BEREICH ÆRZTE Steiermark || 01|2026 7 Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie verletzlich unser Gesundheitssystem geworden ist – in den Spitälern, in den Ordinationen und vor allem für die Patientinnen und Patienten. Aus allen Bereichen erreichen uns ähnliche Rückmeldungen: zu wenig Zeit, zu viele Vorgaben, zu lange Wege bis zur passenden Behandlung. Und dennoch gelingt es der steirischen Ärzteschaft Tag für Tag, hohe Qualität zu sichern – mit großem persönlichem Einsatz und spürbarer Hingabe. In dieser Lage braucht es keine Schlagzeilen, sondern Orientierung. Es ist die Aufgabe der Ärzteschaft, eine ruhige, aber klare Stimme zu sein: Dort, wo Versorgung gefährdet ist, werden wir deutlich. Dort, wo echte Lösungen möglich sind, bleiben wir verlässliche Partner – im Dialog mit der Politik, mit der ÖGK und mit den Spitalsträgern. Verbindlich im Ton, hart in der Sache: Dieses Prinzip hat sich bewährt. Die Richtung für das gerade begonnene Jahr, aber auch langfristig für die kommenden Jahre ist klar: Die Steiermark braucht eine Medizin, die erreichbar bleibt. Eine Medizin und Gesundheitsversorgung, die Qualität garantiert und die Menschen nicht in anonyme oder rein digitale Strukturen drängt. Digitalisierung, neue Versorgungsmodelle und organisatorische Reformen haben dann Sinn, wenn sie die Ärztinnen und Ärzte effizient und vor allem verlässlich entlasten und die Versorgung insgesamt verbessern. Gemeinsam mit allen unseren Kolleginnen und Kollegen in den Spitälern, in den Ordinationen und in der Ausbildung arbeiten wir als Ärztekammer für Steiermark laufend daran, dass Gesundheit in der Steiermark nicht zur größten Baustelle der Republik wird – sondern ein Bereich ist und bleibt, in dem Verlässlichkeit und Respekt für alle Beteiligten spürbar sind. Dr. Michael Sacherer Präsident der Ärztekammer Steiermark Der „Regionale Strukturplan Gesundheit 2030“ ist eine verpasste Chance. Denn er lässt eine zentrale Realität außer Acht: Die Ärzt:innen sind die Leistungserbringer:innen und damit das Rückgrat der Gesundheitsversorgung – ohne sie geht es schlichtweg nicht. Wer ihre Rolle im System weiterhin ignoriert, der wird mit seinen Plänen ins Leere laufen und die Zukunft einer flächendeckenden, wohnortnahen und qualitativ hochwertigen Versorgung in der Steiermark riskieren. Die Kurie der niedergelassenen Ärzt:innen hat den Entwurf des RSG 2030 daher entschieden abgelehnt – nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung. Der Entwurf verkennt die enormen Chancen, die die Niederlassung bietet. Denn man hat auf die ärztliche Expertise verzichtet und die Ärzteschaft nicht in die Planung miteinbezogen. Wer glaubt, dass er Versorgung ohne die aktive Einbindung der niedergelassenen Ärzt:innen gestalten kann, wird scheitern, statt eine tragfähige Lösung zu erzielen. Und noch eines: Wie sollen wir einen Plan mittragen und eine detaillierte, verbindliche Stellungnahme zur Planungsmatrix abgeben, wenn uns die zentralen Planungsgrundlagen nicht zur Verfügung gestellt werden? Transparenz sieht anders aus. Gesundheitsplanung über die Köpfe der Ärzt:innen hinweg ist nicht zukunftstauglich. Trotzdem bleibt unsere Hand ausgestreckt. Wir erkennen die für das Jahr 2026 geplante und gesetzlich vorgesehene Revision als Chance – und werden uns aktiv als Systempartner einbringen. Damit die Gesundheitsversorgung treffsicherer, innovativer und nachhaltiger ausgerichtet werden kann. Unser Ziel bleibt unverändert: eine starke, moderne und effiziente Gesundheitsversorgung für die Menschen – mit den Ärzt:innen im Zentrum. Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Bayer Obmann der Kurie Niedergelassene Ärzte EXTRA Dietmar Bayer Ein Plan, der die Chancen der Niederlassung verkennt STANDORTBESTIMMUNG Michael Sacherer Es braucht keine Schlagzeilen, sondern Orientierung DEBATTE Fotos: Schiffer (2)
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