AERZTE Steiermark 07_08 2026

Es ist Sommer. Für viele junge Menschen beginnt im Herbst ein neuer Lebensabschnitt: das Medizinstudium, der Weg in einen großartigen, sinnstiftenden und anspruchsvollen Beruf. Sie starten mit Motivation, Idealismus und dem Wunsch, Menschen zu helfen. Genau diese jungen Menschen werden in einigen Jahren jene Ärzt:innen sein, auf die unser Gesundheitssystem dringend angewiesen ist. Deshalb ist der ärztliche Nachwuchs eine der zentralen Stabilitätsfragen unseres Gesundheitswesens. Wer über Versorgungssicherheit spricht, muss daher auch über Ausbildung sprechen – über Studienplätze, Ausbildungsstellen, gute Rahmenbedingungen und verlässliche Perspektiven. Die Verkürzung der Basisausbildung alleine schafft noch keinen zusätzlichen Ausbildungsplatz. Die Rahmenbedingungen müssen einfach stimmen. Umso problematischer sind die diskutierten Einschnitte bei den Universitätsbudgets. Wenn Universitäten sparen müssen, trifft das Forschung, Lehre und Patientenbetreuung – und damit auch die Ausbildung der nächsten Generation von Ärzt:innen und die Tertiärversorgung in der Steiermark. Gerade bei den Medizinischen Universitäten kann sich Österreich keine falsche Sparsamkeit leisten. Wenn sich Studien verzögern, Lehrangebote ausgedünnt werden oder klinische Ausbildung unter Druck gerät, bezahlen wir das später doppelt: mit längeren Wartezeiten, unbesetzten Stellen und noch mehr Druck auf jene, die bereits im System arbeiten. Ein Gesundheitssystem kann man nicht kurzfristig gesundsparen, wenn man gleichzeitig seine Nachwuchsbasis schwächt. Die Botschaft ist klar: Ja zur Modernisierung der Ausbildung. Ja zu sinnvollen Wegen, wo sie fachlich vertretbar sind. Aber genauso klar: Es braucht ausreichend Ausbildungsstellen, qualitätsvolle Betreuung und Universitäten, die ihren Auftrag auch erfüllen können. Wer Ärzt:innen braucht, muss alles für eine gute Ausbildung tun. Und wer Spitzenmedizin erwartet, darf bei der Ausbildung nicht auf Mindestmaß kalkulieren. Im Herbst werden wieder junge Menschen in diesen Beruf starten. Sie verdienen mehr als Sonntagsreden über Berufung und Systemrelevanz. Sie verdienen Rahmenbedingungen, die ihnen zeigen: Dieses Land braucht euch – und es ist bereit, in euch zu investieren. Dr. Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer Steiermark ÆRZTE Steiermark || 07_08|2026 7 Die Codierung kommt. Daran führt derzeit kein Weg vorbei, obwohl wir in zahlreichen Gesprächen mit dem Bundesministerium ausführlich unsere berechtigten Einwände und Bedenken dargelegt haben – insbesondere im Hinblick auf die Evaluierungsphase des vergangenen Halbjahres. Dank der Beharrlichkeit der Kurie konnten wir nun zumindest die Einarbeitung von konkreten Ver- besserungen für die niedergelassenen Ärzt:innen erzielen. Verbesserungen, die Sinn machen und die klare Erleichterungen für die Ärzt:innen bedeuten. Das ist ein Gewinn für alle – (noch) mehr Zeit für Bürokratie heißt schließlich auch weniger Zeit für Patientenbetreuung. Was werden diese erzielten Fortschritte sein? Dauerdiagnosen sollen eingearbeitet werden, der Thesaurus soll das Codieren erleichtern und laufend aktualisiert werden. Auch Z-Diagnosen, „Status post“ und Verdachtsdiagnosen sollen künftig abbildbar sein. Das sind keine kosmetischen Details, sondern entscheidende Punkte für einen realistischen ärztlichen Arbeitsalltag. Natürlich steht dies noch unter dem Vorbehalt der ministeriellen Zustimmung. Aber die Arbeitsgruppen laufen bereits intensiv – und sie sind ein klares Zeichen: Die Probleme waren nicht theoretisch, sondern sehr praktisch. Wer täglich Patient:innen versorgt, weiß eben, worauf es tatsächlich ankommt und dass Medizin nicht in starre Kästchen passt. Eines zeigt sich erneut sehr deutlich: Man hätte sich bei der ICD-10-Diagnosenpflicht viel Ärger, Schleifen und Überarbeitungen ersparen können, wenn die Ärzteschaft von Anfang an ernsthaft in die Planungen eingebunden worden wäre. Gesundheitspolitik funktioniert nicht am Reißbrett. Sie funktioniert nur mit jenen, die die daraus resultierenden Entscheidungen täglich umsetzen müssen. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Man hätte sich viel ersparen können ... STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Wer morgen Versorgung will, muss heute ausbilden DEBATTE Fotos: Schiffer (2)

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