kassenvertrag und Karenz sind eine wirklich schwierige Kombination, wie man im Gespräch mit Allgemeinmedizinerin Katja Tritscher erfährt: „Bis einen Tag vor der Geburt habe ich gearbeitet und nach 3 Wochen war ich wieder zurück in der Ordination“, beschreibt Tritscher, die als Kassenärztin für Allgemeinmedizin eine Ordination in Bärnbach betreibt, wie es bei ihr abgelaufen ist. Nicht, weil sie es genau so wollte, sondern weil sie keine andere Wahl hatte. Dass es ihr in der Schwangerschaft so gut ging und sie keine Probleme hatte, war natürlich die – unplanbare – Voraussetzung dafür. „Ein Back-up hätte ich nicht gehabt. Vor der Geburt habe ich niemanden gefunden, der in der Kassenordination für mich eingesprungen wäre.“ Danach hatte sie Glück, sagt sie: „Ein Studienkollege und langjähriger Freund hat, weil er mir helfen wollte, seine Karriereplanung so geändert, dass ich ihn anstellen und er einen großen Teil der Arbeit für mich übernehmen konnte.“ Trotzdem war die Allgemeinmedizinerin jeden Tag in der Ordination, „aber wenigstens nicht ab 7 Uhr Früh, sondern dann, wenn die Kinder versorgt waren“. Ein großer Vorteil in diesem Fall, dass die Ärztin direkt über ihrer Ordination wohnt. „Einfach war es sicher nicht. Allerdings würde ich auch nicht ein ganzes Jahr weg sein wollen, denn Medizin ist sehr personenbezogen und ich habe eine Verantwortung gegenüber meinen Patient:innen“, betont Katja Tritscher. Foto: Meister Elke, die Abbilderei COVER „Man kann ja nicht vorhersagen, wie alles klappt. Eine Schwangerschaft ist nicht gleich absehbar wie eine geplante Reise.“ Ina Suppan ÆRZTE Steiermark || 02|2026 9 „Einfach war es nicht. Allerdings würde ich auch nicht ein ganzes Jahr weg sein wollen. Ich habe eine Verantwortung gegenüber meinen Patient:innen.“ Katja Tritscher
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