Sommer und Reisezeit lenken den Blick regelmäßig auf die Reisethrombose. In der klinischen Realität bleibt sie jedoch ein Randphänomen. „In Absolutzahlen gemessen ist die Reisethrombose sehr selten“, betont der Gefäßspezialist Thomas Gary. Ältere Daten zeigen, dass bei Flugreisen über 12 Stunden auf 1 Million Passagiere zwischen 4 und 5 symptomatische Lungenembolien kommen. Als Ursache gilt vor allem die fehlende Wadenmuskelpumpe bei langem Sitzen, Dadurch können ClottingPhänomene in den Beinvenen begünstigt werden. Als thromboseförderlich gelten Reisen ab etwa 4 Stunden. Präventive Maßnahmen Für die Mehrzahl der Reisenden ist es jedoch ausreichend, einfache präventive Maßnahmen zu ergreifen. Gary empfiehlt hierbei auf genügend Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Pausen mit Bewegung zu achten – im Einzelfall können milde unterschenkellange Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein. Eine medikamentöse Prophylaxe bleibt Hochrisikopatient:innen vorbehalten, etwa bei bereits stattgehabter Thrombose oder aktiver Krebserkrankung. Diese Patient:innen profitieren von einer Thromboseprophylaxe mit einem Antikoagulans (in der Regel einem Heparinpräparat). Verstärkte Venenprobleme Deutlich häufiger als die klassische Reisethrombose sieht Gary im Sommer Patient:innen mit venöser Insuffizienz. „Beschwerden können durch heiße Temperaturen und längeres Sitzen deutlich zunehmen.“ Schwere Beine, geschwollene Knöchel oder bekannte Krampfadern sind dann häufige Vorstellungsgründe. Ob es sich nur um ein saisonales Beschwerdebild oder um einen Abklärungsbedarf handelt, hängt von Intensität und Begleitbefunden ab. „Wenn Krampfadern vorbekannt sind und die Beschwerden im Sommer limitierend zunehmen, ist eine Abklärung mittels Ultraschall durchaus sinnvoll.“ Das gilt besonders bei Hautveränderungen oder wenn sich Hinweise auf eine thrombosierte Varize zeigen, etwa durch Verhärtung und lokale Entzündung. Risikoabschätzung Nicht bei allen Patient:innen ist vor längeren Reisen eine spezialisierte Abklärung erforderlich. Für Gary stehen Eigen- und Familienanamnese im Vordergrund. Der Trend gehe „klar weg von der Abklärung eines Thromboserisikos mittels Blutabnahme und Bestimmung des Thrombophilie-Screenings“. Ein solches Screening könne bei spontanen thrombotischen Ereignissen, insbesondere bei jüngeren Patient:innen, aber durchaus sinnvoll sein, so der Spezialist, sei aber nur ein Teil des Gesamtbildes. Wichtiger bleiben beeinflussbare Faktoren: ausreichend trinken, langes Sitzen unterbrechen, Beine regelmäßig bewegen. In der hausärztlichen Erstabklärung empfiehlt sich daher die gezielte Frage nach Trinkmenge, Sitzdauer, Auslösern und zeitlichem Auftreten der Beschwerden sowie nach klassischen Thromboserisikofaktoren. Warnzeichen nach der Reise Auch wenn Reisethrombosen selten sind, müssen bestimmte Symptome konsequent abgeklärt werden. Dazu zählen vor allem einseitige Beinschwellungen, Wadenschmerz und Atemnot. „Bei diesen Beschwerden sollten die Alarmglocken schrillen“, sagt Gary. Und eine weitere Abklärung mittels Labor, SonoREISETHROMBOSE Was im Sommer in der Gefäßmedizin relevant ist Reisethrombosen sind zwar ein überschätztes Phänomen, venöse Beschwerden sollten jedoch untersucht werden. Was bei Hitze, langen Reisen und Beinschmerzen tatsächlich abklärungsbedürftig ist, erläutert der Angiologe Thomas Gary. „In Absolutzahlen gemessen ist die Reisethrombose sehr selten. Bei einseitiger Schwellung, Wadenschmerz oder Atemnot sollten aber die Alarmglocken schrillen.“ Thomas Gary Facharzt für Innere Medizin & Gefäßmedizin Foto: DJAKOB 14 ÆRZTE Steiermark || 07_08|20266
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