Foto: Edi Aldrian SUCHT „Alkohol ist legal, günstig und sozial akzeptiert. In sozialen Situationen muss man sich eher erklären, wenn man keinen Alkohol trinkt.“ Alexandra Kohlhammer-Dohr Fachärztin für Psychiatrie ÆRZTE Steiermark || 01|2026 23 Suchtverhalten in Österreich & der Steiermark Alkohol in Zahlen Ø 11 Liter reiner Alkohol wird pro Person und Jahr getrunken (Österreich). Ca. 370.000 Menschen gelten als alkoholabhängig. 15 % konsumieren riskant – also gesundheitlich bedenklich. In der Steiermark trinkt etwa ein Viertel der Bevölkerung an ≥5 Tagen/Woche Alkohol. 8 % konsumieren fast täglich sehr große Mengen. Trinkverhalten Frauen und Personen im Alter von 35–64 Jahren zeigen steigende Konsumwerte. Junge Menschen trinken seltener, aber bei einzelnen Anlässen intensiver. Ältere Menschen trinken häufig regelmäßig kleinere Mengen. Neue Suchtrisiken Cannabis: Früher Konsumbeginn ab 14 Jahren Digitale Süchte: Gaming, Social Media, Online-Shopping Nikotinersatzprodukte: Vapes, E-Zigaretten & Nikotinbeutel v. a. bei Jugendlichen Risikofaktoren für Abhängigkeit Hoher Alltagsstress & emotionale Belastung Psychische Grunderkrankungen Früher Beginn eines regelmäßigen Konsums Frühwarnzeichen Gereiztheit, Schlafstörungen, häufiges Denken an Alkohol, Verharmlosung des eigenen Konsums, soziale Isolation oder Verheimlichung Wandel im Suchtverhalten Alkohol stellt in Österreich nach wie vor die häufigste substanzgebundene Abhängigkeit dar, das Konsummuster verändert sich aber. „Jüngere Menschen konsumieren tendenziell bewusster, trinken seltener regelmäßig, aber dafür intensiver bei einzelnen Gelegenheiten, z. B. durch den Konsum von Shots, die zu einer raschen und höhergradigen Alkoholisierung führen“, beobachtet die Expertin. Großen Einfluss hat dabei auch die Filmindustrie. Neue Abhängigkeitsformen Hinzu kommen neue Formen der Abhängigkeit – insbesondere bei Jugendlichen. „In der Allgemeinpsychiatrie sehen wir immer häufiger junge Erwachsene, die schon seit frühester Jugend, ab ca. 14 Jahren, begonnen haben, regelmäßig und teilweise auch sehr exzessiv Cannabis zu konsumieren. Cannabis in dieser vulnerablen Zeit der Entwicklung von neuronaler Vernetzung führt zu weniger Intelligenzpunkten und der Entwicklung eines amotivationalen Syndroms“, so Kohlhammer-Dohr. Eine weitere Problematik ist das Nutzungsverhalten von Sozialen Medien, Gaming und Online-Shopping – sie greifen tief in das dopaminerge Belohnungssystem ein. Und auch Nikotinersatzprodukte sind im Vormarsch. Während der klassische Zigarettenkonsum sinkt, boomen Vapes, E-Zigaretten und Nikotinbeutel. Entstigmatisierung und Prävention Die größten gesundheitspolitischen Herausforderungen in der Suchtprävention sieht Kohlhammer-Dohr in der Entstigmatisierung von psychiatrischen Erkrankungen und Suchterkrankungen im Speziellen. „Abhängigkeit kann jede:n treffen – unabhängig von Status, Bildung oder Beruf. Das frühzeitige Erkennen und die Bereitschaft zur Veränderung sind entscheidend.“ Und andererseits geht es darum ein Problembewusstsein zu entwickeln und ein niederschwelliges Angebot anzubieten. „Viele Menschen scheuen den Kontakt zu Suchthilfeeinrichtungen, weil sie sich nicht als abhängig sehen. Hausarztpraxen und Primärversorger könnten da als Schnittstelle – auch zu hochschwelligen Angeboten – dienen“, wünscht sich die Expertin.
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