AERZTE Steiermark 09 2026

Foto: Verdino - Philipp Zach GERNE ÄRZTIN ÆRZTE Steiermark || 09|2026 29 Mit viel Forscherdrang und Faszination Schon die Puppen ihrer Schwester waren vor ihrem Forscherdrang nicht sicher: „Ich wollte verstehen, wie der menschliche Körper funktioniert. Das ging so weit, dass ich die Puppen meiner Schwester aufgeschnitten habe, um herauszufinden, was ‚drinnen‘ ist – sehr zu ihrem Leidwesen“, erinnert sich Patrizia Constantini-Kump schmunzelnd. Die Faszination für die Medizin liegt in der Familie – Vater und Großvater waren Ärzte. Dass der Vater der Tochter wegen der schweren Vereinbarkeit von Beruf und Familie eher abriet, spornte sie erst recht an. Sie studierte zügig und steckte sich Ziele. Zufall als Wegbereiter Die Spezialisierung auf die Gastroenterologie und Hepatologie ergab sich durch eine glückliche Fügung. „Während des Studiums wollte ich wissenschaftlich arbeiten“, so Constantini-Kump. Über Prof. Wolfgang Vogel in Innsbruck erhielt sie die Chance, als Research Fellow an das renommierte King’s College in London zu gehen. „Rückblickend war die Wahl der Gastroenterologie eher zufällig. Heute kann ich mir kein spannenderes Fach vorstellen. Es ist vielseitig und verbindet innovative Endoskopie mit Innerer Medizin. Es umfasst akute wie chronische Erkrankungen, entwickelt sich in beeindruckendem Tempo.“ Aufgaben als Primaria Diese Faszination bildet das Fundament für ihren vorläufigen Karrierehöhepunkt: Im April wurde ConstantiniKump als neue Primaria vorgestellt und übernahm die ärztliche Leitung der Abteilung für Innere Medizin 1 am Standort West des LKH Graz II. Unter ihrer Führung laufen Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie zusammen. „Als Primaria habe ich die Möglichkeit, Medizin nicht nur zu praktizieren, sondern auch aktiv zu gestalten.“ Die Arbeit am Patienten bleibt aber unersetzlich: „Die tägliche klinische Arbeit erdet einen und erinnert daran, warum wir organisatorische Veränderungen überhaupt vorantreiben. Ich bin überzeugt, dass wir uns immer wieder fragen müssen, ob das, was wir tun, tatsächlich noch sinnvoll ist – und nicht nur deshalb, weil wir es schon immer so gemacht haben.“ Zwei Welten im Einklang Neben der Arbeit im Schwerpunktkrankenhaus schätzt sie die Tätigkeit in der eigenen Ordination. Während das Spital durch Interdisziplinarität und erstklassige Infrastruktur besticht, bietet die Niederlassung Raum für zeitintensivere Gespräche. Ihr standespolitisches Engagement bringt Constantini seit Juni auch auf Landesebene ein: Sie ist in der Vollversammlung der Ärztekammer Steiermark vertreten. Engagement Ein wichtiges Anliegen ist Constantini-Kump die Sichtbarkeit von Frauen in Führungspositionen. Als Generalsekretärin der ÖGIM rief sie 2022 die Plattform „Die Internistin“ ins Leben. „Ich habe es durchaus als Nachteil erlebt, eine Frau in der Medizin zu sein“, reflektiert sie offen. Männern werde nach wie vor oft von vornherein mehr zugetraut. Ihr geht es darum, Frauen zu vernetzen und zu bestärken: „Sichtbarkeit sollte nicht durch Lautstärke oder Streit entstehen, sondern durch Professionalität, Kompetenz und die Bereitschaft, Gestaltung zu übernehmen.“ Jungen Kolleginnen gibt sie einen Ratschlag mit: „Trauen Sie sich. Man muss nicht zu Beginn des Berufslebens schon den gesamten Weg kennen – vieles entwickelt sich erst im Tun. Karriere, Wissenschaft, Familie und Führung müssen keine Entweder-oderEntscheidungen sein. Ein Partner auf Augenhöhe hilft zwar, ist aber keine Grundvoraussetzung: Frauen sind oft unglaublich lösungsorientiert und wachsen an ihren Aufgaben. Hören Sie dabei nicht nur auf den Kopf, sondern genauso auf Ihr Herz und Bauchgefühl.“ Ausgleich findet ConstantiniKump bei ihrer Familie, beim Wandern oder Lesen. Ein besonderes Geschenk ihres Partners – der ebenfalls Mediziner ist – sorgt seit Kurzem für musikalische Auszeiten: Ein Klavier zum Amtsantritt als Primaria. Die Leidenschaft für Medizin entdeckte Patrizia Constantini-Kump im Kindesalter. Heute verbindet sie klinische Exzellenz, Führungsverantwortung und Begeisterung für ihr Fach. GERNE ÄRZTIN/ARZT IN DER STEIERMARK

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