INTERVIEW Foto: Schiffer Wissenschaft in den letzten 30 Jahren extrem gut entwickelt hat, sind noch die althergebrachten Muster vorhanden, möglichst viel und möglichst konstant zu publizieren, sich eher auf die sicheren kleineren Projekte zu konzentrieren. Mut könnten wir noch mehr gebrauchen – aber nicht nur von Seiten der Universitäten, sondern auch von der öffentlichen Hand, von der Politik. Wir sind auf sehr hohem internationalem Niveau unterwegs und dafür braucht es die entsprechenden Finanzmittel. Wir hinken unserer eigenen Exzellenz ein bisschen hinterher und müssen immer rechtfertigen, warum zusätzliche Mittel notwendig sind, anstatt dass Freude herrschen würde, weil wir gut unterwegs sind und deshalb die nächste Stufe an Finanzierungsmöglichkeiten benötigen. Was sind derzeit die größten Herausforderungen für die Med Uni Graz? Die Drohung aus der Politik, dass wir sparen und den Staat sanieren müssen, sorgt generell in allen Forschungseinrichtungen in Österreich für eine herausfordernde Situation. Forscher:innen und Ärzt:innen sind nicht die, die auf die Straße gehen und protestieren, aber wir müssen uns Gehör verschaffen. In erster Linie geht das nur durch Wissenschaftskommunikation. Wir müssen die Bedeutung der Forschung, aber auch den lustvollen Aspekt mitkommunizieren, dass Forschung spannend und zukunftssichernd ist. Der Bevölkerung, den Steuerzahler:innen müssen wir zeigen, wie viel Potenzial die Forschung für unsere Zukunft hat. Dabei muss man durchaus auch Infotainment betreiben, denn auch Grundlagenforschung kann unterhaltsam sein. Es gibt große Herausforderungen im Gesundheits- system. Kann die Ausbildung an der Med Uni die künftigen Ärzt:innen darauf vorbereiten? Die Ausbildung kann und sie muss darauf vorbereiten. Der Arztberuf wird einfach immer akademischer, weil die Reproduktionsrate des relevanten Wissens so hoch ist. Wir müssen noch viel schneller lernen und viel häufiger wieder alles über Bord werfen und überdenken. Das geht nur, wenn man akademisch so geschult ist, dass man Wissenschaft lesen kann. Praktisch jeder Arzt und jede Ärztin ist gezwungen, die neuesten wissenschaftlichen Daten zu kennen, zu verstehen und dementsprechend die neuen diagnostischen Verfahren und Behandlungsmöglichkeiten umzusetzen. Wie spielen KI und Digitalisierung da hinein? Digitalisierung muss man – quasi als externe Festplatte – permanent nutzen, um das ganze Spektrum des Wissens jederzeit zur Verfügung zu haben. Ausbildung, Wissenschaft und klinische Arbeit greifen ganz eng ineinander. Die Verknüpfung von präklinischer und klinischer Forschung ist Ihnen ein Anliegen. Wie wollen Sie hier Impulse setzen? Die Grundlagenforscher:innen, die klinischen Forscher:innen und die Kliniker:innen müssen miteinander in engem Austausch stehen. Das braucht räumliche Nähe, wie sie bei der Campus-Planung mitgedacht wurde. Da spielen auch zufällige Begegnungen eine Rolle. Man sagt immer, dass Forschung viel vom Zufall lebt und das stimmt auch auf dieser Ebene: Mit wem trifft man zusammen und mit wem spricht man über welches Thema? So entstehen Kollaborationen, auch wenn das banal klingt. Zusätzlich braucht es Impulse auf der nächsten Ebene, organisatorisch und dienstrechtlich: geteilte Affiliationen, Grundlagenforscher:innen, die in der Lehre und auf der Klinik vernetzt sind – das ist nicht neu, wie man zum Beispiel am ZMF (Zentrum für medizinische Forschung) sieht. Das kann aber durchaus noch weiter intensiviert werden. Wir sind räumlich und ressourcenmäßig sehr gut aufgestellt. Wenn wir die Sichtbarkeit weiter erhöhen und Ausbildung und Nachwuchsförderung konsequent weiter betreiben, sind wir zum Erfolg verurteilt. Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Aufgabe als Vizerektor für Forschung? Die Unterstützung der Forschenden. Ich sehe mich selbst auch als Forscher, kenne den ÆRZTE Steiermark || 02|2026 13
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