AERZTE Steiermark 01 2026

FORSCHUNG STEIERMARK Erste Ergebnisse des Grazer Forschungsteams im Mausmodell und an menschlichem Lungengewebe zeigen, dass durch den Einsatz des innovativen Wirkstoffs krankhafte Bindegewebsvermehrungen in der Lunge verringert werden könnten. Begrenzte Möglichkeiten zur Behandlung Bei der idiopathischen Lungenfibrose, bei der das feine Stützgewebe der Lunge zunehmend vernarbt und verhärtet, verliert die Lunge an Elastizität und das Atmen fällt immer schwerer. Am häufigsten sind ältere Menschen betroffen. Da die Erkrankung nicht heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung derzeit vor allem darauf, die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten zu verlangsamen. Mit Diethylsuccinat (DES), der veränderten Form eines natürlichen Stoffwechselprodukts, erzielt nun das Forschungsteam rund um Thomas Bärnthaler vielversprechende Ergebnisse: „Unsere bisherigen Beobachtungen deuten darauf hin, dass DES antifibrotische Effekte hat. Damit könnten wir einen völlig neuen Ansatz für die Behandlung der Lungenfibrose eröffnen“, erklärt er. Neuer Ansatz Das Grazer Forschungsteam konnte zeigen, dass DES krankhafte Umbauvorgänge in der Lunge im Mausmodell verringern und somit das Fortschreiten der Erkrankung bremsen könnte. Weiters prüfen die Wissenschafter:innen nun, wie DES am besten verabreicht werden könnte – etwa als Tablette, Inhalation oder Injektion. Parallel dazu untersuchen sie, welche Zellen und Mechanismen im Körper durch den Wirkstoff beeinflusst werden und ob es sogar möglich sein könnte, eine bereits bestehende Fibrose zurückzubilden. „Wir wollen nicht nur herausfinden, ob DES wirkt, sondern auch verstehen, wie genau es wirkt. Dieses Wissen ist entscheidend, um den Weg in Richtung klinische Studien vorzubereiten“, so Thomas Bärnthaler. Weltweit erste Studie Das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte Projekt ist die erste Untersuchung weltweit, die DES im Zusammenhang mit Lungenfibrose erforscht. Mit den Ergebnissen soll die Grundlage für künftige klinische Studien gelegt werden. „Unser Ziel ist es, neue Therapien für die Lungenfibrose zu entwickeln – denn die derzeitigen Möglichkeiten reichen einfach nicht aus“, betont Thomas Bärnthaler. Frisch publiziert BK channels are indispensable for endothelial function in small pulmonary arteries CELL COMMUN SIGNAL. Guntur, D; Jeremic, D; Csaki, R; Myronenko, O; Biasin, V; Kolb, D; Michalick, L; Kuebler, WM; Enyedi, P; Olschewski, H; Olschewski, A; Nagaraj, C. 2025; 23(1): 448 Doi: 10.1186/s12964-025-02436-0 [OPEN ACCESS] Forscher:innen der Grazer Medizinischen Universität publizieren regelmäßig in internationalen Journalen. Wir bringen jeden Monat aktuelle Beispiele. Idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine seltene, aber besonders schwere chronische Lungenerkrankung. Die Lebenserwartung nach der Diagnose beträgt durchschnittlich 3 bis 4 Jahre. Forschende der Med Uni Graz untersuchen nun erstmals Diethylsuccinat (DES). Lungenfibrose: Grazer Forschungsteam prüft innovativen Wirkstoff Foto: Med Uni Graz/Lunghammer ÆRZTE Steiermark || 01|2026 37 Thomas Bärnthaler

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