22 ÆRZTE Steiermark || 02|2026 JOSEF OBERGANTSCHNIG Das Jahr 2025 wird vielen Anleger:innen nicht als besonders angenehmes Börsenjahr in Erinnerung bleiben. Geopolitische Spannungen, wirtschaftspolitische Unsicherheiten und Diskussionen über mögliche Überbewertungen prägten den Nachrichtenfluss. Die Verunsicherung unter Investor:innen war deutlich spürbar und schlug mancherorts in Angst um, was zu emotionalen und teils irrationalen Entscheidungen führte. Ein nüchterner Blick auf die Kapitalmärkte zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Trotz dieser Belastungen war 2025 insgesamt ein positives Börsenjahr, wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen Regionen und Anlageklassen. Nach einem spürbaren Rückschlag im Frühjahr kam es in vielen Märkten zu einer raschen Erholung. Besonders prägend war die Phase nach der Zollankündigung am sogenannten „Liberation Day“ durch Donald Trump. Die Kurse gaben zunächst deutlich nach, viele Anleger:innen stiegen aus. Rückblickend war das teuer: Wer in dieser Phase verkaufte, verpasste die beste 6-Monats-Periode des US-Aktienmarktes seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Entwicklung bestätigt eine bekannte Marktlogik. Politische Ereignisse wirken an der Börse oft nur kurzfristig. Märkte verarbeiten Unsicherheit schneller, als es sich für Anleger:innen emotional richtig anfühlt. Studien zeigen zudem, dass übermäßige Aktivität langfristig Rendite kostet, besonders in volatilen Phasen. Langfristige Strategie Für den Wohlfahrtsfonds bestätigte sich im Jahr 2025 die Stärke einer langfristig ausgerichteten Strategie. Die breite Streuung über unterschiedliche Assetklassen und Manager sorgte auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld für Stabilität. In den herausfordernden Jahren der 2020erJahre konnte der Fonds in jedem einzelnen Kalenderjahr das Veranlagungsergebnis österreichischer Pensionskassen übertreffen. Ausschlaggebend dafür waren Disziplin, Diversifikation und eine klare strategische Ausrichtung, nicht kurzfristiges Market Timing. Mit Blick auf 2026 bleibt Unsicherheit ein prägendes Thema. Politische Entwicklungen sorgen erneut für Irritationen, das Maß an Unsicherheit ist ähnlich hoch wie im Vorjahr. Aus wirtschaftlicher Sicht zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild. Der globale Konjunkturmotor läuft weiter, getragen vor allem von asiatischen Volkswirtschaften mit rund 3 Prozent Wachstum, während Europa nur schleppend aus der Krise kommt. Umso wichtiger ist es, Kapital global zu streuen und regionale Risiken zu reduzieren. An den Aktienmärkten bestimmen weiterhin große Technologieunternehmen das Geschehen. Ihre Bewertungen sind nicht mehr günstig, zugleich haben sie ihre Gewinne deutlich gesteigert. Sie haben geliefert. Genau das unterscheidet die aktuelle Situation fundamental vom Jahr 2000, als die Internetblase platzte. Trotz der anhaltenden Unsicherheiten bleibt die Grundstimmung vieler Investor:innen positiv. Politische Märkte haben kurze Beine. Das Umfeld bleibt herausfordernd, doch das fundamentale Fundament ist stabil. Genau diese Kombination aus Substanz und langfristiger Perspektive erlaubt es, auch bei temporären Rückschlägen mit Zuversicht nach vorne zu blicken. Josef Obergantschnig ist Kapitalmarktexperte und Risikomanager des Wohlfahrtsfonds. WOHLFAHRTSFONDS Das Börsenjahr 2025 war von Unsicherheit und politischen Schlagzeilen geprägt. Für viele Investor:innen fühlte es sich herausfordernd an. In der Rückschau zeigt sich jedoch: Es war auch ein erfreuliches Börsenjahr. Foto: Vicky Posch Der Wohlfahrtsfonds: Stabilität in unsicheren Zeiten
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