22 ÆRZTE Steiermark || 01|2026 BEREICH Fotos: envato/seventyfourimages Ob Alkohol, Cannabis oder Social Media – beim Konsum von Suchtmitteln geht es um emotionale Regulation, Lebensstil, gesellschaftliche Normen und psychische Gesundheit. Alexandra Kohlhammer-Dohr, Fachärztin für Psychiatrie und Oberärztin am LKH-Univ. Klinikum Graz, erklärt am Beispiel von Alkohol was dahintersteckt: „Alkohol ist mit einem Lebensgefühl verbunden, besondere Anlässe und Erfolge werden damit gefeiert. Er wirkt schnell spannungs- und angstlösend sowie dämpfend – alles angenehme Zustände. Zudem ist Alkohol legal, günstig und sozial akzeptiert. In sozialen Situationen muss man sich eher erklären, wenn man keinen Alkohol trinkt. Die Entwicklung eines problematischen Alkoholkonsums wird oft lange unter dem Genussaspekt verschleiert.“ Bewusstseinsbildung Die Idee des „Dry January“ ist simpel: einen Monat keinen Alkohol trinken. Medizinisch betrachtet hat das aber großes Potenzial. „Denn das bietet Menschen die Möglichkeit, ganz niederschwellig das eigene Trinkverhalten zu hinterfragen und die positiven Aspekte der Alkoholkarenz zu erleben. Man bemerkt frühzeitig, inwieweit Alkohol zum Alltag gehört und welche Funktionen er erfüllt. Wenn beispielsweise Gereiztheit, innere Unruhe, Schwitzen, Schlafstörungen und ein häufiges Denken an Alkohol auftreten, könnte dies schon ein Hinweis auf eine Abhängigkeitserkrankung sein“, so Kohlhammer-Dohr. Ein alkoholfreier Monat verbessert die Schlafqualität, entlastet die Leber und wirkt sich positiv auf Blutdruck und Stresslevel aus. Doch wie nachhaltig ist die Aktion? Langzeitstudien zeigen: Rund ein Drittel der Teilnehmenden hält auch Monate später einen reduzierten Konsum aufrecht. Für den Rest bewirkt es zumindest eine Bewusstseinsbildung für das eigene Verhalten oder bereits vorhandene Symptome. Alkohol bleibt das häufigste Suchtmittel in Österreich. Ein nüchterner Monat kann hier mehr aufdecken und bewirken, als es zunächst scheint. Denn hinter jeder Form der Sucht steht mehr als nur eine Substanz. Dry January: Stop drinking – start living! SUCHT
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