AERZTE Steiermark 01 2026

ÆRZTE Steiermark || 01|2026 21 BEREICH SCHULÄRZT:INNEN „Aktuell hat man den Eindruck, dass Schüler:innen zunehmend psychisch belastet sind. Neben psychosomatischen und depressiven Beschwerden häufen sich Panikattacken, Angstzustände oder psychogen induzierte Kollapszustände.“ Angela Huber Co-Schulärztereferentin der Ärztekammer Steiermark Foto: Opernfoto Seminare im März „Krise & Trauma im Kontext Schule Besondere Berücksichtigung von Amok“ Freitag, 27.03.2026 (9-19.45 Uhr) und Samstag 28.03.2026 (9-12.30 Uhr) Information & Anmeldung: www.med.or.at/ki „Dazu kommt, dass man den Eindruck hat, dass Kinder und Jugendliche weniger gruppenfähig sind und die Frustrationstoleranz geringer wird – zu akzeptieren, dass sich nicht immer alles um die eigene Person dreht, ist schwer, wenn man es nicht gelernt hat“, hält sie fest. Wirklich schwierig wird es, wenn dieses Verhalten von den Eltern unterstützt wird. Nicht selten wird der Begriff Mobbing heute von Kindern verwendet wird, die es nicht gewohnt sind, einmal nicht der Star zu sein. Hier gelte es zu fragen: „Werde ich wirklich gemobbt – was ist mein Anteil an dem Problem? Kann ich auch selbst etwas verändern?“ Niemand darf allein gelassen werden, sondern sollte unterstützt werden, konstruktiv mit Konflikten umzugehen. Verändert ein Kind sein Verhalten, zieht es sich zurück, verzeichnet es einen Leistungsabfall, fällt es durch Aggressivität auf bzw. tut sich etwas, das man nicht einordnen kann, dann ist es essentiell dies professionell abzuklären – z. B. mit Schulärzt:innen oder Schulpsycholog:innen. Alles ansprechen Man muss nicht nur „auffälliges Verhalten“ im Blick haben, sondern die jungen Menschen in ihrer Gesamtheit wahrnehmen. „Haben sie Freund:innen? Sind die Eltern präsent? Wie wird diese Beziehung von den Schüler:innen wahrgenommen? Je weniger Ressourcen sie angeben, desto wahrscheinlicher machen ihnen potenziell belastbare Situationen längerfristig Probleme“, so Huber. Sie müssen aber auch wissen, dass es Grenzen der Hilfe in Freundschaften gibt und es notwendig ist, Erwachsene einzubinden, um wirklich zu helfen – z. B. Schulärzt:innen. Bei ihnen darf man alles ansprechen, auch Suizidgedanken! Todesfall oder Suizid Der Verlust eines Mitglieds einer Schulgemeinschaft gehört zu den erschütterndsten Erfahrungen. Auch wenn Suizide unter 18 Jahren extrem selten sind, häufen sich Belastungen, die zu selbstverletzendem Verhalten oder suizidalen Krisen führen – gerade vor Weihnachten, vor den Semesterferien, wenn die Noten feststehen, und vor Schulschluss. Ein klares schulinternes Procedere für solche Fällen, ein Fahrplan gibt allen Handelnden Sicherheit für eine professionelle und unaufgeregte Unterstützung im Bedarfsfall. Krisenfahrplan unerlässlich Krisen lassen sich nicht vermeiden, „aber wir können ganz gut gestalten, wie wir damit umgehen. Und eine Krise ist nicht automatisch ein Trauma“, betont die Schulärztin. „Als Erwachsene haben wir große Verantwortung“. Das habe der Amoklauf im Frühjahr 2025 gezeigt. „Die Lehrer:innen sind sehr unterschiedlich mit den Klassen umgegangen. Reagieren sie resilient und können sie Sicherheit vermitteln, beugt das Traumatisierungen sehr gut vor. Lassen Erwachsene allerdings ihre eigene Ohnmacht und Angst spüren, ist die Gefahr einer Traumatisierung viel höher“, so Huber. Für Krisen (Gewalt, Todesfall, Suizidandrohung, Mobbing, Jugendwohlgefährdung, …) braucht es einen fixen Fahrplan und Know-how, damit Lehrende richtig agieren und die richtigen Ansprechpartner:innen kennen. Doch leider ist die schulpsychologische Versorgung viel zu gering für das Ausmaß an Schwierigkeiten. „Alle akuten Krisen landen daher meist bei uns Schulärzt:innen“, so Huber. Um den Kolleg:innen ein Rüstzeug für akute Krisensituationen zu geben, wurden seit Juni 2025 bereits 2 Hybrid-Fortbildungsformate zur „Psychischen Ersten Hilfe im ärztlichen Gespräch“ durchgeführt. Für weiterführendes praxisnahes Wissen in Krisenintervention bietet das Schulärztereferat mit dem Fortbildungsreferat nun ein weiteres Seminar an.

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