AERZTE Steiermark 03 2026

Foto: ÄRZTIN IM BESONDEREN DIENST Genauigkeit und das Dranbleiben, ohne laut zu sein“. Für die Hobby-Winzerin ein besonderes Kompliment. Tradition und Innovation Tradition bedeutet für die Ärztin nicht, stehen zu bleiben, sondern eine solide Basis zu haben, von der aus Entwicklung möglich ist. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist für Freigassner ihr erster Frizzante aus Muscaris und der Gewürztraminer – spritzig, eigenständig und Ausdruck eines kleinen, rein weiblichen Teams mit unterschiedlichen Kompetenzen. Er steht für diesen Mut, Neues zu denken, ohne die eigene Haltung zu verlieren. Fordernde Doppelrolle Neues zu denken, steht auch im Zentrum ihrer medizinischen Tätigkeit. Derzeit strebt die Fachärztin eine orthopädisch-traumatologische Zusatzausbildung und den Aufbau einer Lehrpraxis an. Denn die Stärkung der konservativen Orthopädie in Forschung und Ausbildung liegt ihr besonders am Herzen – „dieser unglaublich wichtige, bescheidene und notwendige Teil der Versorgung“, wie sie betont. Auch im Weingut stehen Neuerungen an: Im Frühjahr 2026 beginnt ein Bauvorhaben, das „all unsere Visionen und unsere Verbundenheit zur Natur aufzeigen wird.“ Neben der Wiederverwendung bestehender Materialien und dem Erhalt des historischen Kellers soll kein Baum seines Platzes verwiesen werden. Der Alltag verlangt damit viel Organisation und Vertrauen. Ohne ein eigenverantwortliches Team, offene Kommunikation und die Unterstützung der Familie wäre diese Doppelrolle nicht möglich. Synergien und Genuss mit Maß Jungen Menschen, die zwischen zwei Leidenschaften stehen, rät sie, nicht zu wählen, sondern zu verbinden – eine Brücke zu bauen und das Spannungsfeld bewusst zu nutzen. Oft entstünden genau dort unerwartete Synergien. Was sie noch gelernt hat: „Die Weinstöcke lehren mich Geduld und Respekt vor der Natur – und die Kunst, aus prägenden Erfahrungen etwas Wertvolles entstehen zu lassen.“ Als Ärztin betrachtet sie Wein übrigens differenziert – entscheidend sei der bewusste Umgang. Einerseits gilt Wein seit der Antike als Genuss- und Heilmittel, ausschlaggebend seien aber Maß, Zeitpunkt und Kontext. Bewusster Genuss beginne bei Lagerung, Temperatur und einem guten Glas – und ende bei Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. „Man begleitet Prozesse und wünscht sich den bestmöglichen Ausgang, hat aber keinen Anspruch darauf, alles kontrollieren zu können.“ Martina Freigassner Fotos: privat

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjg3NzQ1MQ==