AERZTE Steiermark 09 2026

ÆRZTE Steiermark || 09|2026 35 ARZT IM BESONDEREN DIENST bestehen. Sorger sieht darin jedoch auch eine Chance: „Wenn der Schmerz da ist, ist auch die Bereitschaft zur Veränderung da.“ Entscheidend sei, es beim Thema Prävention nicht bei allgemeinen Floskeln zu belassen. Statt „Bewegen Sie sich mehr“ brauche es „einen klaren, individuellen Fahrplan“. Nur Patient:innen, die wirklich verstehen, worum es geht, würden Empfehlungen auch tatsächlich umsetzen. Für die nachhaltige Umsetzung sei ein interdisziplinäres Team „unersetzlich“, weil es Menschen längerfristig begleiten und neue Gewohnheiten im Alltag verankern könne. Versäumnisse im Alltag Ein Schwerpunkt des Facharztes liegt unter anderem auf dem Kniegelenk. In der Praxis sieht er dabei alle klassischen Probleme: zu wenig Bewegung, falsche Bewegung und zu spätes Reagieren auf Warnsignale. „Häufig treten alle drei gemeinsam auf“, so Sorger. Aus orthopädischer Sicht sei ein ausgewogenes Gleichgewicht aus Kraft, Koordination, Mobilität und Ausdauer empfohlen. Und, dass Gelenke frei beweglich bleiben und von kräftiger Muskulatur getragen werden – andernfalls „beginnen früher oder später die Probleme.“ Für sehr aktive Patient:innnen empfiehlt Sorger eine jährliche Überprüfung der Bewegungsmuster durch einen erfahrenen Sporttherapeuten. Und er formuliert eine klare Faustregel für den Alltag: Beschwerden, die länger als ein bis zwei Wochen ohne Besserung anhalten, sollten abgeklärt werden. „Früh hinschauen ist immer besser als spät reagieren.“ Interdisziplinarität In seiner Ordination arbeitet Sebastian Sorger eng mit einem interdisziplinären Gesundheits- und Therapiezentrum zusammen. Kurze Kommunikationswege und die gemeinsame Dokumentationsbasis ermöglichen eine eng abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Facharzt, Physiotherapie, Massage, Sportwissenschaft und Training. „Die Patient:innen erleben das nicht als Aneinanderreihung von Einzelmaßnahmen, sondern als durchgängigen Prozess“, so Sorger. Konsistenz statt Perfektion Auch sein eigenes Bewegungsprogramm setzt er realistisch an: zwei- bis dreimal Krafttraining pro Woche und – wenn möglich – ein kurzer täglicher Spaziergang. „Es gelingt nicht immer“, sagt er. Genau das gebe er aber auch seinen Patient:innen mit: „Perfektion ist nicht das Ziel. Konsistenz ist es.“ Wie man Bewegung stärker in Patientengespräche integrieren kann? „Wenn wir aus echter Überzeugung erklären können, warum Bewegung für einen konkreten Patienten in seiner konkreten Situation wirksam ist, klingt das nicht nach Predigt – sondern nach Medizin.“ Fotos: Markus Kramp, Tanja Wünscher

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