COVER 8 ÆRZTE Steiermark || 01|2026 Wie ist Ihre Beobachtung zur Entwicklung des veganen Lebensstils? Sonja Lackner: Laut den Zahlen von Statista aus 2024 bezeichnen in Österreich derzeit rund 3 % ihre Kostform als „vegan“. Insgesamt ist der Anteil vegetarisch orientierter Kostformen bereits deutlich gestiegen und es hat sich ein gesellschaftliches Bewusstsein entwickelt, das war zu Beginn meiner persönlichen „Vegetarier-Karriere“ noch nicht selbstverständlich. Gleichzeitig liegt der Fleischkonsum bei uns weiterhin deutlich über den Empfehlungen. Die letzten Daten, die ich hierzu kenne, stammen aus dem Gesundheitsbericht des Gesundheitsfonds Steiermark: Nur die Hälfte der Steirer:innen isst täglich Gemüse, während rund 73 % zu viel Fleisch essen – hier sehe ich die größte Stellschraube. Tanja Peschaut: Einerseits sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die sich aus Gründen wie Tierwohl, Klima, Lebensstil mit veganer Ernährung beschäftigen. Die zweite große Gruppe sind Menschen ab ca. 50, die gesundheitliche Probleme wie Herz-KreislaufErkrankungen entwickeln, Hyperlipidämien, Diabetes mell. II oder chronisch entzündliche Erkrankungen wie Rheuma, CED, Autoimmunerkrankungen haben und durch die Ernährung die Heilung unterstützen wollen. Vermehrt ist es auch Thema für Frauen in der Perimenopause, wo das Cholesterin ansteigt und der Bauchumfang steigt, obwohl man nicht mehr zu sich nimmt. Lackner: Ernährung wird außerdem zunehmend als Ausdruck von Identität und Gruppenzugehörigkeit genutzt. Gerade in der Adoleszenz kann die Entscheidung für eine vegane Lebensweise identitätsstiftend wirken und eine soziale Abgrenzung ermöglichen. Es gibt ja auch Vorurteile, schließlich ist der Mensch ein „Allesfresser“. Welchen Themen begegnen Sie noch? Lackner: Dass pflanzenbetonte Ernährung immer mit „ausschließlich pflanzlich“ gleichgesetzt wird. Doch entsprechend der „Planetary Health Diet“ soll der Hauptteil der Nahrung aus pflanzlichen Quellen stammen, ergänzt durch tierische Produkte, um den Nährstoffbedarf zu decken. Es stimmt auch nicht, dass vegan automatisch gesünder bedeutet. Entscheidend sind Lebensmittelwahl, Nährstoffdichte und Verarbeitungsgrad. Und noch ein Punkt: Pflanzendrinks sind nicht äquivalent zu Kuh-Milch. Haferdrinks als Milchersatz boomen, doch haben sie nur rund 1/3 des Proteins und ohne Anreicherung kaum Mineralstoffe und Vitamine. BioProdukte dürfen nach EU-Verordnung gar nicht angereichert werden. Was bringt eine gut geplante vegane Ernährung aus ärztlicher Sicht? Peschaut: Die Betonung liegt wirklich auf gut geplant und begleitet – dann kann sie den Blutdruck und das CholesteDas sind die Vorteile und Risiken des veganen Lebensstils Der „Veganuary“ motiviert und unterstützt aktuell wieder Millionen von Menschen auf der ganzen Welt dabei, die pflanzliche Ernährung zu entdecken. Ein Interview mit Ernährungswissenschaftlerin Sonja Lackner und Allgemeinmedizinerin Tanja Peschaut zur veganen Ernährung. Foto: envato/antoninavlasova
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