AERZTE Steiermark 01 2026

6 ÆRZTE Steiermark || 01|2026 BEREICH INTRA KONT A DEBATTE Josef Herk Krankjammern hilft niemandem Man kann der Versuchung nur schwer widerstehen, die (steirische) Wirtschaft aktuell als Patientin zu bezeichnen: Zu ernst sind die Verwundungen, zu tiefgreifend die Versäumnisse, die man im Rahmen einer „Wirtschaftsvorsorge“ rechtzeitig hätte erkennen können. Auch die Besserung, die das Konjunkturbarometer ohnehin nur zaghaft in Aussicht stellt, führt noch lange nicht zur vollkommenen Genesung des Standorts, im Gegenteil: Immer weiter steigende Arbeits- und Energiekosten werden uns noch länger vor große Herausforderungen stellen. Aber: Krankjammern hilft niemandem. Also besinnen wir uns auf das, was nach wie vor intakt ist. Wir haben eine solide wirtschaftliche Basis und wir haben ein großartiges Gesundheitssystem, ein System, das wir nutzen sollen, aber nicht ausnutzen dürfen. In der Steiermark haben wir seit Jahren konstant hohe Fehlzeiten und die Krankenstandsquote bei den unselbstständig Beschäftigten ist seit 2010 von knapp 60 % auf 70 % gestiegen, was österreichweit Kos- ten von 1,5 Milliarden Euro verursacht. Ja, wir müssen das mit Sicherheit effizienter kontrollieren. Und ja, wir sollten auch gewisse Praktiken wie rückwirkende Krankmeldungen und Ähnliches überdenken. In anderen Ländern der EU ist darüber hinaus z. B. der erste Krankenstandstag ein Karenztag. Spätestens hier ist jedoch Vorsicht geboten, denn vieles wird nur zu gerne falsch verstanden. Um es klar zu sagen: Die Wirtschaft will nicht, dass die Arbeitnehmer:innen krank zur Arbeit kommen. Sie tut auch viel dafür, Gesundheit als betrieblichen Wert zu etablieren. Was wir jedoch dringend brauchen, ist ein Vitaminschub für an sich selbstverständliche Dinge. Wir wissen etwa aus einer WKO-Umfrage aus dem Frühjahr 2025, dass rund 40 % der heimischen Betriebe wiederholt von Kurzkrankenständen betroffen sind. Das sorgt für Unmut – und zwar bei den Mitarbeiter:innen, die diese Mehrbelastung zu spüren bekommen. Das Gesundheitssystem braucht also Fairness bei denjenigen, die es nutzen, sprich bei uns allen. Und wir brauchen mehr Gesundheitskompetenz – als wichtigen Beitrag zu mehr Eigenverantwortung. Josef Herk Präsident der WKO Steiermark Gerhard Posch Beitragssenkung führt zu Ersparnis von 1,2 Monatsbeiträgen Mit Jahresbeginn 2026 konnten wir die Kammer- umlage für alle angestellten Ärzt:innen von 2 % auf 1,8 % senken. Diese Entscheidung hat mehr Gewicht, als man beim ersten Blick auf die Zahlen sieht: Sie ist ein starkes Signal für eine verantwortungsvolle Interessenvertretung und für den sorgsamen Umgang mit den Beiträgen unserer Mitglieder. Das Budget der Ärztekammer Steiermark ist bedarfsorientiert – die Beiträge der Mitglieder richten sich also nach dem tatsächlichen Mittelbedarf. Nun ist die Senkung möglich, weil wir in den vergangenen Jahren äußerst effizient gearbeitet haben. Unsere Leistungen und Angebote bleiben gleich – und trotzdem können wir unsere Mitglieder entlasten. Das zeigt, dass wir wirtschaftlich denken und mit Augenmaß handeln. Wir arbeiten mit dem Geld unserer Mitglieder so, wie es sein sollte: verantwortungsvoll, zielgerichtet und mit einem klaren Fokus auf den Nutzen für jede einzelne Ärztin und jeden einzelnen Arzt. Wir alle wissen, dass es aktuell viele Herausforderungen für die Ärzteschaft gibt. Die Kosten steigen, viele im Gesundheitswesen stehen unter großem Druck. Da kommt einer starken Vertretung ärztlicher Interessen besondere Bedeutung zu. Die Finanzierung der Standesvertretung schafft dafür die unverzichtbare Grundlage. Für alle angestellten Ärzt:innen bedeutet die Senkung der Kammerumlage eine Ersparnis von rund 1,2 Monatsbeiträgen – die Kurie macht damit deutlich: Wir wissen um das Vertrauen der Mitglieder in die Standesvertretung und sehen es als unsere Verpflichtung weiterhin effizient zu arbeiten, konsequent auf Qualität zu setzen und dabei nie den Blick für das Wesentliche zu verlieren – und das ist die Vertretung der Interessen der steirischen Ärztinnen und Ärzte. Dr. Gerhard Posch Kurienobmann der Kurie Angestellte Ärzte Fotos: Oliver Wolf, Furgler

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