AERZTE Steiermark 07_08 2026

ANGESTELLTE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE Foto: Furgler, Schiffer von unregelmäßigen Dienstzeiten. Die Kinderbetreuungseinrichtungen sind nicht – oder nur marginal – danach ausgerichtet, sondern orientieren sich an klassischen Arbeitszeiten. „Die Arbeitszeiten für Ärzt:innen sind speziell. Das muss sich auch in den Kinderbetreuungsangeboten widerspiegeln, wenn die Spitalsträger möchten, dass auch Ärzte mit kleineren Kindern im öffentlichen Gesundheitssystem arbeiten können – und das ist dringend notwendig“, sagt Gerhard Posch. „Mit kleinen Kindern in Vollzeit als Spitalsarzt bzw. -ärztin zu arbeiten, ist trotz etwas besser gewordener Angebote nach wie vor extrem schwierig und ein Parforceritt zwischen Familie und Beruf, wenn es keine Hilfe durch Familie oder Freunde gibt“, unterstreicht Kurienobmann-Stellvertreter Gerhard Postl. Daher ortet Kurienobmann Posch einen Trend, der für die Gesundheitsversorgung nicht wünschenswert sein kann: „Unzureichende Kinderbetreuungsangebote drängen unsere Ärzt:innen, die zugleich Eltern sind, quasi in die Teilzeit. Eine Vollzeittätigkeit ohne private Unterstützungsnetzwerke ist in den überwiegenden Fällen nicht möglich.“ System-Error mit Patina Diese Einschätzung verdeutlicht auch, dass es sich nicht um ein punktuelles, sondern um ein grundlegendes Systemproblem handelt. Allein, was fehlt, ist eine flächendeckende Strategie. Diese gibt es weder im Bundesland noch bundesweit. Die Strukturen im Arztberuf orientieren sich immer noch an einem Arbeitsmodell, das vor 20 bis 40 Jahren gelebt wurde und vor allem auf männliche Ärzte zugeschnitten war. Ärzte, die früher teilweise 72 Stunden – oder mehr – am Stück im Krankenhaus verbracht haben. „Solche Arbeitszeiten sind heute aus Gründen des Patientenschutzes und arbeitsrechtlich nicht mehr zulässig – und das ist auch gut so. Trotzdem erwarten wir immer noch, dass junge Ärzt:innen, Mütter und Väter, sich in ähnliche zeitliche Muster pressen lassen. 40 Wochenstunden im Spital entsprechen leider noch immer eher 48 oder mehr. Doch die Realität hat sich verändert. Familienplanung ist heute anders. Väter möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, in Karenz gehen, ihre Arbeitszeit reduzieren und nicht nur am Wochenende oder spät abends präsent sein. Ein starkes Familienbewusstsein ist entstanden – das ist etwas Positives, was wir in unseren Arbeitsstrukturen widerspiegeln sollten“, fordert Posch. Daher brauche es ein Umdenken – weg von der Idee, dass Familie und medizinische Karriere ein unlösbarer Widerspruch sind, so der Kurienobmann: „Wir müssen Strukturen schaffen, die beides ermöglichen: eine erfüllende Karriere als Arzt oder Ärztin und eine aktive Rolle als Elternteil. Kinderbetreuung muss an die ärztlichen Notwendigkeiten und Bedürfnisse angepasst werden. Dafür setzen wir uns standespolitisch tagtäglich ein.“ Internationale Vorbilder Nachahmenswerte Beispiele gebe es genug, so verweist Posch etwa auf das schwedische Modell: Dort bieten viele Gemeinden erweiterte Öffnungszeiten (auch sogenannte „Nachtkindergärten“) für Eltern im Schichtdienst an – explizit auch für medizinisches Personal. Die Betreuung ist zudem ganzjährig organisiert, mit deutlich kürzeren Schließzeiten als im deutschsprachigen Raum. In Dänemark gibt es zahlreiche flexible Betreuungsmodelle für Eltern mit wechselnden Dienstplänen, unter anderem auch mit 24-Stunden-Angeboten und sehr frühen bzw. sehr langen Öffnungszeiten. In Frankreich setzt man auf ein sehr dichtes Netz an Krippen (crèches), auch mit betrieblichen Lösungen in Spitälern. Posch: „Das Problem ist also durchaus lösbar – andere Länder zeigen das längst. Also gehen wir‘s an.“ ÆRZTE Steiermark || 07_08|2026 49 „Die Arbeitszeiten für Ärzt:innen sind speziell. Das ist nicht die Norm. Das muss sich auch in den Kinderbetreuungsangeboten widerspiegeln.“ Gerhard Posch Kurienobmann Angestellte Ärzte „Der ärztliche Beruf folgt selten klassischen Arbeitszeiten. Kinderbetreuung muss ebenso flexibel wie wir Ärzt:innen sein.“ Birgit Sapotnik Angestellte FÄ, Frauenheilkunde u. Geburtshilfe

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