WIRTSCHAFT&ERFOLG ÆRZTE Steiermark || 09|2026 45 Zwischen Tech-Boom, Zinsen und Teuerung Ein starkes Börsenjahr, sprudelnde Tech-Gewinne und neue Inflationssorgen durch den Iran-Konflikt prägen das Bild. Wie die Notenbanken reagieren und was Inflation und Zinsen für uns sowie für den Wohlfahrtsfonds bedeuten. Wer in den letzten Monaten einen Blick auf das eigene Depot geworfen hat, durfte sich freuen: Wir blicken auf ein erfreuliches Börsenjahr zurück. An den Aktienmärkten herrschte trotz des schwelenden Iran-Konflikts eine spürbare Aufbruchstimmung. Das Thema Künstliche Intelligenz boomt und schürt die Euphorie an den Märkten. Aktuell sind elf Unternehmen mit mehr als einer Billion USDollar bewertet. Davon stammen neun aus den USA – wie Nvidia, Apple, Microsoft oder Alphabet – sowie mit Samsung und TSMC zwei Vertreter aus Asien. Wer dabei Parallelen zur Internetblase der späten 1990er-Jahre zieht, verkennt den entscheidenden Unterschied: Damals regierte reine Fantasie, während zahlreiche Dotcom-Unternehmen tiefrote Zahlen schrieben. Heute sieht das fundamental anders aus. Die Gewinne der TechGiganten sprudeln real, getragen von massiver Nachfrage und handfesten Geschäftsmodellen. Alphabet, Nvidia, Microsoft und Apple erwirtschaften zusammen hunderte Milliarden US-Dollar Gewinn im Jahr – zum Vergleich: Das profitabelste deutsche Unternehmen SAP kommt auf rund 13 Milliarden. Klar ist aber auch: Für die Konzerne stehen in den kommenden Jahren Investitionen in Billionenhöhe an, um nicht den Anschluss zu verlieren. Herausforderndes Umfeld Denn an den Börsen verläuft die Entwicklung bekanntlich selten linear. Trotz der Euphorie erleben wir aktuell ein herausforderndes Umfeld: Während der Konjunkturmotor in den USA und Asien kräftig brummt, zeigt sich die Wirtschaft in Österreich und Kerneuropa schwach. Der Iran-Konflikt und die Sorgen um die Straße von Hormus treiben die Energiepreise. Die steigenden Inflationsraten sind somit zu einem wesentlichen Teil auf externe Schocks zurückzuführen – was die Ausgangslage der Notenbanken erschwert. Zinserhöhungen zur Eindämmung der Teuerung belasten über eine Verknappung von Krediten die ohnehin angeschlagene Konjunktur zusätzlich. Zögert man hingegen, droht die Inflation davonzugaloppieren. Die EZB will eine Wiederholung der extremen Teuerung der Vorjahre vermeiden. Dass OeNB-Gouverneur Martin Kocher eine weitere Zinserhöhung nicht ausschloss, ist daher wenig verwunderlich. Verschuldung Erschwerend kommt hinzu, dass viele Staaten bereits hoch verschuldet sind. Müssen Verbindlichkeiten zu deutlich höheren Konditionen refinanziert werden, führen höhere Zinsen zu steigenden Zinszahlungen, die unmittelbar auf die Staatsbudgets durchschlagen. Dass die Renditen für zehnjährige österreichische und deutsche Staatsanleihen mittlerweile den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht haben, belastet die öffentlichen Finanzen nachhaltig. Doch nicht nur die öffentlichen Kassen sind betroffen: Höhere Zinsen treffen ebenso die Budgets jener Privatpersonen, deren Kredite variabel verzinst sind. Für uns als Investor:innen bedeutet diese Realität vor allem eines: Die Ära der Nullzinsen ist Geschichte. Anleihen werfen wieder echte Erträge ab. Speziell für langfristig ausgerichtete Portfolios wie den Wohlfahrtsfonds eröffnen sich dadurch erfreuliche Perspektiven. Höhere Zinsen und eine breite Diversifikation sorgen dafür, dass wir aus dem veränderten Marktumfeld Nutzen ziehen können. Am Ende zeigt sich einmal mehr: Um erfolgreich zu sein, muss man trotz kurzfristiger Irritationen an der langfristigen Strategie festhalten. Josef Obergantschnig ist Kapitalmarktexperte und Risikomanager des Wohlfahrtsfonds. Foto: envato/GoldenDayz
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