AERZTE Steiermark 02 2026

NEWS AKUT Das ist wahrlich starker Tobak … Die geplante Novelle des Tabak- und Nichtraucher:innenschutzgesetzes (TNRSG) macht einen tatsächlich sprachlos. Hier geht es schließlich nicht um Kleinigkeiten, sondern um den Schutz der Gesundheit, vor allem unserer Kinder und Jugendlicher. Anstatt neue Nikotinprodukte wie Vapes oder Nikotinbeutel streng zu regulieren, sollen sie künftig nur noch gemeldet statt geprüft werden. Damit gelangen hochgradig süchtig machende Produkte ungefiltert auf den Markt. Die geplante Novelle ist klar ein Rückschritt statt ein Schritt in die richtige Richtung. Darauf hat auch die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie kürzlich in einer Stellungnahme hingewiesen. Auch die geplanten Übergangsregelungen bei Werbeverboten spielen der Industrie in die Hände – erneut auf Kosten des Jugendschutzes. Ein weiterer Punkt: Eine bloße Angabe des Nikotingehalts in Milligramm verschleiert die tatsächliche Suchtwirkung. Das verfügbare Nikotin ist stark abhängig vom pH-Wert. Wird der pH-Wert von 7 auf 8 erhöht, verdoppelt sich die Menge des frei verfügbaren, süchtig machenden Nikotins, warnen die Lungenfachärzt:innen. Eine reine mg-Angabe schützt nicht, sie täuscht. Andere Länder verbieten Produkte wie Nikotinbeutel längst – Österreich denkt anscheinend lieber kurzfristig an die Wirtschaft, statt langfristig. Wir werden im internationalen Vergleich den Anschluss verlieren und verpassen bei dieser Novelle eine wichtige Chance, unsere Kinder und Jugendlichen zu schützen. KAGes trainiert für den Ernstfall Aktuelle Themen beim Symposium der Österreichischen Ärztekammer Ob Hubschraubernotfälle, Evakuierungen im Brandfall, Bombendrohungen oder radioaktiv verstrahlte und chemisch kontaminierte Patient:innen – die KAGes hat 2025 in 24 Szenarien ihre Notfallpläne auf den Prüfstand gestellt. „In jeder Einrichtung der KAGes findet mindestens einmal jährlich eine Katastrophenschutzübung statt, wobei die ,Drehbücher‘ dafür stets neu ausgearbeitet werden. Somit sind unsere Mitarbeiter:innen auf zahlreiche Krisenszenarien vorbereitet“, so Gerhard Stark (KAGes). Ziel sei es, Personal, Prozesse und Schnittstellen auf unterschiedlichste Krisenlagen vorzubereiten. Nach jeder Übung folgt eine systematische Analyse: Funktionieren die Kommunikationswege? Sind die vorbereiteten Einsatzpläne und Checklisten praxistauglich? Verbesserungen, mit denen sich Zeit gewinnen lässt – oft schon durch kleine Details wie mit dem Namen und der Funktion der Person beschriftete Schutzanzüge –, fließen direkt in die Einsatzpläne ein. Beim 16. Symposium der Österreichischen Ärztekammer standen kürzlich aktuelle standespolitische Themen und Initiativen im Mittelpunkt. Eingegangen wurde unter anderem auf die Patienten-/Versorgungssteuerung in Deutschland und die Ausbildungsevaluierung. Ebenso ging man der Frage nach: „Zeitwende – ist das Gesundheitswesen resilient?“ Ein weiterer Schwerpunkt war dem „European Health Dataspace“ (EHDS) gewidmet. Dabei ging es nach einem Überblick zum Status quo und einem Ausblick bei den Herausforderungen und den Strategien der Ärztemigration in die Tiefe. Diskutiert wurde auch die Frage, ob der Europäische Gesundheitsdatenraum Fortschritt oder Vertrauensrisiko ist. ZITAT „Viele Patient:innen mit nicht dringlichen Erkrankungen oder Verletzungen werden aktuell vom Rettungsdienst in die Notaufnahmen gebracht. (…) Durch bessere Patientensteuerung lassen sich unnötige Spitalszuweisungen in großem Umfang vermeiden und Ressourcen in die niedergelassene Versorgung umschichten.“ Florian Zahorka, Vorstandsmitglied Bundesverband Rettungsdienst; Quelle: www.bvrd.at Foto: Karo Pernegger ÆRZTE Steiermark || 02|2026 45

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