AERZTE Steiermark 07_08 2026

ÆRZTE Steiermark || 07_08|2026 9 COVER schung auch heißen würde, dass die österreichischen Standorte nicht mehr in internationalen Studien wären und dass dadurch gewisse neue Medikamente erst später für österreichische Patient:innen zur Verfügung stehen würden. Sehen Sie das auch so? Das ist durchaus möglich. Der österreichische Markt ist für die Industrie sowieso nicht extrem interessant, weil er zu klein ist. Wenn man dann auch noch aus diesen Studien fällt, haben wir wirklich ein Problem. Man sieht, dass das Sparen bei der Forschung im Endeffekt immer eng mit der Patientenversorgung verbunden ist. Wir brauchen in der Steiermark eine gewisse Anzahl von Ärzt:innen, nicht nur am Universitätsklinikum, sondern auch in den Regionen. Wenn die Studierenden länger brauchen oder wir Ärzt:innen nicht so gut ausbilden können, dann wirkt sich das auch auf die Patientenversorgung aus. Das ist ein Kreislauf, alles hängt zusammen. Wie werden die geplanten Kürzungen im Ausland wahrgenommen? In den DACH-Ländern ist das ein großes Thema. Und vor einem Jahr hat unsere Regierung noch gesagt, dass wir angesichts der Trump-Regierung quasi der sichere Hafen für Forschende aus den Staaten sind, doch jetzt müssen wir schauen, dass uns die guten Forscher:innen nicht davonlaufen. In dieser Situation sollten wir absolut nicht sein, denn was Österreich so gut macht, ist unser wichtigstes Potenzial, unsere Menschen. Glauben Sie, haben diese Diskussionen Auswirkungen auf die jungen Menschen, die sich überlegen, Medizin zu studieren? Nein. Viele wollen Medizin studieren und werden trotz der Verunsicherung aktuell ihren Weg gehen, vielleicht springt ein kleiner Prozentsatz ab. Aber die Motivation halte ich für ausschlaggebender. Wie schätzen Sie die Stimmung bei Zusammenarbeiten mit der Wirtschaft, bei Drittmittelprojekten ein? Gute Frage. Wirtschaft, Innovation und universitäres Denken entwickeln sich zusammen weiter. Ich könnte mir schon vorstellen, dass sich die Wirtschaft teilweise von uns abwendet, wenn sie nicht sicher sein kann, dass beispielsweise in einem Labor in einem Jahr noch genug Leute da sind, die die Untersuchungen fortführen können. Nochmal zu Markus Zeitlinger – er hat auch von der Bereitschaft zu einer Null-Lohnrunde gesprochen. Wie sehen Sie das? Durchaus möglich oder sogar wahrscheinlich. Prinzipiell sind die Diskussionen jetzt in den Herbst verschoben worden. Wie rüstet sich die Med Uni dafür? Wir – also alle 22 Universitäten gemeinsam – arbeiten derzeit zusammen, um aufzuzeigen, was aus unserer Sicht wichtig wäre, damit Österreich mit der aktuellen Situation fertig werden kann. Das werden wir der Regierung zur Verfügung stellen. Als Med Uni Graz hinterfragen wir schon seit Jahren unsere Strukturen und Prozesse, und schauen, wie wir durch Digitalisierung und mit KI größere Effizienz aufbauen können. Das werden wir aktiv weiter betreiben, denn ein gewisses Maß an Ressourcenverminderung muss stattfinden. Wir Unis werden immer so dargestellt, als wären wir komplett weltfremd. Man „Was mir so sehr am Herzen liegt, ist die akademische Freiheit. Und die finde ich gefährdet.“

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