Viele Stationen bis zur eigenen Praxis Schon während ihres Studiums hat Marlen Kleinhans-Öller von Australien über Mexiko, Irland und Spanien famuliert, ihre Ausbildung hat sie von Mittersill bis nach Thüringen geführt. Über viele Umwege hat die gebürtige Tirolerin letztlich eine Ordination in Kapfenberg eröffnet. Kleinhans-Öller: „Nachdem ich nach dem Studium in Graz seinerzeit keine Turnusstelle bekam, bin ich in Mittersill gelandet.“ Später bewarb sie sich auf der HNO und arbeitete neben der Arbeit an der Uniklinik als praktische Ärztin. In Spielberg übernahm sie nach einem plötzlichen Todesfall des praktischen Arztes über ein halbes Jahr als Vertretung die Hausarztpraxis. „Das war sehr lehrreich und der Gedanke, eine eigene Ordination zu führen, gefiel mir gut.“ Zu dieser Zeit fühlte sie sich aber noch nicht an dem Punkt angekommen. Patientenkontakt fehlt Durch Zufall besuchte sie eine Messe in Innsbruck, bei der Deutschland um Ärzt:innen warb. „Mir wurde vom Fleck weg eine Facharzt-Ausbildung angeboten“, so Kleinhans-Öller. Ihren Kinderwunsch im Hinterkopf stand für sie eine kinderfreundliche Ausrichtung an vorderster Stelle. Die angebotene Ausbildung zur Fachärztin für Labormedizin schien ihr ideal. „Aber ich habe in Thüringen die Berge und in der Facharztausbildung zur Labormedizin den Patient:innenkontakt vermisst“, blickt sie auf die Zeit in Deutschland zurück. So folgte sie ihrem Mann nach Zell am See, nach der Geburt ihrer beiden Kinder begann sie parallel die FA-Ausbildung Augenheilkunde und Krankenhaushygiene und war von beiden gleichermaßen begeistert. Dankbare Patient:innen Als ihre ältere Tochter ins Schulalter kam, kehrte sie nach Graz zurück und ist sehr dankbar, dass sie ihre Facharztausbildung in Graz in einem außerordentlich kollegialen und wertschätzenden Team abschließen konnte „Hier wird das gesamte Spektrum der Augenheilkunde angeboten“, blickt sie auf spannende Jahre zurück. Danach begann sie Augenärzt:innen zu vertreten und so einen sehr guten Einblick und wertvolle Erfahrungen für ihre eigene Ordination zu sammeln. Denn bis zur Pensionierung im Krankenhausbetrieb zu arbeiten, konnte sie sich nicht vorstellen. „Die Nacht- und Wochenenddienste sind mir mit Familie zunehmend schwerer gefallen, zumal mit Kindern der Schlaf ohnehin zu kurz kommt.“ Als der Kassenvertrag in Kapfenberg ausgeschrieben wurde, ergriff sie die Chance – im September erfolgte die Eröffnung. Kleinhans-Öller: „Die Patient:innen sind so nett und dankbar, dass es nun wieder eine Augenärztin gibt.“ Auch mit ihrem Team ist sie sehr zufrieden. „Es ist schön, so zu arbeiten und auch von der Stadtgemeinde so nett willkommen geheißen zu werden.“ Austausch fehlt Nach den größten Vorteilen einer eigenen Ordination gefragt, antwortet Kleinhans-Öller: „Ich liebe es selbstbestimmt zur arbeiten. Das Wochenende frei und keine Nachtdienste zu haben, ist ebenfalls ein großer Vorteil.“ Einzig den täglichen kollegialen Austausch vermisse sie sehr. Für alle, die lieber im Krankenhausbetrieb bleiben wollen, wünscht sie sich ein Modell, wie sie es in Australien und einigen europäischen Ländern kennengelernt hat. Hier machen Ärzt:innen ab dem 50. Lebensjahr keine Dienste mehr, sondern sind mit ihrer reichen Erfahrung für die Ausbildung der jungen Kolleg:innen zuständig. Foto: privat „Ich liebe eigenständiges Arbeiten – und bin gerne meine eigene Chefin. Und natürlich ist es ein Riesenvorteil, das Wochenende frei und keine Nachtdienste zu haben.“ GERNE ÄRZTIN GERNE ÄRZTIN/ARZT IN DER STEIERMARK Es ist nicht alles gut. Aber es ist so vieles gut, dass Ärztinnen und Ärzte in der Steiermark das gerne sind. Hier sagen sie, warum und zeigen ihr Gesicht. Marlen Kleinhans-Öller ÆRZTE Steiermark || 01|2026 17 Die Sehnsucht nach den Bergen und der Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, haben ein gutes Stück dazu beigetragen, dass Marlen Kleinhans-Öller im September ihre eigene Ordination in Kapfenberg eröffnet hat. Ein Schritt, über den sie „absolut glücklich“ ist.
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