AERZTE Steiermark 09 2026

Patient:innen selbst erkennen können, welche Anlaufstelle für ihr Anliegen die richtige ist.“ Wenn Orientierung nicht reicht Gerade außerhalb üblicher Ordinationszeiten suchen Menschen Sicherheit. Wer dann nicht weiß, welches Angebot verfügbar ist, landet häufig dort, wo Licht brennt. Also in der Spitalsambulanz. Hier braucht es den nächsten Schritt: eine verbindliche Patientenlenkung. „Der erste Weg für Patient:innen muss - abgesehen von Notfällen - in den niedergelassenen Bereich führen, wo sie die passende Versorgung finden“, betont der 1. Kurienobmann-Stellver- treter Gerhard Postl. „Wenn Patient:innen trotz vorhandener Alternativen in die Spitalsambulanz geschickt werden, ist niemandem geholfen.“ Dabei geht es nicht darum, notwendige Spitalsversorgung zu erschweren. Entscheidend ist, welche Struktur im jeweiligen Fall die beste Anlaufstelle ist und dass dafür gesorgt ist, dass die Ressourcen der Spitalsambulanzen nicht unnötig blockiert werden, sondern für Notfälle frei bleiben. Gesamtsystem planen Damit Patientenlenkung funktioniert, müssen die Angebote aufeinander abgestimmt sein. Niedergelassener Bereich, Bereitschaftsdienste, PVE und Spitäler haben unterschiedliche Aufgaben und Stärken. PVE sind dabei ein Baustein, nicht der alleinige Schlüssel. Sie können dort weiterentwickelt werden, wo regional zusätzlicher Bedarf besteht. „Wir brauchen regional passende Lösungen und keine pauschalen Vorgaben“, betont der 2. Kurienobmann-Stellvertreter Gerald Wolf. „Bestehende Ordinationen, Bereitschaftsangebote, PVE und tatsächliche Patientenströme müssen gemeinsam betrachtet werden. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen für uns Ärzt:innen, die diese Versorgung tragen, dauerhaft machbar bleiben.“ Verbindliche Patientenwege Die Ambulanzzahlen zeigen: Gute Angebote verändern Patientenströme nicht automatisch. Information ist die Grundlage und ermöglicht im Idealfall, dass Patient:innen selbst die passende Anlaufstelle wählen. Wo das nicht reicht, braucht es eine verbindliche Lenkung. Solange Patient:innen nach eigenem „Gutdünken“ Leistungen konsumieren können, zieht das hohe Kosten und die Überbeanspruchung des Systems nach sich. Sie sollen jedoch nicht mit zusätzlichen Hürden konfrontiert werden, sondern auf festgelegten Wegen durch das System geführt werden. Wer nach einer medizinischen Einschätzung keine Spitalsstruktur benötigt, braucht einen nachvollziehbaren Weg zu einer tatsächlich verfügbaren Versorgung. Wenn mit jeder Infektsaison erneut dieselben Engpässe entstehen, darf das nicht als unveränderlich hingenommen werden. Volle Ambulanzen sind kein Naturgesetz. Die Steiermark verfügt über starke medizinische Angebote innerhalb und außerhalb der Spitäler. Der nächste Schritt ist, sie zu einem Gesamtsystem zu verbinden, das gut informiert, Orientierung ermöglicht und dort aktiv lenkt, wo Orientierung allein nicht ausreicht. ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE ÆRZTE Steiermark || 09|2026 51 Fotos: Schiffer (2) „Unser Ziel ist, dass möglichst viele Patient:innen selbst erkennen können, welche Anlaufstelle für ihr Anliegen die richtige ist.“ Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer für Steiermark „Die Rahmenbedingungen müssen für uns Ärzt:innen, die diese Versorgung tragen, dauerhaft machbar bleiben.“ Gerald Wolf Kurienobmann-Stellvertreter

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