ÆRZTE Steiermark || 09|2026 9 Oft würden die Patient:innen versuchen, ihre Angehörigen zu schützen – und umgekehrt. Wird das Thema Lebensende aber zwischen ihnen offen angesprochen, dann kann man sich erst wirklich gegenseitig unterstützen. Abgestuftes Modell Die Strukturen der Hospiz/ Palliativversorgung bilden sich im abgestuften Modell ab. (siehe Grafik) Jeder Hausarzt und jede Hausärztin kann hier in die jeweilige Versorgungsebene zuweisen. Im Krankenhaus steht der Palliativkonsiliardienst zur Verfügung– „letzterer muss auch noch stärker in die Köpfe der Kolleg:innen, um schon frühzeitig die palliativmedizinische Sichtweise einzubringen und im besten Fall entsprechend dem Patientenwillen unnötige Krankenhauseinweisungen zu verhindern“. In sehr komplexen Situationen und das ist nur bei 20 % aller Versterbenden der Fall, sollte die spezialisierte Versorgung im Sinne des abgestuften Modells zum Tragen kommen, so Köck. Das Team ist übrigens immer multiprofessionell unterwegs, die Interdisziplinarität ist ein wesentlicher Faktor – Ärzt:innen, Pflegende, Sozialarbeiter:innen, Hospizmitarbeiter:innen und teilweise auch Seelsorgende sind Teil des Teams. Leuchtturmprojekt Andreas Köck leitet die Koordinationsstelle, die bei der KAGes angesiedelt ist und in enger Abstimmung mit dem Land und dem Gesundheitsfonds Steiermark arbeitet. „Wir stimmen uns mit den Trägern ab und treiben den Aus- und Aufbau voran. Wir sind Servicestelle für sämtliche Anfragen für die Hospiz- und Palliativversorgung sowie den laufenden Betrieb und zuständig für Qualitätssicherung, Fortbildung und Öffentlichkeitsarbeit.“ Leuchtturmprojekt ist die flächendeckende mobile Palliativversorgung in der Steiermark. Ausbaubedarf gibt es bei stationären Erwachsenenhospizen, Tageshospizen und Kinderhospizen. 18 Hospizbetten sind derzeit in Graz vorhanden, 30 wären der Planwert laut RSG. Mit dem Hospiz- und Palliativfondsgesetz hat der Bund 2022 eine Finanzierungslücke in diesem Bereich geschlossen – die Gelder in diesem Fonds sind zweckgewidmet und stehen den Ländern für den Aus-und Aufbau zur Verfügung. Lebensqualität Ärzt:innen, die nicht im Palliativbereich tätig sind, müssen bestmöglich unterstützt werden hinsichtlich Symptomlinderung und Schmerztherapie am Lebensende, Zeitressourcen für Gespräche und rechtliche Sicherheit in Bezug auf Therapiezieländerung und Dokumentation des Patientenwillens. Im Vordergrund steht immer die Lebensqualität. Vorsorgegespräch Doch wie soll ein gutes Vorsorgegespräch aussehen? „Man muss die Patient:innen in ihrer Situation sehen und anhören – sie müssen das Gefühl haben, dass sie in ihrer Gesamtheit wahrgenommen werden, nicht nur in der Diagnose. Wichtig ist auch das Miteinbeziehen der An-und Zugehörigen“, erklärt Köck. Medizinische Wünsche, persönliche Werte, sind wichtiger Teil eines guten Vorsorgegesprächs, aber auch der Wert COVER „Es ist ein Faktum, dass das Ende des Lebens von einer Übertherapie geprägt ist. Die müssen wir unbedingt reduzieren.“ Andreas Köck Leitung Koordination Hospiz-/Palliativbetreuung Foto: privat
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