AERZTE Steiermark 03 2026

BEREICH Fotos: KK „Neurochirurgie hört sich für manche dramatisch an, aber man wird in der Ausbildung Schritt für Schritt an die alltäglichen Aufgaben herangeführt. Es hat sich nie so angefühlt, als würde man ins kalte Wasser geworfen werden“, erzählt Marcus Barth, Assistenzarzt an der Uniklinik für Neurochirurgie in Graz. Die Intention chirurgisch tätig zu sein, war Ausgangspunkt für sein Medizinstudium, im praktischen Jahr kam Barth dann – zuerst in Leipzig – mit der Neurochirurgie in Kontakt. „Anfangs sieht es wie Magie aus, aber die im Vergleich zu anderen chirurgischen Fächern filigrane Arbeit fand ich gleich sehr interessant. Spannend ist für mich vor allem der Zusammenhang zwischen der neurologischen Symptomatik und der chirurgischen Behandlung, also wie man am Nervensystem operiert, um neurologische Probleme zu lösen.“ Tiefe Hirnstimulation Highlight für Marcus Barth ist die tiefe Hirnstimulation: „Bei diesem Verfahren erfolgt durch Elektroden eine Stimulation im Gehirn von z. B. ParkinsonPatient:innen. Die Effekte werden dabei unmittelbar deutlich, da die Patient:innen meist im Wachzustand operiert werden. Teilweise brechen sie in Tränen aus, weil sie gleich auf dem OP-Tisch erleben, dass sie nicht mehr zittern. Und ebenso sieht der Chirurg sofort die funktionellen Effekte seiner Arbeit.“ Außerdem biete das Feld viel Forschungspotenzial, was für den jungen Arzt ebenso ein spannender Aspekt ist. Barth hat in der Neurochirurgie auch Praktika in anderen Ländern absolviert, etwa in Mexiko oder in Großbritannien am Queen Square Hospital in London. Dort beschäftigte er sich zum Beispiel mit Entlastungen bei Nervenkompressionssyndromen. „Auch dabei geht es um sofortige Verbesserungen, um die Patient:innen wieder alltagstauglich zu machen. Wird der sensible Gesichtsnerv entlastet, ist der Schmerz in aller Regel gleich nach der Operation weg.“ Technologisch und mikroskopisch Als Sandro Eustacchio, heute stellvertretender Vorstand der Universitätsklinik für Neurochirurgie, in den 1990erJahren mit seiner Ausbildung in diesem Fach begann, war es durchaus noch ein Sprung ins kalte Wasser. Zumindest insofern, dass „es damals noch kein Teil des Studiums war und ich beim Start wenig darüber wusste“. International war man im Bereich der Neurochirurgie in Graz sehr gut aufgestellt: „Wir hatten zum Beispiel das erste GammaKnife und ich habe sehr viel an technischer Entwicklung miterleben dürfen – die Verfeinerung der Technik, Innovationen. Wir sind schließlich in einem Fach tätig, das sehr auf technologische Unterstützung angewiesen ist. Wir operieren fast nur unter mikroskopischer Sicht, uns werden Navigationsdaten eingespielt. Auch verfügen wir über ein Monitoring, bestimmte Funktionen des Gehirns werden eingeblendet, damit man während des Eingriffs Auswirkungen austesten und die Patientensicherheit gewährleisten kann“, so Eustacchio. Hype durch Grey’s Anatomy Chirurgischer Alltag auf der Neurochirurgie sind zu rund 40 % Tumor-Operationen, dazu kommen „viele NotfallOPs nach Unfällen, bei denen man schnell handeln muss, Blutungsentleerungen, wenn also zum Beispiel Gefäße im Kopf platzen, und Wirbelsäulenerkrankungen“, sagt der Facharzt. Für manche jungen Ärzt:innen sei die Neurochirurgie respekteinflößend und eine gewisse Hemmschwelle vorhanden, weiß er aus Gesprächen. Großen Zulauf hatte das Fach vor allem Anfang der 2000er-Jahre: „Die Fernsehserie ,Grey’s Anatomy‘ hat tatsächlich einen Hype und großes Interesse ausgelöst bei den Studierenden.“ Zulauf gibt es auch aus Japan, Russland oder Italien – „viele ErasmusStudierende kommen zu uns und wollen sich das anschauen“. Bei manchen „funkt“ es. Gliomchirurgie Sila Karakaya hat ihre Facharztausbildung in der NeuDie Neurochirurgie ist eine relativ junge Disziplin. Sie beschäftigt sich mit operativ zu behandelnden neurologischen Erkrankungen. Ein Überblick über die Einsatzgebiete, die Motivation der Ärzt:innen und die Folgen der Serie „Grey’s Anatomy“ für das Fach. Von Technologie und Magie – die Neurochirurgie fasziniert NEUROCHIRURGIE „Anfangs sieht es wie Magie aus. Spannend ist für mich vor allem der Zusammenhang zwischen der neurologischen Symptomatik und der chirurgischen Behandlung.“ Marcus Barth 16 ÆRZTE Steiermark || 03|2026

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