AERZTE Steiermark 02 2026

„Mut könnten wir noch mehr gebrauchen“ Vizerektor Akos Heinemann, der an der Med Uni Graz den Bereich Forschung verantwortet, spricht im Interview über wichtige Impulse, die Bedeutung der Wissenschaftskommunikation und die Nachwuchsförderung, die ihm besonders am Herzen liegt. Die Med Uni Graz ist in vielen Forschungsbereichen tätig und auch international sichtbar. Welche Themenfelder sind für die Zukunft besonders vielversprechend? Akos Heinemann: Vielen Dank, dass Sie das sagen, diese Sichtbarmachung ist genau meine Aufgabenstellung. Die Antwort auf die Frage ist aber sehr schwierig, weil es viele wichtige Themen gibt und wir leider keine Kristallkugel haben, um vorherzusagen, welche Felder am Ende die wichtigsten sein werden. Zukunftsträchtig ist im klinischen Bereich sicher das Neuro-Imaging, also alles, was mit Schlaganfällen und entzündlichen, degenerativen und Tumorerkrankungen des ZNS zusammenhängt. Die angewandte Stoffwechsel- und Diabetesforschung ist ebenso zu nennen wie die Entwicklung der Krebsforschung in Richtung Präzisionsmedizin. Aging und Metabolismus sind wichtige Themen, außerdem die Bereiche Mikrobiom-, Lungen- und Herz-Kreislauf-Forschung. Das müssen wir noch weiter aufbauen und sichtbarer machen, aber gleichzeitig müssen wir natürlich offen sein für jegliche neue Initiativen, die hoffentlich zusätzlich daherkommen und sicher manche Themen überholen werden. Forschung ist kompetitiv und das ist auch so gewünscht – aber noch wichtiger ist die Kollaboration. Wie wichtig ist der internationale Aspekt? Wenn man wirklich relevante Forschung machen will, dann muss sie in internationalen Netzwerken stattfinden. Mit den lokalen oder nationalen Netzwerken alleine kommt man nicht aus. Aus diesem Grund müssen die Forscher:innen auch unterstützt werden, auch für eine Zeit ins Ausland zu gehen und dort zu forschen. Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie als Vizerektor setzen? Nachwuchsförderung ist sicher eines meiner wichtigsten Themen. Das beginnt schon bei der Ausbildung der Diplomstudierenden im Bereich Humanmedizin, die die Grundlage für wissenschaftliche Karrieren darstellt. Dieser Bereich ist am nachhaltigsten, denn die Ausbildung von jungen Forscher:innen wird in 20 Jahren Früchte tragen und in 40 Jahren hoffentlich richtig strahlen. Man muss das passende Umfeld für Forschung und für Innovation schaffen, um Exzellenz zu erzielen. Was können wir von anderen Unis, anderen Ländern und Kulturen lernen? Die meisten Top-Universitäten, die man in den Rankings sieht, haben uns eines voraus – und das weiß jeder, der als Forschender einmal eine Zeit lang an einer dieser Universitäten war: Sie gehen mutig an große Fragen heran, schauen nicht auf das Risiko. Sie geben ihren Forscher:innen mit: Beschäftigt euch wirklich nur mit risikoreichen, mit gewagten Themen. Das, was einfach geht, die sogenannten „low hanging fruits“ könnt ihr euch sparen. Das fehlt in Österreich. Auch wenn sich die österreichische INTERVIEW Foto: Schiffer Ärztekammer-Präsident Michael Sacherer und Vizerektor Akos Heinemann 12 ÆRZTE Steiermark || 02|2026

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