Neurodermitis: Neue Wege zur gezielten Behandlung Bei Neurodermitis wirken Hautbarriere, Immunsystem, Mikrobiom und Umwelt zusammen. Peter Wolf untersucht an der Med Uni Graz, wie dieses Zusammenspiel für gezieltere Therapien genutzt werden kann. Neurodermitis ist mehr als eine Erkrankung der Haut: Sie gehört zum atopischen Formenkreis, zu dem auch Heuschnupfen, allergisches Asthma und Nahrungsmittelallergien zählen. „Atopie“ bezeichnet eine angeborene Neigung zu überschießenden Immunreaktionen. Peter Wolf, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Med Uni Graz, beschäftigt sich intensiv mit atopischen Hauterkrankungen. Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf der Photodermatologie und Photoimmunologie: „Wir untersuchen, was auf molekularer und zellulärer Ebene passiert, wenn Licht auf die Haut trifft – und wie sich dieser Effekt gezielt für das Immunsystem nutzen lässt.“ Sein Ziel: wirksamere und langfristig sichere Behandlungsmöglichkeiten für entzündliche Erkrankungen wie Neurodermitis – von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung. Veranlagung trifft auf Umwelt Wer an Neurodermitis erkrankt, bringt häufig eine familiäre Veranlagung mit. Entscheidend ist oft die Hautbarriere: Bei einem Teil der Betroffenen finden sich Veränderungen im FilaggrinGen (FLG). Filaggrin stabilisiert die Hautbarriere – fehlt es, verliert die Haut leichter Feuchtigkeit und wird anfälliger für Reizstoffe und Allergene. Hinzu kommen äußere Einflüsse: Luftverschmutzung und ein gestörtes Mikrobiom können Schübe begünstigen. „Es ist auffällig, dass Neurodermitis in Städten nachweislich häufiger auftritt als auf dem Land und als möglicher Erklärungsansatz wird oft die Hygiene-Hypothese herangezogen. Letztendlich konnten die Ursachen in der Forschung noch nicht vollständig geklärt werden“, erklärt Wolf. Auch der Klimawandel mischt mit: Längere Pollensaisonen, Hitzewellen, stärkeres Schwitzen und Trockenperioden setzen der Haut zunehmend zu. UV-Licht moduliert Mikrobiom Natürliches UV-Licht kann unter bestimmten Bedingungen aber auch entzündungshemmend wirken – ein Zusammenhang, dem Wolf in seiner Arbeit nachgeht. „Wir konnten zeigen, dass UV-Strahlung das Mikrobiom moduliert und die Bildung antimikrobieller Peptide anregt. Das stärkt die mikrobielle Homöostase und schützt vor Infektionen.“ Ein vielversprechender Ansatz für eine neue Therapie bei Neurodermitis, der gezielter Einsatz bestimmter antimiNEURODERMITIS „Neurodermitis lässt sich heute besser und individueller kontrollieren als je zuvor.“ Peter Wolf Facharzt für Dermatologie und Venerologie 18 ÆRZTE Steiermark || 09|2026 Foto: Med Uni Graz
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