ÄRZTIN IM BESONDEREN DIENST In der Marienambulanz für Menschen in Not im Einsatz Die Marienambulanz in Graz ist eine offene Ambulanz mit niederschwelliger allgemeinmedizinischer Erst- und Grundversorgung für Menschen in Not. Hierhin kommen Menschen ohne Krankenversicherung oder in einer schwierigen Lebenslage. Geleitet wird die Ambulanz von Irene Holzer. In Ulm hat Irene Holzer Medizin studiert und die Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin begonnen. Abgeschlossen hat sie diese in Österreich, arbeitete nach der Karenz als Arbeitsmedizinerin. „Das war mir zu wenig therapeutisch, daher habe ich mich weiter umgesehen“, erzählt sie. In der Ärzte-Zeitung hat sie dann gelesen, dass die Marienambulanz in Graz Ehrenamtliche sucht. „Ab 2002 habe ich dort nebenbei als ehrenamtliche Ärztin allgemeinmedizinisch gearbeitet und unter anderem viele Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien betreut.“ 2006 wurde die Einrichtung zu einem Ambulatorium – und Irene Holzer zu dessen ärztlicher Leiterin. In dieser Funktion arbeitet sie seitdem in Teilzeit, zusätzlich zur Tätigkeit in der Arbeitsmedizin. Vor kurzem hat sie das ÖÄK-Diplom Psychotherapeutische Medizin (Psy3) abgeschlossen.“ Obdachlose und Nicht-Versicherte Ein großer Teil der Motivation in der Marienambulanz zu arbeiten, in der obdachlose Menschen, Menschen aus prekären Verhältnissen und Nicht-Versicherte versorgt werden, liegt an „vielen sehr netten und auch dankbaren Patient:innen“, sagt sie und am abwechslungsreichen Feld der Allgemeinmedizin mit den sozialen Fragestellungen, die hier hineinspielen. Außerdem sieht Holzer es als positive Herausforderung mit Menschen zu sprechen, die nicht gut Deutsch können. Beschwerden „querbeet“ Knapp über 2.000 Patient:innen wurden im letzten Jahr in der Marienambulanz betreut, im Schnitt kommen diese 5-mal, was in Summe knapp 10.000 Konsultationen bedeutet. „Die Patientenzahlen steigen kontinuierlich, wenn auch nicht dramatisch, an. Gerade bei nicht-versicherten Österreicher:innen merken wir eine Zunahme“, erklärt die Fachärztin. Bis zum UrkraineKrieg waren es eher jüngere Menschen, die die Ambulanz aufgesucht haben, nun sind viele Ältere gekommen. Behandelt werden alle Beschwerden „querbeet“ wie in jeder Hausarztordination, „dazu kommen öfter Hautprobleme wie Krätze, bedingt durch das Schlafen auf der Straße oder durch sehr beengte Wohnverhältnisse“. 50 % der Patient:innen in der Marienambulanz sind versichert – bei diesen schaut man, dass sie rasch wieder ins System überwiesen werden. „Das sind Menschen, die neu im Land sind und über andere Caritas-Einrichtungen bzw. auf Grund sprachlicher Hürden zu uns kommen, oder obdachlose bzw. Menschen in prekären Wohnsituationen, die unten zum Essen ins Marienstüberl kommen und sich schämen, woanders hinzugehen.“ Interdisziplinär Eine Besonderheit in der Marienambulanz ist der interdiszi- „Wir brauchen Fachärzt:innen, die uns unterstützen, da ein paar unserer Kooperationspartner:innen in Pension gehen.“ Irene Holzer Ärztliche Leiterin der Marienambulanz 32 ÆRZTE Steiermark || 07_08|2026 Foto: Laura Gimpel
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